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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Pu, der Bär – Tieger

Den Bären Pu aus gleichnamigem Buch von A. A. Milne kennen wir ja als liebenswerten Stier: Genusssüchtig und gutmütig tapst er durch den Wald und ist mit jedermann befreundet. Der neueste Zugang in der Waldgemeinschaft dagegen ist ein Widder: Energiegeladen, immer voller Tatendrang, ungestüm und auch unberechenbar macht er die doch recht gemütlich vor sich hinwurstelnden Bewohner des Hundersechzig-Morgen-Waldes ganz hibbelig: Tieger (manchmal auch Tigger).

Als Tieger nachts in den Wald kommt, trifft er erst einmal auf Pu und das ist auch ganz gut so. Kein anderer der Bewohner hätte stoisch den Unbekannten eingelassen und sich dann wieder auf’s Ohr gehauen. Das Problem hat bis morgen Zeit. Als er wieder wach wird, sitzt der Neuzugang vor einem Spiegel und fragt sich, wer das denn wohl ist … Pus geduldigen Erläuterungen kann er aber nicht zu Ende folgen, denn plötzlich springt er das Tischtuch an und kämpft mit ihm – und da ist schon der erste Charakterzug des Tiegers in Sicht: Geduld, langes Zuhören und das Gehörte erst einmal verarbeiten, nein, das ist nicht so ganz Tiegers Sache. Hierhin springen und dorthin gucken, sich von seinen spontanen Ideen und Gedanken leiten lassen, ja, so macht das Leben Spaß. Dass die anderen verdutzt danebenstehen: geschenkt! Merkt das Pelzknäuel gar nicht.

Tieger essen alles außer … alles?

Tiger, der in einen Kürbis beißt

Ob dieser Tiger probiert, ob ihm Kürbis schmeckt? Oder ist Hackfleisch drin? Tieger aus dem Hundersechzig-Morgen-Wald findet heraus, dass er Malzextrakt am allerliebsten mag.

Der erste Tag mit Tieger wird weiter spannend, denn es gilt herauszufinden, was Tieger am liebsten essen. Aber Tieger weiß noch gar nicht, was er gerne mag. Leider behauptet er auf jeden Vorschlag hin, dass genau das alle Tieger am allerallerliebsten mögen, womit er eine Odysse durch den Wald in Gang setzt. Schließlich will Pu dem Neuen helfen, weiß er doch selbst, wie wichtig es ist, seine Lieblingsspeise zu kennen. Und alle anderen wollen dem munteren, aber auch unruhigen Gesellen ebenfalls helfen. Aber weder Honig noch Heicheln oder Disteln sind das Wahre und so hüpft, rast, saust und sprintet der gestreifte Neuling weiter auf der Suche nach dem perfekten Frühstück …

Und so kommt Pu gleich am ersten Tag auf folgende Tieger-Charakterisierung: „Doch egal, was er wiegt in Pfund, Schilling und Gramm: Er wirkt größer, denn er macht ständig Tamtam.“ (S.192)

Tieger bringt den Wald auf Trab. Grundsätzlich behauptet er immer, dass er alles kann, fliegen und klettern und schwimmen und so fort. Insgeheim ist er sich zwar nicht so sicher, dass das stimmt, aber man kann das ja einfach mal sagen. Und dann stürmt er halt drauflos und macht irgendwas. Wie das so ein richtiger Widder eben tut, wenig nachdenken, viel Action. Esel I-Ah meint einmal in seiner sarkastischen Art, dass man nichts im Zusammenhang mit Tieger tun könne, ohne dass irgendetwas oder -jemand zu Schaden kommt.

Ein gestümer Widder

Tieger macht vor allen Dingen Kaninchen und Ferkel ganz nervös. Und im Fall Kaninchen will das etwas heißen. Kaninchen, das gegen alles und jedes eine Liste und einen Plan hat, macht der gestreifte Vierbeiner ganz raschelig. Immer hopst er irgendwo raus und erschreckt einen. Plötzlich stürzt sich etwas auf einen, weil Tieger mal wieder denkt, ein Wasauchimmer hätte irgendwas getan und man müsse sich jetzt drauf stürzen. In seinem Eifer checkt er weder, dass es ein Freund sein könnte, noch, dass es für andere etwas vollkommen normales ist. Er versteht leider auch überhaupt nicht, dass er zum Beispiel Ferkel total Angst macht mit seinem Gebrüll und seinem Gehabe.

Also bespricht sich Kaninchen mit Ferkel und Pu und will Tieger eine Lektion erteilen. Eine Lektion, damit er lernt nicht mehr so ungestüm zu sein. Und es hat auch eine Idee: Sie wollen Tieger auf einen Ausflug mitnehmen und ihn dann an einer Stelle zurücklassen, wo er sich nicht auskennt – und dann soll er doch mal zusehen, wie er klarkommt. Kaninchen erhofft sich mit dieser rabiaten Methode, dass Tieger danach kleinmütig ist und dankbar, Kaninchen wiederzusehen, das ihn dann wohlwollend nach Hause bringt.

Der ganze Plan geht gründlich schief, da Tieger in jedem Fall über einen hervorragenden Orientierungssinn verfügt und sich nie verläuft. Im Gegenteil: Am Ende findet Tieger Kaninchen und Kaninchen ist sehr froh, dass Tieger es gefunden hat und kann auch endlich akzeptieren, dass Tieger einfach so ist, wie Tieger eben so ist: Groß, ungestüm, laut und hopsend. Und gute Freunde! Denn wenn es auch nicht so einfach zu sehen ist: Tieger mag seine Kameraden, er hat nur so viele andere Sachen im Kopf, die ständig ausgeführt werden wollen, dass er das nicht so zeigen kann.

Ungestüm ist bereichernd

Tieger ist ein Widder von der extremen Sorte. Ganz klar, die meisten Hornträger sind nicht nur ungestüm und spontan. Daher ist es meist doch möglich, mit ihnen klarzukommen. Allerdings: Das Ungestüme ist ein wesentlicher Zug der Widder. Es fällt ihnen schwer, zuzuhören und bei der Sache zu bleiben. Aber wenn es drauf ankkommt, dann sind sie dabei, wie man bei Tieger gut sehen kann, als er sich auf die Suche nach Kaninchen und Co. macht. Widder können sich durchaus konzentrieren, wenn es wichtig ist.

Als Freund eines Widders sollte man nicht versuchen, dagegen anzugehen. Es ist auch hilfreich, zu schauen, inwieweit der Stress, den ihr im Widderzusammenahng habt, einfach nur euer Stress ist. Wer sagt denn, dass ihr genauso rumtoben müsst? Unterstellt euren Widderkameraden keine Ignoranz, sondern versucht, euch manches Mal von der Begeisterung mitreißen zu lassen – und ansonsten akzeptiert, dass da immer einer um euch rumhopst. Widder erwarten meist nicht, dass ihr genauso seid.

Als Widder sollte man auch zu diesem Aspekt der eigenen Persönlichkeit stehen. Ihr könnt Welten umkrempeln damit, Leute begeistern und Dinge in Gang setzen. Aber, liebe Widder, es ist auch prima, zu gucken, dass ihr eure Mitmenschen nicht einfach vor den Kopf stoßt. Nicht jeder hat so einen harten Schädel wie ihr!

 

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Pu, der Bär – Gesamtausgabe
Autor A. A. Milne
Seiten 328
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv junior
Jahr 2001

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Foto: © ormetronews/flickr – (CC BY-NC 2.0)

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