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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Der Denker greift ein

Vier Freunde, eine Schulklasse, ein Dieb. Einer der Freunde ermittelt – der Denker. Er ist zwar (noch) kein Sherlock, aber trotzdem seinen Freunden in Sachen Gedankensprünge meilenweit voraus. Ein Zwilling also – der wie alle seiner Art seinen Vorsprung durchaus kultiviert. Nicht nur, indem er sich durch seine Fähigkeiten zum Leithammel qualifiziert, sondern vor allem durch eine gewisse Undurchsichtigkeit.

In der Regel und wenn nichts Außergewöhnliches geschieht, sitzt der Denker mit Daumen im Mundwinkel und halbgeschlossenen Augen im Unterricht. Dann werden jedoch ohne jede Vorwarnung gleich mehrere Gegenstände in kurzer Folge in seiner Klasse entwendet. Der Fall ist klar: Der Übeltäter muss ein Klassenkamerad sein. Logisch, dass alle Jagd auf den Unbekannten machen. Die vier Freunde, genannt der Sir, das Pik-As, Lilibeth und eben der Denker, stecken mittendrin. Richtig groß wird der Schlamassel allerdings erst, als der Sir plötzlich als Hauptverdächtiger dasteht. Selbstverständlich ist er unschuldig – doch wie beweisen? Der Denker sieht sich gezwungen, zur Tat zu schreiten.

Die Theorie …

Ganz entgegen seiner Natur fängt er an zu schnüffeln. Eigentlich ist er eher der Raushalter – solange ihn ein Problem nicht direkt betrifft, können andere es lösen. Ein Sherlock mit angeborener Sucht zu ermitteln ist er also keiner. Doch das Schicksal seines Freundes lässt ihn nicht kalt. Also fängt er an, mit Hilfe seines Tagebuchs (in das er normalerweise nur seine alltäglichen Gedanken einträgt), den Fall zu lösen. Und das mit spürbarem Unbehagen.

Trotzdem machen dem Denker seine theoretischen Übungen sogar irgendwie Spaß. Schließlich ist er hier in seinem Element und ein echter Zwilling. Seine Ideen und Schlussfolgerungen können die anderen kaum nachvollziehen, so blitzartig treten sie hervor. Er selbst denkt natürlich nicht im Traum daran, aus Rücksicht mal auf die Bremse zu treten. Der intellektuelle Querdenker zu sein, das gefällt ihm typischerweise sehr!

… und die Praxis!

In der Umsetzung seiner Pläne allerdings sind ihm seine Freunde doch ab und zu voraus. Fremde Menschen befragen, in fremde Häuser eindringen oder sogar mal körperlich tätlich werden? Das lag dem Denker bis dato überhaupt nicht. Gut, dass der Rest der Clique das alles drauf hat. Und noch besser, dass dem Denker das bewusst ist – und er sehr wohl weiß, wann er einhalten und das Feld den anderen überlassen sollte. Seine Klugheit beschränkt sich eben nicht nur auf seinen Intellekt. Er hat schlicht kapiert, dass er Anführer und Leitwolf sein kann, so viel er will – es wird dennoch immer Dinge geben, die andere besser können als er.

Superhirn, lern mal was!

Was ja nicht bedeutet, dass er diese Dinge nicht auch noch lernen könnte. Im Gegenteil: Am Ende der Geschichte ist er zwar froh, dass die unangenehme Verbrecherjagd vorbei ist. Aber er hat gelernt, seinen Hintern hochzukriegen und mal etwas jenseits seiner einsamen Gedankenwelt zu tun. Das ist anstrengend, aber manchmal notwendig. Und es funktioniert!

Werter Zwilling, da du ja ständig für mindestens zwei denkst, weißt du es doch längst schon selbst: Du. Kannst. Nicht. Alles! Lass dir von deinem Umfeld mal was erzählen, du wirst staunen, was dabei alles rumkommt. Dabei brauchst du auch keine Angst zu haben. Das ÜberMegaSuperhirn bist und bleibst du sowieso!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Der Denker greift ein
Autor Christine Nöstlinger
Seiten 192
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Deutscher Taschenbuch Verlag
Jahr 1989 (Neuauflage)

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