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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Die Chaos-Kompanie

Hauptmann Scaramouche ist ein schneidiger junger Mann, der sich mit einer Menge Geld ein Offizierspatent in der Weltraumlegion gekauft hat. In einem seiner Einsätze bringt der Multimegamillionär einen Piloten dazu, einen feindlichen Planeten anzugreifen – nur um dann festzustellen, dass gerade die Friedensverhandlungen laufen und er beinahe alles vermasselt hätte. Vor’m Kriegsgericht wird er freigesprochen und befördert: Sein Vater ist der Hauptwaffenlieferant der Weltraumlegion und mit dem will es sich keiner verscherzen. Die Beförderung ist jedoch kein Lob, sondern der Versuch, Scaramouche dazu zu bringen, seinen Dienst zu quittieren. Warum? Er wird Hauptmann einer „Omega-Kompanie“, einem Haufen an Legionären, die keiner haben will, Nieten und Versager, Angepasste und Pazifisten. Aber dann läuft der Hauptmann zur Höchstform auf.

Willard Narrisch (so der bürgerliche Name des Missetäters) muss nicht nur auf einen öden Sumpfplaneten, er muss auch seinen Legionsnamen ändern und nennt sich fortan Hauptmann Joker. Und so kommt er mit seinem Butler Beeker auf Haskins Planeten an und mit der Idee, einen Haufen Selbstzeifler zu einem Team und zu selbstbewussten Menschen zu formen.

Keiner ist eine Niete

Keiner ist von sich aus ein Versager, niemand ein Nichts, das ist Jokers Devise. Wenn jemand sich selbst nicht achten kann, an seinen Fähigkeiten zweifelt, sich für eine Niete hält, dann hat er das eingebleut bekommen. Und Narrisch kann und will so etwas nicht dulden. Er nimmt sich vor, seine Kompanie zu einer Einheit zu formen, die aus Mitgliedern besteht, die gegenseitig für sich einstehen.

Und so tritt er vor seine Truppe: „Man hat mir berichtet, ihr wärt alle Verlierer und Außenseiter“, beginnt er seine Rede vor den Legionären, „Das glaube ich nicht … auch wenn klar ist, daß die meisten von euch sich selbst für Verlierer halten, so, wie ihr euch benehmt.“ Und dann macht er ihnen unmissverständlich klar, dass jeder effizient und gut sein kann und dass es vor allen Dingen an der Führung, den Vorgesetzten, liegt, wenn die anderen sich nicht gut entwickeln. Dass er die Verantwortung trägt und daher sein Geld, sein Engagement und seine Fähigkeiten verwenden wird, um den Omega-Mob zu einer schlagkräftigen, teamorientierten Truppe aufzubauen.

Schwunghaftes Umkrempeln

Spielkarte mit Joker in rot von Francois Haffner

Hauptmann Joker krempelt den Omega-Mob von individualistischen Versager-Typen in selbstbewusste und vollwertige Mitglieder seiner Kompanie um, mit Enthusiasmus und Energie (und ein bisschen Geld). Sie danken es ihm, indem sie loyal bis zum Abwinken sind. Und überraschen ihren Hauptmann mit einem selbstentworfenen Logo, das fortan alle an der Uniform tragen.

Und dann legt er los: Er will die Unterkünfte umbauen. Ab sofort gibt es keinen Legionsfraß mehr, sondern es wird gut gegessen. Die Leutnants sollen gefälligst aufhören, sich gegenseitig zu piesacken und die Hauptarbeit den Feldwebeln zu überlassen, sondern sich unterstüzen und tolerieren in ihrem So-Sein. Er bringt die Legionäre paarweise als Mini-Teams zusammen, nachdem er sich ihre Akten bis zum Abwinken angeschaut hat und sich mit den anderen Offizieren beraten hat, um Temperamente auszugleichen und Fähigkeiten zur gegenseitigen Befruchtung zu verhelfen. Er lobt und kritisiert, aber immer fair. Er setzt die Leute nach ihren Möglichkeiten ein und organisiert, dass sich die Legionäre gegenseitig Unterricht geben.

Keiner kann sich seinem Charme und seiner scheinbar endlosen Energie entziehen. Und wenn es Ärger mit dem Hauptquartier gibt, stellt er sich vor seine Leute.

Charisma und Entscheidungskraft

Narrisch ist der Widder par excellence: charismatisch, energiegeladen, mitreißend, intelligent und mit dem großen Willen behaftet, seine Idee voranzutreiben. Er hat – was eine gute Unterstützung ist – Geld wie Heu und eine Menge Fertigkeiten, um sich mit allen Gegnern zu messen. Und er ist bereit, sich selbst genauso wie alle anderen zu fordern, anzutreiben und bis zur Erschöpfung zu rackern.

Wie sein Butler einmal vermerkt, kann sich keiner dem Strom entziehen, wenn er in den Sog von Hauptmann Joker gerät. Man kann fast gar nicht anders, als mitzuschwimmen und das Beste zu geben, was man in sich findet. Das Wichtigste von allem: Er ist 100prozentig überzeugt von seinem Tun, von seiner Idee. Er schlafft nicht ab, wenn er sein Ziel erreicht hat, sondern macht weiter, bildet seine Leute weiter, erst recht, als sie vom Hauptquartier zu neuen Aufgaben berufen werden.

Leider übertreibt er es manchmal, wenn er kaum schläft, kaum isst und so gar keine Verantwortung abgeben kann. Und das nicht, weil er denkt, dass seine Leutnants das nicht können, sondern einfach, weil „Entspannung“ gar nicht zu seinem Wortschatz gehört.

Ein Wunsch-Chef

Die Geschichten um Hauptmann Joker sind eine prima Gelegenheit, die Kraft und den Enthusiasmus eines Bilderbuch-Widders kennen zu lernen – und auch, sich einmal Gedanken darüber zu machen, wie viele Vorurteile man mit sich rumschleppt, bloß weil jemand anders ist als man selbst. Und schließlich zeigt es auch, wie viel Spaß man haben kann, wenn dieser ideale Chef einen zu Höchstleistungen motivert. Da sollte sich manche Führungskraft eine dicke Scheibe abschneiden … (ms)

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Die Chaos-Kompanie
Autor Robert Asprin
Seiten 302
Ausstattung Paperback
Verlag Bastei Lübbe
Jahr 1991

Weitere Geschichten um Hauptmann Joker sind „Das Chaos-Casino“ und „Viel Rummel um nichts“. Außerdem gibt es noch ein paar englische Ausgaben, die nie übersetzt wurden. Wen es interessiert und wer sich nicht scheut, aus amerikanischen Antiquariaten zu kaufen, sollte unter dem Stichwort „Phules Company“ suchen.


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Grafik: © François Haffner/Wikimedia Commons
Lizenz: GNU General Public License Vs3, GNU Lesser General Public License Vs3

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