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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Mäxchen oder wie ein Max entsteht

„Ich bin 5, und ich bin schon groß, und ich heiße Mäxchen.“ Und Mäxchen kann schon jede Menge: Allein über die Straße gehen, den Roller allein die Kellertreppe runtertragen und allein aufs Klo. Er würde bestimmt noch viel mehr können, wenn er nur dürfte. Doch leider sind seine Eltern in der Hinsicht etwas unentspannt. Fingernägel schneiden, Gasherd anzünden, allein durchs Treppenhaus … alles verboten! Genauso wie laut reden, die Katze mit Milch abschießen und vieles, vieles mehr. Kein Wunder, dass der kleine Held aus der Geschichte von Henning Venske manchmal über die Stränge schlägt.

Er will nur spielen

Dabei macht er doch gar nichts falsch. Wenn Mama sagt: „Warum gehst du nicht ein bisschen spielen …“ tut Max schließlich nur sein Bestes, den Wunsch seiner Mutter zu erfüllen. Mit dem Spielen gibt er sich dann natürlich ganz besonders große Mühe. Kann seine Mutter damit aber leider nicht wirklich begeistern. Ob es daran liegt, dass es ihre Feinstrumpfhose ist, mit der er den Fön ans Bein des umgekippten Tisches gebunden hat? Oder wollte sie etwa ausgerechnet das Bad benutzen, kurz bevor Max die Sturmflut (durch die er tapfer mit dem Lastwagen gefahren ist) wieder wegwischen konnte?

Auch sein Vater erwärmt sich nur sehr schwer für gutgemeinte Aufräumaktionen seines Sohnes, bei denen sämtliche Notizzettel von seinem Schreibtisch entfernt werden. Und beide sind sowieso sauer, wenn Max es sich mit der netten Großtante, auch Gemüsegurke genannt, verscherzt, die hoffentlich mal irgendwann ein paar Groschen für ihren Lieblingsneffen springen lässt, obwohl keiner der drei sie leiden kann.

Hörner voran

„Spontan, tatkräftig und voller Energie“ – so lauten die drei Schlagworte, mit denen Widder gern beschrieben werden. „Mit den Hörnern durch die Wand“ lautet meist die nachfolgende Ergänzung. Beides trifft den Charakter von Mäxchen mit Karacho. Bevor er auch nur einen einzigen Gedanken an seine Pläne verschwendet, hat er sie auch schon umgesetzt. Das geht seinen Eltern nicht nur viel zu schnell, sondern auch weit über das Ziel hinaus. Denn es bleibt natürlich nicht bei einer Idee – sobald der erste Einfall einigermaßen Gestalt angenommen hat, ist der nächste, der auf seine Realisierung wartet, viel spannender. Auch das passt zu unseren gehörnten Freunden, die nur allzu schnell die Lust an etwas verlieren, was sie kurz vorher noch mit Feuereifer verfolgt haben.

Widder – der einsame Held

Letztendlich kann Max einem aber auch echt leid tun. Als Fünfjähriger allein unter Eltern ist es schon schwer genug. Aber dann auch noch solche zwei, die scheinbar gar keine Zeit für ihn haben? Die Sonntags verkatert ausschlafen müssen und es gaaaanz leise brauchen, so dass Max nicht mal Musik anmachen darf? Die bei ihrer tollen Karnevalsparty alle Möbel, die im Weg sind, ungefragt in Max‘ Zimmer rammeln? Und die ständig streiten, über komische Dinge reden und nicht einmal den Versuch unternehmen, Max zu erklären, was eigentlich Sache ist.

Da braucht es nun wirklich keinen zu wundern, dass Max – auch das ganz Widder-like – die Vorstellungen und Bedürfnisse seiner Eltern einfach übergaloppiert. Denn in den meisten Fällen kennt er sie gar nicht. Wie soll er denn auf Bedürfnisse Rücksicht nehmen, von denen er nie erfahren hat? Und wie Rücksicht auf Gefühle und Vorstellungen nehmen, die er gar nicht kennt?

Geneigter Nicht-Widder-Leser, vielleicht kommen euch ja einige der oft als „stressig“ oder „anstrengend“ empfundenen Eigenschaften von Max bekannt vor. Jaja, es ist auch wirklich nicht einfach, mit solch durchgedrehten Huftretern klarzukommen, aber vielleicht liegt es ja gar nicht ausschließlich an ihnen … Vielleicht kann der eine oder andere Widder etwas Entgegenkommen gebrauchen. Empathie ist – verglichen mit anderen Tierkreistieren – nicht unbedingt ihre starke Seite, deswegen ist es bestimmt ab und zu hilfreich, den Widder bei den Hörnern zu packen und … mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Denn wenn man auf ihn zu geht, sich mit ihm beschäftigt und ihn nicht immer nur mit Vorwürfen überhäuft, versteht er oft am besten, was andere von ihm erwarten. Er fühlt sich nicht mehr als Einzelkämpfer. Max eskaliert vor allem dann, wenn er sich unbeachtet fühlt, wenn er allein gelassen ist. Und so wie er würde möglicherweise jeder Widder automatisch mehr Rücksicht nehmen, wenn er wüsste, wem diese Rücksicht gelten darf. (jn)

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Mäxchen oder wie ein Max entsteht
Autor Hennig Venske
Seiten 93
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Ravensburger Taschenbuch
Jahr 1982

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