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Das Elfen-Portal – Henry Atherton

Henry Atherton ist uns ja schon bekannt aus der Elfenportal-Saga. Der Teenager, der plötzlich erfährt, dass Mama lesbisch und Elfen und Dämonen real sind und der feststellen muss, dass seine große Liebe eine Prinzessin ist. Henry ist ein grundguter und anständiger Junge, der immer alles richtig machen will, keinem wehtun mag und ständig zwischen seinen Gefühlen hin- und hergerissen ist. Wie etwa in Bezug auf seine Mutter, die er gleichzeitig hasst und liebt – und er hat absolut keine Ahnung, wie er damit umgehen soll, wie er sich gegen die Boshaftigkeiten seiner Ma wehren oder sich ihren Wünschen widersetzen könnte.

Waage aus dem Gleichgewicht

Am liebsten wäre es ihm, wenn alles schön harmonisch wäre, ausgeglichen, damit er Frieden haben kann. Situationen mit Konflikten oder sogar Streit sind nicht seins. Leider kommt dazu, dass er auch noch sehr jung ist, sehr unsicher und ängstlich.

Diese Unsicherheit kennt jeder junge Mensch, aber eine Waage mit ihrem Harmoniebedürfnis ist solchen Situationen besonders ausgesetzt. Wenn Eltern verkünden, sich zu trennen, hat man als Kind keine Chance, etwas dagegen zu tun. Aber als Waage hat man auch nicht die Wahl, mit Bockigkeit oder Aggression seinen Frust auszuagieren, das würde ja die Konflikte verstärken.

Was es aber richtig schlimm macht, ist, dass auch so ziemlich alle anderen in Henrys Umfeld sich einen Deut darum scheren, was Henry will. Und Henry ist eher stumm und schüchtern und sensibel und keine Waage, die sich aktiv darum bemüht, das Schlimme zu eliminieren. Will jemand etwas anderes, denkt Henry sehr viel darüber nach und wie er das machen oder abwenden kann … aber bis dahin haben Holly Blue, seine Mutter oder Pyrgus einfach schon entschieden, was jetzt Sache ist und ziehen ihn hinter sich her.

Dazu kommt im Falle Henrys, dass er auch über die Entwicklung der Bände hinweg quasi wenig lernt, um diesem Dilemma aus dem Weg zu gehen. Sein massivster Auftritt findet statt, als er sich als Sechzehnjähriger mal eben so seiner Mutter widersetzt, als sie den alten Kater von Mr. Fogarty kastrieren lassen will. Da steht Henry plötzlich ganz eindeutig zu sich und seiner Meinung und lässt den Kater wieder frei und sagt sogar zu seiner Mutter „So nicht“. Aber schon bald steht er wieder in einer Situation, in der er hilflos reagiert, statt sich mal eine Minute Zeit zu geben, um in Ruhe nachzudenken.

Lieber langsam ins Abenteuer …

Waagen sind ja auch wenig spontan, sie mögen es nicht so gerne, wenn die ganze Zeit Unerwartetes passiert. Und so ist es vollkommen klar, dass der arme Henry vollkommen überfordert davon ist, was innerhalb weniger Tage auf ihn eintstürzt.

Allein an einem Tag gehen gleich mehrere Weltbilder kaputt: Die Trennung seiner Eltern ist schlimm genug; plötzlich eine neue Welt kennen zu lernen, zu erfahren, dass sein „Arbeitgeber“ mal Bankräuber war und dass er seine Eltern belügen muss, um seinem neuen Freund zu helfen – peng, peng, peng, jede Minute eine neue Situation. Für Jung-Waage Henry ist es eine enorme Leistung, dass er das irgendwie hinkriegt.

Beziehungen um jeden Preis?

Die Waage ist auch jemand, der ihre Beziehungen sehr wichtig sind. Das führt bei Henry dazu, dass er Mister Fogarty, dem alten Kauz unbedingt helfen will. Und den Elfenjungen Pyrgus hat er irgendwie gleich ins Herz geschlossen und damit ist es überhaupt keine Frage, dass er trotz aller Nicht-Spontaneität und Ängsten den Weg ins Elfenreich geht und seinem neuen Freund hilft. Auch die verkorkste Beziehung zu seiner Mutter ist irgendwie wichtig für ihn. Als Holly Blue ihn fragt, ob er nicht im Elfenreich bleiben will – er hat ja Freunde, einen Titel und könnte frei leben – geht er trotzdem wieder auf die Erde. Zum einen, weil er Angst hat, aber auch, weil er seine kaputte Familie nicht einfach so hinter sich lassen kann.

Neben seiner Waage-Neigung, seine Waagschalen immer wieder auf eine Höhe zu bekommen, zeigt Henry auch die anderen Waage-typischen Eigenschaften: Ihm sind seine Freunde wichtig, seine engen Bezugspersonen. Auch wenn er sie – wie im Fall seiner Mutter – gleichzeitig hasst und liebt, und sich dessen sogar bewusst ist. Er schafft es einfach nicht, sich von ihr zu lösen und am Ende des dritten Bandes einfach im Elfenreich zu bleiben – wo er zumindest mehr Freiheit hat, als auf der Erde.

Was tun als Waage im Werden?

Henry hasst sein Gefühlschaos, seine Unsicherheit und seine Ängste. Klar, ein Teil seiner Schwierigkeiten liegt einfach darin begründet, dass er ein Teenie im Hormonchaos ist, der plötzlich mit Dingen konfrontiert wird, die er sich im Leben nicht hätte träumen können. Das ist schon anstrengend genug. Dass Henry sich allerdings monatelang schämt, weil er Holly Blue (die Prinzessin) versehentlich nackt gesehen hat und deswegen ständig unsicher ist, wenn sie ihm begegnet, das ist schon eine recht heftige Art, mit der Welt umzugehen.

Und Henry plagt sich auch ständig selbst: Er fragt sich permanent, warum er nicht cool und lässig sein kann, überlegt meistens, was er jetzt macht (manchmal zu lang) und ist so unsicher, dass alle anderen schon vollkommen ungeduldig sind und einfach über seinen Kopf hinweg entscheiden. Keiner, nicht mal seine geliebte Blue, machen da eine Ausnahme.

Henry ist eine noch sehr junge Waage, das darf man nicht vergessen. Eine Waage, der noch die Sicherheit fehlt, dass sich die beiden Schalen schon wieder ausgleichen werden, wenn sie genug ausgeschwungen sind. Er ist eine Waage, die vor lauter Aufregung kaum dazu kommt, mal innezuhalten und in Ruhe zu gucken, was da in den Schalen liegt und was sie vielleicht einfach wieder rauswerfen könnte. Henry ist eine Waage am Limit – und erst ganz am Ende, als er endlich die Entscheidung trifft, im Elfenreich zu bleiben, fängt er an, bei sich zu bleiben.

Liebe Waagen, nehmt es nicht so tragisch, wenn es mal disharmonisch wird, spontan oder sonst irgendwie anders, als es für eure Komfortzone prima ist. Das Leben ruckelt’s schon wieder zurecht, habt Vertrauen.

Und alle anderen sollten einer Waage im Werden ab und an eine helfende Hand reichen und sich in Geduld üben. Die Waage ist nicht so schnell, schließlich müssen sich die Waagschalen ja erst mal auspendeln.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Das Elfenportal
Autor Herbie Brennan
Seiten 403
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv junior extra
Jahr 2008

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