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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Das Biest, das im Regen kam

Mit ein paar Fußstapfen fängt alles an. Diese entdeckt die kleine, brave und immer ordentliche Susanne Wischmann nach einem Sturzregen, bei dem sie sträflicherweise die Balkontür offen gelassen hat, auf dem weißen Wohnzimmerteppich. Die Spuren führen Susanne zu einem schmutzigen, frechen, aber ungemein liebenswürdigen Mädchen, das so gar nicht in ihre Welt zu passen scheint. Doch Autorin Angela Sommer-Bodenburg schafft nach „Der kleine Vampir“ auch hier wieder das Kunststück, zwei Gegensätze zu einer Freundschaft reifen zu lassen.

Sturzregen im Sommer

Manchmal macht so ein stürzender Regen nicht nur klatschnass, sondern bringt auch noch unerwarteten Besuch mit sich.

„Susanne Wischwasch“, wie sie von den Nachbarskindern spöttisch genannt wird, erfüllt alle Auflagen ihrer strengen und ordnungsbewussten Eltern: Ihre Schulhefte sind sauber geführt, ihre Kleider sind fleckenlos, ihr Benehmen in jeder Hinsicht untadelig. Was für ein Schock, als plötzlich dieses schmutzige andere Mädchen nach dem Unwetter in ihrem Zuhause auftaucht und nicht wieder gehen will. Panisch versteckt Susanne es vor ihrer Mutter, beseitigt die Fußspuren, die das „Biest“ hinterlassen hat und hofft, dass dieser Alptraum sich von selbst in Wohlgefallen auflöst. Doch Fehlanzeige: Das Biest hat gar kein Interesse daran, unverrichteter Dinge wieder zu verschwinden.

Gegensätze ziehen sich an?

Mit Händen und Füßen wehrt sich Susanne nun gegen das Mädchen, das ganz offensichtlich an ihrer Freundschaft interessiert ist. Doch wie soll das bloß gehen? Die beiden passen offensichtlich überhaupt nicht zusammen und ganz nebenbei gefragt: Was sollen denn Herr und Frau Wischmann von so einer Freundin halten? Aber da das Biest nicht lockerlässt und Susanne ehrlich gesagt sowieso keine anderen Freunde hat, beginnt sie ihren Widerstand nach und nach abzubauen. Und siehe da: Die andere ist überraschenderweise ziemlich nett und gar nicht so rücksichtslos wie Susanne erwartet hätte.

Und stellt nebenbei ein paar vermeintlich unumstößliche Fakten infrage: Warum muss immer alles perfekt sein? Warum muss Susanne immer alles tun, was ihre Eltern sagen? Sind alle anderen Kinder wirklich so ein schlechter Einfluss und macht es nicht doch riesig Spaß, mal fünf gerade sein zu lassen und mit Gebrüll die Straße entlang zu toben? Langsam dämmert Susanne, dass sie mit ihrer übervorsichtigen Art einiges verpasst. Und als sie überdies bemerkt, dass ihr das mächtig stinkt, begehrt sie sogar gegen ihre Eltern auf. Überraschenderweise funktioniert auch das und Mama kauft ihr endlich eine Hose.

Mission erfüllt

So erobert sich Susanne nach und nach ihr neues Leben, findet Freunde und hat Spaß. Das Biest ist mächtig stolz auf sie. Als es das Gefühl hat, dass Susanne jetzt alleine klarkommt, muss es allerdings wieder Abschied nehmen. Es hat seine Aufgabe erfüllt. Susannne ist natürlich unendlich traurig, ihren nun liebgewonnenen „Bösen Zwilling“ wieder zu verlieren. Aber auch sie weiß um ihren Gewinn, lässt ihn ziehen und behält die gemeinsame Zeit in schöner Erinnerung. Ende gut, alles gut.

So ist das mit dem Zwilling: Erst lässt er nicht locker, drängt sich förmlich auf und ist für alle Betroffenen gleichermaßen Lehrer, Anführer und Held, im nächsten Augenblick ist er verschwunden und hinterlässt eine große Lücke. Doch wer ihm dieses Verhalten als Böswilligkeit unterstellt, hat ihn unter Umständen nicht ganz verstanden. Der Zwilling weiß nämlich manchmal sehr genau, wann er mit seiner Intelligenz, seinem Anpassungsvermögen und seinem Charme gebraucht wird. Und wann er seine „Jünger“, seine „Schüler“ oder wem auch immer er als Vorbild diente, besser allein weitermachen lässt. Denn von einem Lehrer und Vorbild muss man sich ja irgendwann emanzipieren, sonst läuft und plappert man nur nach. Und das ist dem schlauen Zwilling zu doof.

Nicht, dass der Zwilling nicht auch ein verlässlicher Freund sein kann. Das ist er ebenso gern, und manchmal hat er in der Rolle plötzlich gar keine Lust mehr, irgendwem was beizubringen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Das Biest, das im Regen kam
Autor Angela Sommer-Bodenburg
Seiten 125
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Rowohlt
Jahr 2002 (Neuauflage)

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Foto: © Joujou/PIXELIO

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