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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Friday

Friday Baldwin ist schön, hochintelligent, stark – aber leider nicht echt. Die Kurierin für einen nicht näher beschriebenen Geheimdienst stammt aus der Retorte. Dass sie echten Menschen in Sachen Intelligenz, Attraktivität und Körperkraft überlegen ist, ist kein Zufall: bei ihrer „Erstellung“ wurde die eine oder andere menschliche Schwäche korrigiert, damit sie auch bei brisanten Aufträgen jeder Gefahr gewachsen ist. Eigentlich kein Problem, sollte man meinen. Doch ein Leben als künstlicher Übermensch ist nicht so einfach wie es sich anhört.

Das Dumme ist nämlich, dass echte Menschen Angst vor ihr haben. Angst vor artifiziellen  Personen (kurz AP genannt) insgesamt. Daher kann Friday ihre Superfähigkeiten im Job zwar problemlos anbringen – dafür wurde sie schließlich „geschaffen“ – verbirgt sie aber lieber, sobald sie sich privat unter Menschen bewegt. Zu oft hat sie schlechte Erfahrungen gemacht, wenn  ihr Geheimnis gelüftet wurde. Sie selbst findet das äußerst schade, denn eigentlich ist sie ein grundehrlicher Mensch und legt Wert auf gute und ernsthafte Freundschaften. Nur – wie soll sie das anstellen, ohne sich ein Schild um den Hals zu hängen? Zumal sie sich immer öfter fragt, was sie eigentlich genau „gestehen“ soll – die Umstände ihrer „Geburt“ und einige Fähigkeiten sind das einzige, das sie von einem Menschen unterscheidet. Ansonsten sieht sie aus wie ein Mensch, blutet, schwitzt und riecht wie ein Mensch und empfindet mittlerweile sogar wie ein Mensch. Ist es da tatsächlich noch nötig, sich explizit von echten Menschen abzugrenzen und sich selbst dadurch zum Außenseiter zu machen?

Bisher haben wir vor allem Zwillinge kennengelernt, deren gewisse Überlegenheit auch ihr Markenzeichen darstellte. Obwohl sie, dadurch dass sie schneller, klüger, kreativer oder ausgeflippter waren, auch öfter mal in Konflikt mit ihrer Umgebung gerieten, trugen sie ihre Talente doch sehr offen vor sich her. In der Regel waren sie stolz darauf und es galt eher ihren Mitmenschen, sich diskrimiert zu fühlen, weil sie nicht mehr mitkamen und beim Durchmarsch des Zwillings einfach auf der Strecke blieben.

Hier ist es etwas anders – oder sogar genau umgekehrt. Friday wäre gern wie alle anderen, empfindet es bisweilen als nachteilig, schneller und stärker zu sein und kehrt ihre Talente daher oft sorgsam unter den Teppich. Man könnte daher meinen, sie sei ein Zwilling, der lieber ein Krebs wäre … Jedenfalls erteilt ihre Geschichte uns folgende Lektion: selbst wenn der Zwilling uns überlegen erscheint, sollten wir uns nicht gleich beleidigt zurückziehen. Eventuell meint er es gar nicht böse und bevor er wie Friday seine schönen (und möglicherweise äußerst nützlichen) Fähigkeiten versteckt, sollten wir ihn für seine Stärken ausgiebig loben. Wenn er dann immer noch vorausprescht: Wetten, er kommt ganz schnell wieder zurück? 😉

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Friday
Autor Robert A. Heinlein
Seiten 357
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Ballantine Books
Jahr 1982

 


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