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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Der Fall Jane Eyre

Literatur-Agent, das hört sich nach Werbung und Netzwerken an, nach ewiger Suche des richtigen Titels und des tollsten Autors … Heißt man jedoch Thursday Next, dann heißt Literatur-Agent die ewige Suche nach Fehlern in der Literatur, danach, ob irgendein Schurke mal wieder ein Buch umschreibt und damit das Lesevergnügen von Generationen infragestellt. Es heißt auch, Verbrecher aus der Buchwelt zu holen, die sich beim Versuch, einer gerechten Strafe zu entgehen, dorthin geflüchtet haben.

Thursday ist super in ihrem Beruf. Sie liebt ihn und würde ihn nicht für alles Geld der Welt aufgeben. Sie liebt ihren Beruf so sehr, dass sie ihn auch nach ihrer Suspendierung weiter ausführt. Heimlich natürlich. Aber sie liebt ihn auch in der Form, wie sie ihn verstanden wissen will: Für die Literatur und ihre Protagonisten. Die sollen nämlich weiter ihr Buchleben führen dürfen. Und für die Leser, die weiterhin ein tolles Lesevergnügen haben sollen, das ihnen Freude und Erholung im Alltag liefert.

Frei sein trotz aller Widerstände

Agent Next ist eine charmante Frau, eine, die auch von ihren Gegnern ernst genommen wird, weil sie wirklich zu ihren Werten steht. Sie ist aber auch undogmatisch und idealistisch, was ihren Job und die Erfüllung ihres Daseins betrifft: Sie rebelliert dagegen, dass sich der Großkonzern Goliath Corporation immer mehr in die Aufgaben ihrer Behörde einmischt und diktiert, wer wo untersuchen soll, damit der Konzern immer mehr machen kann, was er will. Sie sagt ihren Gegnern ihre Meinung klar ins Gesicht und geht auch direkt und mutig auf sie (und die garantiert folgenden Schwierigkeiten) los.

Das führt dazu, dass Goliath ihren Ehemann „nichtet“ – dazu wird eine Zeitreise unternommen und der Mann bei einem Unfall in seiner Kindheit sterben gelassen. Thursday ist so ziemlich die einzige, die sich noch an ihren Mann erinnert – allein schon deswegen, weil sie gerade erfahren hatte, dass sie von ihm schwanger ist. Und sie will ihn wiederhaben. Dass sie dafür einige Bücher und viele Abenteuer braucht, zeigt, wie hartnäckig sie sein kann.

Hauptsache, man tut etwas dagegen

Dabei geht die werdende Mutter durchaus gewitzt und furchtlos vor. Sie wagt sich sogar in die Höhle des Löwen vor, bis hin zum Oberboss. Sie nimmt in Kauf, ein Jahr lang in der Buchwelt zu leben, um sich und ihr ungeborenes Kind zu schützen – und um dann dort Verbrecher zu jagen, die die Figuren in den Büchern von innen heraus drangsalieren oder stürzen wollen. Thursday hat – felsenfest – ihre Vorstellung davon, wie sie leben möchte. Das vertritt sie auch mit allem Nachdruck, und zwar jedem gegenüber, sogar in bezug auf ihre Mutter. Die meint nämlich, Thursday solle sich einfach mit ihrem Schicksal abfinden, auch andere Männer seien genichtet, aber das Leben geht weiter und so fort. Aber sie ist dabei so charmant und liebenswert, dass man ihr die ein oder andere wassermanntypische Engstirnigkeit gerne nachsieht.

Ja, Thursday ist ein vollblütiger Wassermann, naja, -frau. Sie will ihren Mann wieder. Also geht sie an dieser Aufgabe zunächst mit Ernsthaftigkeit und Einhaltung der Regeln vor und stellt einen entsprechenden Antrag. Als sie merkt, sie wird nur veräppelt, schlägt sie andere Töne an: Von der rohen Drohung, dem Versuch per Zeitreise den Unfall zu verhindern bis hin zu zynisch-lustigen Aktionen, in denen sie wiederum auf ungewöhnliche Weise den Verursacher ihres Leides austrickst  ist alles dabei. Wassermänner sind eben vielfältig und können allem durchaus auch mit Humor begegnen.

Mut, für sich einzustehen

Und so geht sie bei allem vor, was ihr wichtig ist. Sei es ihr Wille, ihren Mann wiederzubekommen. Sei es ihre tiefe Überzeugung, dass die Menschen frei leben können dürfen, ohne dass ein Großkonzern ihnen vorschreibt, was man essen und denken soll. Sei es, dass sie dagegen ist, dass die Menschen immer mehr verblöden, weil sie nur noch debile Fernsehssendungen sehen und ihr Hirn nicht mehr zum Denken nutzen.

Dem stellt sie ihren Charme, ihre Neugier und ja auch ihre Position und ihr Können entgegen. Und immer wieder ihren Mut, sich nicht von irgendwem einschüchtern zu lassen.

Also liebe Wassermänner und -frauen: Nehmt, was ihr habt und tretet für das ein, was euch wichtig ist. Habt den Mut und die Chuzpe, den „anderen“ wortwörtlich gegenüberzutreten und für euch und eure Lieben einzustehen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel alle Thursday-Next-Romane, z.B.
Der Fall Jane Eyre
Autor Jasper Fforde
Seiten 378
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv
Jahr 2005

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