chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Mathemagie

Ein Psychologe mit einem festen Job an einem finanziell super aufgestellten Institut, der Verdienst ist ok – das Leben Harold Sheas ist eigentlich ganz prima. Der Job ist nicht zu anstrengend, die Klienten soweit ok, die Kollegen sind auch in Ordnung. Okay, es wäre ganz nett, noch ein bisschen mehr Geld zu haben, aber hey, es geht auch so. also alles tutti?

Nein, denn irgendwie langweilt sich Harold, es fehlt der Kick, der das Leben spannend macht. Ein bisschen Abenteuer wäre ganz schön. Deswegen beginnt er zu reiten, lernt fechten und kleidet sich in merkwürdige Klamotten. So haben wenigstens die Kollegen was zu kichern. Und dann ist da noch die Sache mit der Traumfrau, die Harold gerne finden würde. Welch ein Glück, dass sein Chef – Doc Chalmers – da eine ganz irre Idee hat …

Ganz logisch zum Ragnarök

Chalmers hat nämlich herausgefunden, dass man mit den richtigen logischen Sprüchen höchstwahrscheinlich in eine andere Welt wechseln kann. Am wahrscheinlichsten in eine literarische Welt. Allerdings will er sich noch sicherer werden und daher noch keine „Testfahrten“ unternehmen. Aber Harolds Weltenfrust ist manchmal zu groß, und so nimmt sich unser ungeduldiger Zwilling eines Tages vor, ins alte Irland abzutauchen. Die Mädels sollen üppig und hübsch sein und ein bisschen Abenteuer gibt’s auch. Was soll’s, dass die Formeln noch nicht ausgearbeitet sind … es wird schon werden.

Also hockt er sich hin und schreibt sich die (so genannten) Kettenschlüsse auf, die sich für uns Nicht-Logiker anhören wie schlimmstes Kauderwelsch. Und wirklich verschiebt sich die Wirklichkeit, Shea landet in einer eisigen Landschaft und rempelt fast einen alten Mann um, der mit Schlapphut und merkwürdigen Sprüchen daherkommt. Shea friert und merkt ziemlich schnell, dass das mit Irland irgendwie schiefgegangen ist. Aber er ist noch ganz guten Mutes, schließlich hat er ja seine Pistole, seine Streichhölzer, das Pfadfinderbuch und was er sonst so meinte, an nützlichen Dingen mitnehmen zu müssen.

Irgendwie gelingt es Harold, sich an den alten Mann anzuhängen und mit ihm in einem Gasthaus zu landen. Hier kriegt er mit, dass er in der nordischen Götterwelt gelandet ist. Mit dem ihm eigenen Witz und seiner Redegewandtheit schafft er es, dass sich die Götter, Thor, Loki, Odin & Co., nicht auf seine Kosten amüsieren. Sie entscheiden sich sogar, ihn mitzunehmen, vielleicht kann er ihnen ja nützlich sein.

Vorstellung und Wirklichkeit …

Harold findet sich dabei super, hej, er kann mit Göttern handeln, hej, er ist ein cooler Typ, weil er es schafft, sich so tapfer zu halten – hier tritt die Zwillingen eigene Überheblichkeit zutage. Auf der anderen Seite merkt er ziemlich fix, dass Abenteuer anstrengend sind. Dem menschlichen Helfer der Götter kann er kaum unterstützen, als sie eine sauschwere Truhe tragen sollen. Ein bisschen fechten verschafft halt nicht so viele Muckis wie tägliches schweres Schuften – auch wenn Harold Shea kein Weichei ist. Das erschüttert sein Selbstbild dann doch ein wenig.

Anfangs denkt er noch, dass er mit seinen Hilfsmitteln wie Pistole etc. punkten kann, wenn es schon körperlich nicht klappt. Aber leider muss er feststellen, dass nichts funktioniert, dass noch nicht erfunden wurde. Ist man in einer Zeit gelandet, gelten die dortigen Gesetze. Pistolen gibt es nicht, also kann man nicht schießen. Streichhölzer gehen auch nicht – und so blamiert sich der Psychologie bis auf die Knochen, weil er damit angibt, Feuer zaubern zu können, das aber nicht klappt. Die Kameraden, Menschen wie Götter, sind schwer von ihm enttäuscht, dass er behauptert, etwas zu können, was nur Prahlerei ist.

Geheimwaffe Zwilling: Große Klappe und fixes Denken

Zwar macht das Harold etwas aus, alle seine „Mängel“ verunsichern ihn durchaus. Aber ganz zwillingslike übergeht er diese kleinen Schwierigkeiten und mit seiner Zuversicht und seiner Fähigkeit, sich in fast allen Situationen schnell zurechtzufinden, übersteht er sowohl dieses als auch alle seine weiteren Abenteuer in verschiedenen Welten. Außerdem hat er noch seine Fähigkeit, alles und jeden an die Wand reden zu können und unerschütterlich glaubt er daran, dass ihm zur rechten Zeit schon was einfallen wird.

Und wirklich: Als er mit Heimdall, einem der Götter, im Gefängnis landet, kann er mit seinem psychologischen Hintergrundwissen und den magischen Möglichkeiten in der Asenwelt einem unglücklichen Wärter so helfen, dass Gott und Psychologe aus dem Kerker fliehen können.

Und so geht es weiter. In allen seinen Abenteuern schafft es Held Harold, sich rauszureden und schnell eine verrückte Idee zu kreieren, die meistens auch so halbwegs klappt. Allerdings schießt er manches Mal übers Ziel hianus, weil er doch etwas zu ungeduldig die magischen Gesetze der jeweiligen Welt anwendet. Das endet dann durchaus mal damit, dass er plötzlich wie ein Dämon aussieht und die Verwandlung nicht mehr rückgängig machen kann …

Einfach mal reden lassen

Quasseln, was das Zeug hält. Manches Mal kann einem das ganz schön auf den Keks gehen. Vor allen Dingen, wenn dabei immer wieder Sprünge und neue Ideen und noch ein weiterer Gedanke und so fort hinzukommen. Nehmt es den Zwillingen nicht übel, wenn sie so sprudeln. Da wir es hier nicht mit Harold Shea himself zu tun haben und Magie in unserem Kontinuum nicht funktioniert, macht es nichts, wenn sich sich ein Zwilling mal ordentlich ausreden muss.

Man kann sich, hat man Zeit und Lust, einfach zurücklehnen und dem Gedankenfeuerwerk zuhören. Es sind schließlich selten blödsinnige Ideen, die man da zu hören bekommt. Und selbst wenn ihr selbst anderer Ansicht seid: Dann legt los und diskutiert mit dem Zwilling über Für und Wider seiner Gedanken und ladet ihn ein, sich die Angelegenheit auch aus anderen Blickwinkeln anzusehen. Das ist prima Futter für so jemanden …

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Mathemagie (Sammelband)
Autor L. Sprague de Camp & Fletcher Pratt
Seiten 716
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1981

Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.


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