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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ein Käfer wie ich – Der Maikäfer

Mehli, den etwas schüchternen Mehlkäfer aus Erwin Mosers Ein Käfer wie ich, habt ihr ja schon kennengelernt. Er ist nun wahrlich kein Widder – viel zu nachdenklich und zu zurückhaltend. Doch er hat einen Freund: den Maikäfer. Und der hat wahrlich Hörner! Unverwüstlich, spontan und tollkühn verleitet er Mehli zu unerschrockenen Reisen und verschafft ihm das eine oder andere saftige Abenteuer.

Eines Morgens, als die Welt friedlich und still erscheint, sitzt er plötzlich auf dem Maulbeerbaum, der Heimat von Mehli und seinen Freunden Melonko und Fritz. Melonko, die Ameise, entdeckt ihn als erster. Schnell weckt sie Mehli und führt ihn, nicht ohne eine unbestimmte Besorgnis in ihrem Zischeln, zum seltsamen Gast. Eigentlich sieht er gar nicht aus wie ein Abenteurer – dick und gemütlich sitzt er auf einem der obersten Äste und mampft ein Maulbeerblatt nach dem anderen. Doch der Schein trügt, denn ganz unvermittelt beginnt der Maikäfer, von seinen aufregenden Erlebnissen zu erzählen.

Und er hat scheinbar einiges erlebt: Er war in den Dörfern der Menschen unterwegs, hat in deren Behausungen gelebt und viele, ja, unzählige andere Käfer, Insekten sowie andere Tiere kennengelernt. Scheinbar die ganze Welt hat er schon gesehen und die unglaublichsten Dinge erlebt. Kein Wunder, dass die anderen da nur staunen können. Vor allem Mehli hat es als Zuhörer voll erwischt.

Geschichten vom Mehl der Welt

Freund Mehlkäfer hat er gleich zu Beginn seiner Erzählungen gefangen. Denn seine erste Geschichte handelt von einer echten Mühle und den Mehlkäfern, die dort wohnen. Und was fressen die wohl? Richtig: Mehl. Mehli, der diese Köstlichkeit einmal genossen hat, ist sofort Feuer und Flamme. Er hat den unvergleichlichen Geschmack nie vergessen und würde einiges dafür tun, um diese Wonne noch einmal erleben zu dürfen.

Natürlich bemerkt der Maikäfer Mehlis Leidenschaft sofort. Und so gelingt es ihm, den eigentlich zögerlichen Mehlkäfer zu überreden, mit ihm auf Reisen zu gehen. Klar, dass er den Mehlversessenen zu einer Mühle fliegen will. Er ja gefühlt 1000 Jahre dort gelebt hat, weiß er noch ganz genau, wo die zu finden ist. Und so fliegen die beiden los …

Der Weg ist das Ziel

Aber so einfach ist es dann doch nicht. Die Erinnerung hat den Abenteurer schwer betrogen und er muss Mehli auf einem Dachgiebel zurücklassen, um allein weiter zu suchen. Und da bleibt Mehli dann auch erstmal. Denn wie es manchmal die Eigenart eines Widders ist, kommen dem Maikäfer plötzlich andere Dinge in die Quere – zum Beispiel Essen …

Bevor sich jemand Sorgen macht: Mehli findet ohne maikäferliche Hilfe wieder zurück zum Maulbeerbaum. Und auch der Maikäfer findet ihn wieder und entschuldigt sich furchbar.

Ein gehörnter Maikäfer

Mit den Hörnern – in seinem Falle Fühlern – voran stürzt er sich in wilde Erlebnisse und lässt sich durch nichts aufhalten. Typisch Widder. Noch typischer ist, dass er dabei selten allein bleibt. Mit seiner sympathischen Art und seinem einnehmenden Wesen findet er schnell Freunde. Der Mehlkäfer ist da keine Ausnahme, sondern ein sehr gutes Beispiel. Kaum, dass der Maikäfer mitbekommen hat, wer da vor ihm steht, fängt er an, die richtigen Geschichten auszupacken. Er singt und plaudert und fabuliert vom Mehl, Mehlkäfern und ihrem Leben, das einem der Kopf schwirrt. Klar, dass Mehli sofort darauf anspringt und sich zu völlig ungewohnten Aktionen überreden lässt. Wobei überreden eigentlich das falsche Wort ist – ein waschechter Widder hat es gar nicht nötig, jemanden zu überreden. Er ist in seiner Art, für etwas Feuer und Flamme zu sein, so unwiderstehlich, dass jeder (und Mehli auch) von sich aus sofort mitziehen will.

So charakteristisch der spontane Aufbruch dann ist, so folgerichtig auch sein Ausgang. Der Maikäfer vergisst, was er eigentlich vorhatte und vertieft sich in etwas völlig anderes. Auch das ist dem gemeinen Widder anheim – sein Feuereifer, mit dem er eine Sache gestartet hat, erlischt zwar nicht, aber es brennt womöglich schnell woanders. Was seinen Mitstreitern, die noch in Plan Nr. 1 hängen, natürlich wenig nützt. Aber so ist Freund Widder nun mal: Er begeistert sich schnell für das eine, reißt alle anderen mit und landet schließlich ganz woanders. Im Falle des Maikäfers ist das ganz wörtlich zu verstehen.

Doch wirklich hängen lassen Widder und Maikäfer eigentlich niemanden. Denn untreu sind sie bei allen Abschweifungen nicht. Deswegen lasst euch Widderfreunden gesagt sein: Seid sauer auf eure stürmischen Gefährten, seid beleidigt und stutzt sie zurecht, aber zweifelt nie ernsthaft an ihnen. Sie werden immer wieder zu euch zurück finden und wenn es hart auf hart kommt, halten sie zu euch. Entwickelt für die Unternehmungen einen Plan B, falls es euch beruhigt, aber verzichtet nicht auf die Abenteuer mit echten Widdern. Denn die sind einzigartig!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Ein Käfer wie ich – Die Erlebnisse eines Mehlkäfers
Autor Erwin Moser
Seiten 209
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Beltz & Gelberg
Jahr 1982

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