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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ein Käfer wie ich

Ein Mehlkäfer braucht nicht viel. Einen Baumstrunk zum Kauen, einen lieben besten Freund und vor allem viel Ruhe und Genügsamkeit – und der selige Frieden ist perfekt. So könnte der kleine Mehli – wenn es denn nach ihm gehen würde – behaglich in seiner selbstgenagten Höhle hocken bleiben und die Welt Welt sein lassen. Doch dank seines besten Freundes kommt es natürlich anders.

Besagter bester Freund Fritz ist nicht nur ein Tausendfüßler, sondern auch eine Art Tausendsassa und kommt jeden Tag auf neue verrückte Ideen. Er ist mit seinen verrückten, spontanen Einfällen das genaue Gegenteil des gemütlichen Käfers. Aber trotzdem oder vielleicht genau deswegen gelingt es ihm immer wieder, den Mehlkäfer zu überreden, bei den kleinen und größeren Abenteuern mitzumachen.

Unfreiwillig ins Abenteuer

Und so beginnt es auch diesmal: Nur weil Fritz unbedingt dieses sagenhafte rot-weiß-gestreifte Ei haben will, dass er in der Nähe einer Kokosnuss am Rande des Tümpels entdeckt hat, hat, kommt er auf die lebensgefährliche Idee, in die Trutzburg der aggressiven und kriegslüsternen Ameisen einzubrechen. Die sind ihm nämlich zuvor gekommen und haben ihm den Schatz vor der Nase weggegschnappt. Weil der manchmal sehr ehrgeizige Myriapoda (so der wissenschaftliche Name dieses Tieres) nun das Ei aber erst recht haben will, sucht er mit Mehli zusammen den alten, weisen Erdkäfer Babalubo auf, der immer einen Ausweg weiß, wenn keiner mehr daran glaubt.

Die Reise dorthin ist schon recht abenteuerlich und für einen behäbigen Käfer wie Mehli eindeutig zuviel des Guten. Ganz Waage-typisch hatte er sowieso keine Lust auf diesen mehr als spontanen Trip, aber nachts auf einem wackeligen Blatt über den See, in dem Borko, der Wasserkäfer lauert – Au Backe. Doch der Besuch bei Babolu lohnt sich auf ganz unerwartete Weise. Abgesehen davon, dass er – natürlich – ein Wundermittel gegen aggressive Ameisen hat, gibt er Mehli etwas wunderbares zu essen: Mehl!

Als Dauerbewohner des alten Baumes hat der Mehlkäfer die ihm namentlich verordnete Leibspeise noch nie probiert. Und ist sofort verzaubert. Fortan hat er ein Lebensziel – Mehl. Er möchte eines Tages dorthin, wo quasi Mehl und Honig fließen. Oder es zumindest das Mehl in rauhen Mengen gibt.

Zauberstaub: Mehl

Maikäfer im Abflug begriffen

Maikäfer flieg – aber wohin? Etwa endlich zur legendären Mühle?

Das interessiert Tausendfüßler Fritz zunächst herzlich wenig. Sein Abenteuer, das Ei zurückzuerobern, nimmt ungeahnte Ausmaße an, die natürlich auch Mehli nicht verschonen. Ehe sich die beiden versehen, haben sie mit einer abtrünnigen Ameise und einem genusssüchtigen Maikäfer Freundschaft geschlossen. Doch das Mehl bewirkt bei Mehli, was Fritz in all den Jahren der Freundschaft nicht zu erreichen vermochte: Der Mehlkäfer entdeckt die eigene Abenteuerlust. Hatte er sich früher meistens über die eruptiven Abenteuer-Anfälle seines Freundes mokiert, so stellt er diese für ihn völlig ungewohnte Eigenschaft plötzlich an sich selber fest. Fast schon spontan bittet er daraufhin den Maikäfer, ihn zu der legendären Mühle zu fliegen, von der der Mailkäfer angeblich weiß, und ihn dort den Wonnen der weißen Berge zu überlassen. Natürlich erstmal nur für kurz, eine Art Ausflug ins Schlaraffenland.

Dass auch dieser Ausflug nicht unfallfrei verläuft, kann sich wohl jeder denken. Als Mehli wieder zum Maulbeerbaum – dem Zuhause der Insekten-WG – zurückkehrt, ist er nicht nur erschöpft und von der Reiselust vorerst geheilt, sondern auch plötzlich Onkel einer wunderhübschen, verfressenen Raupe, die jeden Tag fetter wird. Die neuen Familienfreuden halten die Bande mächtig auf Trab. Ein weiterer Ausflug zu Babolu, um für Schmatzimilian, so der passende Name der Raupe, eine Medizin zu besorgen, verläuft dramatisch, endet aber gerade noch gut. Mehli denkt zwar manchmal an Mehl, macht aber keine Anstalten mehr, sein Zuhause zu verlassen. Die alte Bequemlichkeit hat ihn wieder.

Der zweite Anlauf ins Mehl-Paradies

Bis eines Tages das unglaubliche geschieht: Schmatzimilian verschwindet. Ziehvater Fritz ist am Boden zerstört und verlässt den Maulbeerbaum in Richtung eines einsamen Steines. Melonko, die befreundete Ameise zieht ebenfalls von Dannen. Und Mehli beschließt, seinen alten Traum, ein Zuhause im Mehl zu suchen, wieder zu verfolgen.

Also macht er sich mit Hilfe diverser neugewonnener Freunde auf, den zweiten Versucht zu wagen, das Paradies zu finden. Doch wieder verläuft alles anders, als er sich vorgestellt hat …

Kurzum: es geht von einem Abenteuer ins nächste. Und ohne viel vorweg nehmen zu wollen – selbstverständlich geht alles gut aus und am Ende sind alle wieder glücklich vereint. Doch worum es hier wirklich geht, ist ja die Waage.

Ein Lockmittel für die Waage …

Waagen sind ja tendeziell eher ein bisschen zurückhaltender, was spontane Entscheidungen angeht. Sie überlegen lieber viermal, bevor sie aus dem Haus gehen und waghalsige Abenteuer liegen ihnen so gar nicht. Es sei denn … Ja, es sei denn, es könnte sich lohnen. Und etwas, für das sich so eine Strapaze lohnt, ist entweder ein guter Freund (und Waagen wissen Freunde wirklich sehr zu schätzen, für Freunde tun sie alles) oder ein Traum. Beides kann die zögerliche Waage plötzlich in einen Buzz Lightyear, einen Gulliver oder einen Indiana Jones verwandeln.

Es braucht also nur den richtigen Anreiz. Liebe Freunde aller Waagen – bietet diesen Anreiz und ihr werdet euch wundern, was in den non-spontanen Tierkreiszeichen für sagenhafte Draufgänger schlummern.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Ein Käfer wie ich – Die Erlebnisse eines Mehlkäfers
Autor Erwin Moser
Seiten 209
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Beltz & Gelberg
Jahr 1982

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Foto: © Angelika Koch-Schmid/PIXELIO

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