chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

MacBest

Magrat ist knochendürr, hat zerzaustes stohblondes Haar, hofft auf Anerkennung – und ist die Jüngste. Nicht das jüngste Kind oder so. Nein, sie ist die jüngste Hexe. Und um alles noch schwieriger zu machen: Sie ist nicht nur die jüngste im Bunde der drei Hexen. Sie ist die mit der geringsten Erfahrung. Sie ist die, die an okkulte Dinge glaubt und daran, dass Symbole etwas bewirken können. Sie ist die, die sich ihrer nicht so sicher ist. Das alles ist das Blödeste, was man sein kann, wenn man in der gleichen Gegend wohnt, wie die besten Hexen der Spitzhornberge: Oma (Esme) Wetterwachs und Nanny Ogg.

Ich bin klein, mein Herz ist rein …?

Pech für die junge Magrat, deren Name einfach aus einem Schreibfehler der Eltern resultiert? Ja – und nein. Ja, die ewig friedliche Magrat wünscht sich sehr, dass die beiden alten Hexen einmal sehen, dass SIE den Hexenzirkel ins Leben gerufen hat. Sie fände es toll, wenn die beiden erfahrenen Frauen auch einmal anerkennen würden, dass SIE auch etwas kann, und zwar nicht nur Tee kochen. Magrat will, dass die beiden Schachteln (was sie so NIE sagen würde) sie nicht immer wie ein blödes, unerfahrenes Küken behandeln würden.

zwei hexen, die in schwarzer kleidung und mit regenschrimen bei mondschein unter einem baum sitzen. foto: cavin/flickr.com

Magrat träumt von einem richtigen Hexenzirkel mit okkulten Symbolen, einem ordentlichen Kessel voller was auch immer, Tänzen ums Feuer und vielleicht auch Gesang. Die einzigen Hexen, die bei ihrem Zirkel mitmachen, halten mehr von einer Tasse gutem Tee – und gezaubert wird nur, wenn es gar nicht anders geht.

Vor lauter Wünschen und Rumeiern und Hoffen-auf-ein-Lob kommt die arme Magrat gar nicht dazu, einfach mal sie selber zu sein. Da sie zudem auch noch reichlich harmonisch veranlagt ist, verträgt sie es auch nicht, wenn Oma Wetterwachs und Nanny Ogg mal wieder Nase an Nase eine Minifehde austragen, vielleicht sogar lautstark und böse. Sie zuckt ängstlich zusammen und benimmt sich wirklich wie ein Küken (oder besser Häschen) bei Gewitter und zieht alles ein. Sie traut sich einfach nicht, auch mal auf den Putz zu hauen. Am liebsten hätte sie es, wenn alle freundlich zueinander wären. Wenn alle lächelten und mit Blumengirlanden um sich wedelten.

Und es wäre einfach grandios, wenn mit der Zauberei eine gewisse Grandezza einherginge, ein bisschen Romantik und etwas Heroisches – dem Prinzen heldenhaft zu seinem angestammten Platz verhelfen etwa wie in „MacBest“. Stattdessen poltern eine dünne und eine dicke Frau durch die Berge und machen jeden klein; allein durch ihr schieres riesiges, überbordendes Selbstbewusstsein und die Zauberei wird nur eingesetzt, wenn’s notwendig ist. Und dann eher wie ein guter Handwerker, auf keinen Fall mit Brimborium, okkulten Symbolen und derartigem Kram.

Einfach mal nett sein? Wozu?

Waage Magrat leidet sehr unter ihrer Harmoniesucht – auch wenn sie die nicht als solche erkennt. Sie ist sich ständig unsicher, immer am Zweifeln, fragt sich ständig, ob sie das Richtige am richtigen Ort zur richtigen Zeit tut. Sie lässt sich einschüchtern durch die beiden Überhexen und erkennt einfach nicht, dass man gegen die beiden nur dann bestehen kann, wenn man einfach versucht, man selbst zu sein. Und einfach seinen Weg geht. Dass die beiden Althexen jemanden respektieren, der einfach was macht.

Mach doch, was du kannst!!!

Glücklicherweise passiert das irgendwann quasi nebenbei: Magrat will Nanny aus dem Gefängnis befreien und sprengt mit einer gewissen Beiläufigkeit die dicke Holztür. Und auch wenn die beiden Superhexen es vor ihr kaum zugeben würden: Sie sind beeindruckt. Und Magrat schert sich das erste Mal keinen Deut darum, was die beiden denken, sondern rauscht einfach wieder ab. Hocherhobenen Kopfes. Gut so!

Nicht nur Waagen können hier etwas lernen, sondern jeder: Die alte „Binsenweisheit“, dass man sich selbst bewusst sein sollte. Will heißen, wissen, was man kann und das auch leben können. Nicht eingebildet oder angeberisch. Einfach und schlicht wissen, welche Fähigkeiten man hat. Und sich dann ein kleines dickes Fell aneignen. Kein Panzer, sondern eine etwas dickere Haut, die alles Gefühle zulässt, einem aber auch hilft, die ein oder andere Stichelei, Missachtung oder was auch immer einem widerfährt, besser abperlen lassen zu können. Und damit die Möglichkeit haben, mit ein bisschen Abstand über die ganzen Sachen nachdenken zu können. Vielleicht ist ja der ein oder andere hilfreiche Tipp darunter, den man wirklich gut gebrauchen kann.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel MacBest
Autor Terry Pratchett
Seiten 352
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1996

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Fotos: © Cavin/flickr – Creative Commons License

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