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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Bob Dylan

„I’m a poet, I know it, hope, I don’t blow it.“ sang Bob Dylan und äußerte damit das einzige, was man zu jeder Zeit seines Schaffens über ihn sagen konnte. Dylan war und ist ein großer Texter, Musiker, Künstler. Eine weitere Kunst, die er mit Perfektion beherrschte (oder noch immer beherrscht – wir werden sehen) ist die des Formenwandlers.

Er begann als Kopie von Bobby Vee und Woody Guthrie, wurde zur politischen Folk-Ikone, von dort aus zum Rock ’n Roller, zog sich anschließend auf seine Farm zurück und spielte Country, danach bekannte er sich öffentlich zum Christentum und sang religiöse Lieder. Was dann kam, klang mal nach Pop, mal nach Swing und vor nicht allzu langer Zeit las er in Israel aus der Thora vor und nahm ein Album mit Weihnachtsliedern auf. Uff. Ich persönlich bin eigentlich ganz froh, dass er – anders als viele seiner Musikerkollegen – bisher davon absah, sein Werk noch einmal mit Orchester aufzunehmen. Aber vielleicht male ich auch gerade den Teufel an die Wand. Denn bei Bob Dylan ist nur sicher, dass nichts sicher ist.

Hans Dampf auf allen Hochzeiten

Sein fliegender Wechsel zwischen Stilen, Richtungen und Neigungen legen eigentlich den Gedanken nahe, das dieser Mann vieles, aber nix richtig gekonnt haben muss. Falsch. Das sage jetzt nicht nur ich. Er wurde Anfang der 60er nicht zufällig zur Gallionsfigur der Folk- und Friedensbewegung oder weil grad kein anderer in der Nähe war. Er schrieb verdammt noch mal die besten Songs. Dieses unsägliche „Blowin‘ in the wind“ (ist ja eigentlich ein toller Song, man kann ihn nur seit der Schulzeit nicht mehr hören) läuft noch heute bei jeder Lichterkette, die etwas auf sich hält. „A Hard Rain’s A Gonna Fall“, „It’s Alright, Ma“, die Hitlist ließe sich beliebig fortsetzen. Songs, an die man sich noch viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte erinnern wird. Dann: „Like A Rolling Stone“ wird von Musikmagazinen (nicht nur vom gleichnamigen) regelmäßigen zu den besten Rock ’n Roll-Songs ever gezählt. Und nichts macht soviel Spaß, wie den Text des „Subterrannean Homesick Blues“ auswendig zu lernen (alle vier Strophen!) und mit Camcorder das Video nachzudrehen. Und so weiter und so fort.

Der Mann meinte es ernst

Es war keine Show, was Bob abzog, er meinte es ernst. Was immer er tat, er wollte es tun. Sonst hätte er es nämlich nicht getan. Wenn er allerdings eine Sache –  eine Bewegung, eine Ideologie, einen Stil – erschöpfend gelebt hatte, wenn es nichts mehr zu lernen gab und nichts mehr zu verbessern, dann war es Bob Dylan genug. Und dann ging er. Das hat verständlicherweise damals nicht immer allen gefallen.

Das Buch

Jetzt denkt jeder, ich red mal kurz von Bob Dylan, aber nein: Ich möchte ein Buch über ihn empfehlen. Biografien über ihn gibt es vermutlich ebensoviele wie Sampler und viele von ihnen behandeln bestimmte Abschnitte seines Lebens oder, wenn nicht, sind so dick wie „Der Herr der Ringe“. Die kann man auch gut lesen, ich will gar nix dagegen sagen. Wenn man allerdings einen flotten Überblick erhalten will, wie – zack zack – Bob vom Folk-Hippie zum Heroin-Rocker wird, der sollte sich das kurze, aber rasante Reclam-Heftchen des bekennenden Dylanologen Heinrich Detering zu Gemüte führen. Der Mann ist auf vielen Gebieten ein Pro (er ist schließlich Professor …), aber den Dylan kennt er besonders gut. Und deswegen kann man hier auf wenigen Seiten lesen, wie Dylan von einer Form in die andere schlüpfte.

Der Zwilling

Wenn also ein Zwilling nach Jahren der Begeisterung keinen Bock mehr hat, versucht, ihn zu verstehen. Vielleicht ist er mit dem Thema einfach durch. Vielleicht hat er genug gelernt und – nach seinem Empfinden – auch genug gegeben. Und ist vielleicht auch der Ansicht, woanders jetzt dringender gebraucht zu werden. Denn, lieber Zwilling, an Selbstbewusstesein mangelt es dir ja in der Regel nicht. An Engagement, Wadenbeißigkeit und Anpassungsfähigkeit auch nicht. Falls du allerdings dachtest, du wärst bereits ein Spezialist für all diese Dinge – now you know your master! Denn His Bobness ist selbstverständlich auch ein Zwilling.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Bob Dylan
Autor Heinrich Detering
Seiten 175
Ausstattung Reclam-Heftchen
Verlag Reclam
Jahr 2007

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