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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald – Petzi

Im Tausend-Wunder-Wald lebt Petzi, ein kleiner Tau-Tau-Wu-Wu-Wa-Wa-Indianer. Er ist ein lebendiger, agiler kleiner Bursche, voller Energie. Er ist voller Ideen, gutherzig und nett, aber auch impulsiv und mitreißend, lustig und vergnügt. Zumindest meistens ist er lustig und fröhlich: Manches Mal ist er einfach ärgerlich, weil seine beiden großen Brüder alles besser können und ihn manchmal auch noch verspotten. Dann ärgert er sich noch mehr und findet es fürchterlich, dass die Brüder tolle Indianernamen haben und er „Petzi“ genannt wird. Welch Schande! Er beschließt, das zu ändern.

Das Bedürfnis, sich zu beweisen wird immer größer und größer. Und so denkt der Kleine darüber nach, wie er es schaffen kann, einen richtig guten Namen zu bekommen und dann auch den Respekt, den er verdient. Unser kleiner Widder grübelte sogar Stunden um Stunden, bis er die richtige Idee hatte, mit der er sich endlich – ENDLICH – seinen Namen verdienen könne.

Mit der rennt er zu Fritzchen, seinem besten Freund, und überredet ihn, als Zeuge die große Tat mitzuerleben: Er will über den übers Ufer getretenen Fluss schwimmen. Fritzchen hat Bedenken, aber Petzi, der Mini-Widder, reißt ihn mit und jeglicher Einwand wird von Petzi zur Seite gewischt. Egal, ob der Fluss wirklich schnell fließt, egal, ob er die Kraft hat. Er macht’s! Fritzchen spornt ihn sogar an, als er schließlich verbissen mit den Fluten und der Strömung kämpft. Und es scheint, als könne Petzi seine Mutprobe meistern. Aber da kommt der eine ältere Bruder angaloppiert und rettet den vermeintlich Ertrinkenden. Mann, ist Petzi sauer! Und dann gibt es auch noch eine Tracht Prügel vom Indianerpapa.

Nicht aufgeben, dranbleiben!

Aber was so ein Widder ist, den schreckt kein Stoß von einem anderen Widder. Beständig nimmt er Anlauf und rennt wieder gegen die Hörner des anderen. Und so ist Petzi zwar gekränkt, dass sein Vater ihm nicht mal zuhört und dass sein Hinterteil weh tut, aber egal, dann muss eine andere Aufgabe her.

Und so kommt er drei Tage nach dem Schwimmversuch wieder zu Fritzchen und beschwört ihn erneut, Zeuge bei einer Heldentat zu sein: Dieses Mal will er auf der ganz steilen Seite eines Felsens (die andere Seite fällt sanft ab) hochklettern und von oben ein Edelweiß holen. Fritzchen macht wieder mit, schließlich ist er der beste Freund des Widders. Und Petzi klettert nach oben. Er traut sich nicht herunterzusehen, denn dann wird ihm schwindlig. Er nutzt alle Ritzen und Spalten und hat es schon fast geschafft, da, ja da trabt sein anderer älterer Bruder heran, sieht ihn, galoppiert auf der flachen Seite des Felsens hoch und „rettet“ Petzi, indem er ihm ein Lasso um den Bauch wirft und ihn hochzieht. Petzi ist enttäuscht.

Ach, der arme Widder, er kann nicht verstehen, dass sich die anderen Sorgen um ihn machen. Er kann sich nicht vorstellen, dass seine Brüder denken, er sei in Gefahr und ihn nur retten wollen. Er kann nur sehen, dass sie es ihm immer wieder total vermasseln, dass er einen anständigen Namen bekommt. Er sieht nur sich und seine Bedürfnisse, dass bei den anderen auch etwas hinter ihren Taten sein könnte, das erkennt er nicht.

Ein Dickschädel und eine Portion Glück

Aber aller guten Dinge sind drei – und bei Petzi wären es vielleicht auch fünf oder siebzehn, denn mit seinem Dickschädel hätte er wahrscheinlich immer weiter gemacht, bis er eines Tages eine ordentliche Heldentat vollbracht hätte. Zum Glück für alle schafft er es beim dritten Anlauf: Er beschließt, in die Nimmer-Wiederkehr-Höhle zu gehen. Und so schleichen sich die beiden Freunde auf Umwegen zu der Höhle, denn sie wollen nicht, dass die Brüder ihnen wieder in die Quere kommen.

Die Nimmer-Wiederkehr-Höhle ist gefährlich: Wer hineingeht, kommt nicht wieder heraus. Außerdem ging das GErücht, dass ein Drache in der Höhle hause. Aber Petzi schreckte das nicht. Mittlerweile war er zu allem bereit! Und er hatte es sich vorgenommen und davon trat er auch nicht mehr zurück. „Leb wohl“, sagt er zu Fritzchen und geht in die Höhle. Fritzchens Bitten, nicht zu gehen, ignoriert der Sturkopf.

In der Höhle trifft er wirklich einen Drachen und der hat gleich sieben Köpfe. Petzi spricht mit dem Ungeheuer und sagt ihm, er wolle mit ihm kämpfen und der Drache lacht sich schlapp. Das hätte er mal besser nicht tun sollen, denn mit Spott kann Petzi nicht umgehen. Er zückt Pfeil und Bogen und schießt dem Drachen in eine seiner Zungen. Und dann beginnt ein Gedröhne und Gewackle, dass Fritzchen draußen angst und bange wird. Aber dieses Mal hat Petzi wahrhaftig eine Heldentat vollbracht: Er hat den Drachen überwältigt und alle Menschen, die der Drache mal gefressen hat, dadurch befreit.

Und so bekommt er seinen Widderwillen, der Häuptlingssohn Petzi aus dem Tausend-Wunder-Wald: einen neuen Namen.

Unser kleiner Widder mit den doch schon recht großen Hörnern, zeigt mal wieder die gute Seite des Widderseins: Beharrlichkeit ist etwas Gutes, um seine Ziele zu erreichen. Manchmal mag es auch gut sein, die Bedenken zur Seite zu schieben und trotz Warnungen weiter seinen Weg zu gehen.

Es ist aber auch genau so gut, auf seine Freunde zu hören. Ihre Bedenken, liebe Widder, sind meist weder Neid noch Unkerei, sondern die Sorge, dass einem geliebten Menschen etwas zustoßen kann.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald
Autor Erika Hübner-Barth
Seiten 270
Ausstattung Hardcover
Verlag Kriterion Verlag
Jahr 1985

Das Bcuch ist nur noch antiquarisch erhältlich


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