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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Wer hat dich, du schöner Wald …

Ein Schulausflug mit dramatischen Folgen: Die Lehrerin Elise Sanders mit dem Spitznamen Mutter Natur (oder kurz MN) der Lehramtskanditat Peter sowie die Klasse 5b wollen im Unterricht den gesunden deutschen Mischwald erkunden. Doch zu ihrem Entsetzen ist von dem nicht mehr viel übrig – statt einer Vielfalt unterschiedlicher Bäume entdecken sie eine bestialisch gerodete Fläche und eine Schonung neu gepflanzter Fichten, alle in Reih und Glied. Die Schüler erfahren, dass hier Geld gemacht werden soll: Die Fichten wachsen schnell und können daher bald gefällt und zu allen möglichen Holzprodukten verarbeitet werden. Zwischen den geordneten Bäumen sind für den Abtransport des Holzes Asphaltstraßen angelegt worden. Der Wald ist komplett industrialisiert worden.

Der Schock sitzt sowohl bei den beiden Lehrern als auch bei den Schülern tief. Denn am (nicht mehr ganz) lebendigen Beispiel lernen sie auch gleich die Folgen dieser Monokultur kennen: Die Artenvielfalt der Tiere geht zurück, die dürren Bäumchen sind bei einem kräftigen Wind kaum geschützt und – ehrlich gesagt – Versteckspielen kann man in so einem mageren Wäldchen auch nicht mehr. Da packt die Klasse nicht nur die Wut, sondern auch der Aktionismus. Denn nur zusehen und meckern ist eben nicht ihre – und des Wassermanns – Art. Es muss etwas getan werden!

Strategie zur Waldrettung

Alle beraten, was man unternehmen kann, um die Waldversklavung zu verhindern oder zumindest für alle sichtbar zu machen. Als erstes fällt ihnen der Waldlehrpfad ein, der in dem Mickerwäldchen angelegt ist. Dieser erklärt mit Hilfe von Schildern, die an die (wenigen noch existenten) Bäume gepappt sind, was es im Wald so alles gibt. Das Problem daran ist: auf den Schildern steht das Falsche! So denken jedenfalls die Schüler, als sie an jedem Baum lesen, was durch ihn alles hergestellt werden kann – aber nicht, dass er und der ganze restliche Wald langsam zugrunde gehen. Der Fall ist klar: Neue Schilder müssen her! Und auf denen soll stehen, wie es wirklich ist!

Und so beginnt für die Schüler und die beiden Lehrer die Zeit im Untergrund. Unter höchster Verschwiegenheit malen sie neue Schilder („Ich sterbe an saurem Regen!“, „Ich bin gepflanzt worden, damit ich Papier werde“), die in einer Nacht- und Nebelaktion auf die anderen draufgenagelt werden. Natürlich ist mal wieder alles nicht so einfach. Ihre Schilder werden höchst amtlich wieder entfernt. Doch die 5b lässt sich nicht unterkriegen und wiederholt ihre Aktion.

Und: Action!

Nach und nach kriegen auch die Eltern Wind von der Sache und helfen mit. Als zum dritten Mal Schilder aufgehängt werden, passiert es: Ein Großaufgebot der Polizei macht Jagd auf die Schulklasse, MN und ein Schüler werden verhaftet. Jetzt beginnt endgültig die Fehde zwischen den Schülern, ihren Eltern und den beiden Lehrern sowie den Holzindustriellen und der Stadtverwaltung auf der Gegenseite.

Es werden Unterschriften gesammelt, Anzeigen erstattet und sogar Lehrbeauftragten mit Kündigung gedroht, doch am Ende siegen die Schüler: Ihre Schilder für den Lehrpfad werden übernommen (mit Absegnung der biologischen Fakultät der Uni) und feierlich eingeweiht. Doch der Kampf, so lernen sie nebenbei auch noch, ist noch lange nicht zu Ende. Aber als das rebellische und unerschrockene Kollektiv, das sie mittlerweile sind, werden sie auch die nächsten Hürden meistern. Denn eines wissen die Schüler und all ihre Mitstreiter jetzt auf jeden Fall: Die Welt ändert sich nicht von allein. Wer etwas verbessern will, muss selbst Hand anlegen und etwas tun. Und nicht etwa später, sondern sofort. Denn wenn nicht jetzt, wann dann?

Hands-On-Mentalität in Bestform

Das ist typisch für den Wassermann: Er ist ganz groß in seinem Idealismus. Und auch (oder vor allem) darin, sich dafür in Bewegung zu setzen. Er liebt die Welt und das Leben auf ihr einfach so sehr, dass er nicht anders kann, als das eine oder andere zu optimieren. Dabei ist er durchaus leidenschaftlich – und weil er so charmant und liebenswert ist, findet er auch schnell Mitstreiter, die mit ihm auf seiner Welle mitreiten.

Die Klasse 5b ist ein kollektiver Wassermann – inklusive der beiden Lehrer. Die Empörung über die Ausbeutung ihrer Welt berührt sie so tief, dass sie aktiv werden müssen. Und das mit Schmackes! Abwarten und langsam angehen lassen liegt ihm jetzt nicht unbedingt (und einem Haufen Fünftklässler vermutlich erst recht nicht), daher wird – legal, illegal, völlig egal – etwas unternommen. Vielleicht etwas unbesonnen, vielleicht etwas zu stur, aber auf jeden Fall wirksam. Und das ist jedem noch so minderjährigen Wassermann (oder -frau) wichtig!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Wer hat dich, du schöner Wald …
Autor Marie Marcks
Seiten 92
Ausstattung Taschenbuch
Verlag rowohlt
Jahr 1983

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