chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

David Bowies Lieblingsbücher

David Bowie war angeblich eine Leseratte. Das hatte er unbestreitbar mit uns gemeinsam. Was er gelesen hat, könnte ihr jetzt – zumindest zu einem kleinen Teil – nachlesen: Sein Sohn Duncan hat einen Bowie-Leseclub ins Leben gerufen und eine Liste der 100 Lieblingsbücher seines Vaters veröffentlicht. Und er lädt alle Interessierten ein, mit ihm über die Bücher zu diskutieren. Als erstes lesen die Mitleser des Clubs „Hawskmoor“ von Peter Ackroyd.

Wer mal gucken will, was der Sänger gelesen hat, kann das hier tun:

http://www.davidbowie.com/news/bowie-s-top-100-books-complete-list-52061

Wer mitmachen will im Buchclub, hier der Link zu Duncan Bowies Twitterseite:

https://twitter.com/ManMadeMoon

 

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Jahresanfangszitat

Liebe Buchleser,

wusstet ihr schon, dass ihr einen richtig wichtigen Job macht? Wie wichtig ihr für Bücher seid? Dann hier das entsprechende Zitat, dass wir euch für dieses Jahr mit auf den Weg geben wollen:

„Der Leser? Was hast denn der damit zu tun?“
„Nun, jede Interpretation eines Ereignisses, eines Schauplatzes oder einer Figur in der BuchWelt hängt von den Erfahrungen ab, die der Leser an die Beschreibung derselben heranträgt. Sie ist in jedem Fall einzigartig und unverwechselbar, denn der Leser oder die Leserin bekleiden diese Beschreibung mit der Erinnerung an das, was sie selbst schon erlebt haben. Jede Figur, die Ihnen in der Literatur begegnet, wird so zu einer Mischung aus Personen, die sie aus der Wirklichkeit oder aus anderen Werken schon kennen. Erst dadurch gewinnen sie ihre Realität. Die bloßen Buchstaben auf der Seite allein könnten das gar nicht leisten. Und weil jeder Leser unterschiedliche Erfahrungen hat, ist jedes Buch einzigartig für jeden Leser.“

Thursday Next, als sie Hamlet erklärt, dass der Leser von Büchern fast die ganze geistige Vorstellung der Handlung alleine macht und damit enorm wichtig für Bücher ist.
in: Jasper Fforde, Es ist was faul. Thursday Next 4. E-Book, S. 24, dtv, 2011

Spiel mit uns!

Es ist schon wieder soweit: Kurz bevor wir alle in fettinduzierte Weihnachtsstarre verfallen, feiern wir uns beim Geburtstag der lieben, süßen Chairlounge die Seele aus dem Leib! Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Man klopft schon an die Tür des Erwachsenbwerdens, doch der Spieltrieb ist noch unliegbar vorhanden. Daher wollen wir diesem gern nachgeben (quasi, bevor es auch dafür zu spät ist) und zocken, bis die Bude brennt. Aber Achtung: Manche Spiele sind nichts für Zartbesaitete. Gut, dass die Chairlounge zwar noch ein Kind, aber schon mit allen Wassern gewaschen ist. Sonst wäre hier Schluss mit lustig!

Seid ihr noch dabei? Dann Happy Birthday und auf ins Vergnügen!

Foto: Jo Noeske

Erwischt!

Na, wem ist es aufgefallen? Wahrscheinlich allen – nur mir (erstmal) nicht … Es geht natürlich um den Biber. Vor nicht einmal einer Woche wurde er als neuer Schütze, und zwar als ein Vorzeigeobjekt seiner Art, präsentiert. Wie gut passten doch die Eigenschaften des Schützen auf seine Geschichte, sein Verhalten und überhaupt alles. Ja, tatsächlich war die Sache rund, dachte ich. Doch kaum war der Artikel hochgeladen und seine Prominenz damit besiegelt, erhielt ich (Jo) eine Nachricht von Micha, die etwas verwirrt klang: was er denn nun sei, der liebe Biber – ein Schütze, der tausend Sachen anpackt und bei dem Versuch, sie zu vollenden, alle anderen ins Unglück stürzt, oder ein Steinbock, der alles daran setzt, seine Ideale und Tugenden durchzuboxen und dabei gar nicht mitbekommt, wie sehr er andere damit überrollt. Ich stutzte, prüfte und stellte entsetzt fest: Stimmt, den Biber gibt es zweimal. Einmal als (neugeborenen) Schützen und einmal als (schon etwas betagteren) Steinbock. Wobei auch letztere Beschreibung hervorragend auf diesen arbeitswütigen Nager passt.

Peinlich, peinlich, so etwas. Man könnte sagen, dass ich mich im Arbeitseifer ein wenig so verhalten habe, wie der beschriebene Biber. Mit dem Kopf durch die Wand, total überzeugt, um hinterher festzustellen, dass die Idee doch nicht die beste aller Zeiten war. Schade aber auch.

Aber passiert ist passiert und so wollte ich diese (hoffenlich seltene) Gelegenheit zumindest nutzen, um zu erklären, was hier vorgefallen ist. Wie ihr wisst, schreiben wir Monat für Monat ein neues Sternzeichen in unseren Blog. Das ist nicht immer einfach: Fast alle Charaktere, die wir während des Lesens kennenlernen, haben Persönlichkeiten, deren Eigenschaften auf verschiedene Sternzeichen passen könnten. Hinzu kommt, dass sich auch die Eigenschaften der Sternzeichen in manchen Punkten überschneiden. Es kommt also nicht selten vor, dass wir denken, Prinz XY aus dem und dem Buch ist zwar dominant wie ein Löwe, aber auch fürsorglich wie eine Jungfrau (die ja auch sehr dominant sein kann) und außerdem noch ein Genießertyp wie der Stier einer ist. Schon sind wir in der ersten Bredouille.

Des Weiteren schreiben wir die Sternzeichen ja schon ein paar Jahre lang (in ein paar Wochen feiern wir den 6. Geburtstag der chairlounge) und haben infolgedessen ab und zu einen rauchenden Kopf darüber, welches Buch bzw. welche Romanheldin (-held) diesmal für das anstehende Sternzeichen in Frage kommt. Und vor allem: welches wir noch nicht beschrieben haben. Ihr ahnt es bereits: der Biber ist mir glatt durchgerutscht. Frohen Mutes, eine passenden Charakter gefunden zu haben (und das auch noch rechtzeitig), machte ich mich an die Arbeit, ohne den Sachverhalt weiter zu prüfen. Und peng – da ist es geschehen.

Da wir aber nun sowieso mit zwei Bibern leben müssen, könntet ihr ja auch euren Senf dazugeben. Was ist denn der Biber eurer Meinung nach: Ein Steinbock oder ein Schütze? Ich bin gespannt auf eure Meinung. 🙂

Hainish

Neulich habe ich einen ganzen Stapel gebrauchter Science Fiction und Fantsy erworben und lese mich gerade so durch die Seiten. Dabei war auch „Hainish“, ein Sammelband mit drei Büchern Ursula Le Guins aus ihrem Hainish-Universum: Rocannons Welt, Das zehnte Jahr und Stadt der Illusionen.

Ein dicker Schmöker mit über 400 Seiten, den man aber gut weglesen kann. Genau das Richtige für die ersten herbstlich-winterlichen Tage mit Tee und an die Fenster prasselndem Regen.

Ich will jetzt nicht auf die Details eingehen, sondern darauf, was mir in allen drei Bänden begegnete. Le Guin beschreibt in jedem Band (und irgendwie auch in ihren anderen Büchern, wie etwa Winterplanet), wie ein Einzelner sich allein unter anderen zurecht findet, lebt, mitlebt. Im ersten Band ist es Rocannon, der vom Planeten Hain stammt, aber auf Formalhaut II ist und dem von Rebellen einer dritten Welt seine Kameraden getötet und auch seine Schiffe zerstört werden. Allein unter den vielfältigen intelligenten Lebensformen des Planeten schwört er Rache – und hilft den Eingeborenen, ebenfalls Rache zu nehmen, denn auch deren Familien und Freunde werden von den Rebellen umgebracht. Am Ende ist er erfolgreich und hat zudem eine neue Heimat gefunden.

Agat und Rolery auf Werel ergeht es ähnlich, jedoch ist Agat hier einer der wenigen Überlebenden einer terranischen Expedition auf diesen Planeten, während die junge Frau als „Sommergeborene“ keinen richtigen Platz bei ihrem Stamm findet. Beide finden zueinander und im ebenfalls erstmaligen gemeinsamen Kampf von Eingeborenen und Fremden finden auch die ehemals Fremden und die Alteingesessenen zueinander und begründen schließlich eine neue Zivilisation.

Spannend hier ist, dass sowohl Eingeborene als auch Ferngeborene sich selbst als Menschen, die anderen aber als Nichtmenschen sehen.

Im dritten Band taucht schließlich eines Tages ein Mann auf der Lichtung eines Hauses auf, der sein Gedächtnis verloren hat. Fünf Jahre lebt und lernt er bei der Familie, die ihn wohlwollend aufgenommen hat. Dann verlässt er sie, um sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit zu machen. Diese Geschichte spielt auf der Erde, die nach dem Zerschlagen einer Interstellaren Liga von einer fremden Rasse beherrscht wird. Die Menschheit lebt zumeist wieder primitiv und wenn auch ein gewisser technischer Standard vorhanden ist, so wird er kaum verwendet. Alle haben Angst vor den Shing, wie die fremden Eroberer heißen. Diese halten die Menschen von der Entwicklung ab, verhindern etwa Städtebau und Wissensvermittlung.

Falk, wie der Findelmann genannt wird, will zu diesen Fremden – und zieht durch die Lande. Er trifft auf hilfsbereite Menschen, auf ängstlich-aggressive Zeitgenossen und auf eine Frau, die in Wirklichkeit den Auftrag hat, ihn zu den Herrschern zu bringen. Denn die wissen ganz genau, wer Falk eigentlich ist: Ein Raumfahrer von Werel, dem sie vor Jahren selbst das Gedächtnis löschten, dessen Wissen sie aber jetzt wieder benötigen.

Auch Falk ist allein auf weiter Flur, auch er muss sich, wie Rocannon, Rolery und Agat selbst seinen Weg bahnen. Im Gegensatz zu Rocannon kann er jedoch am Ende nach Hause fliegen, obwohl er aufgrund der Entfernung niemanden mehr antreffen wird, den er bei seinem Aufbruch noch kannte. Sie werden alle tot sein. Trotzdem: Er muss heim, damit er seinem Planeten die Kunde bringen kann, dass die Menschen der Erde unterdrückt sind von den Shing und dass sie ihnen vielleicht zu Hilfe eilen können. Und er muss heim, damit seine Landsleute vor den Shing gewarnt werden können.

Allen drei Büchern ist auch gemein, dass sich die „Fremden“ für die Belange der Ortsansässigen einsetzen. Und zwar nicht aus einem Entwicklungshilfedrang heraus, sondern meist aus einer Mischung eigener Interessen und dem wirklichen Bedürfnis, den anderen helfen zu wollen. Deren Sorgen und Probleme ernst zu nehmen und sich mit dafür verantwortlich zu fühlen. In allen Fällen ist es vollkommen okay, diese beiden Interessen zu haben und so zu handeln, dass am Ende alle etwas davon haben.

Das finde ich – gerade in der aktuellen Zeit – sehr spannend und eine gute Lektüre, um einmal darüber nachzudenken, wie man selbst handelt und agiert und aus welchen Motiven heraus man jemandem Hilfe gibt oder sie verweigert.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Hainish
Autor Ursula Le Guin
Seiten 443
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1987

Hanas Koffer

Kinderbücher aus der Nazizeit gibt es viele – das berühmteste dürfte nach wie vor „Das Tagebuch der Anne Frank“ sein. Ihr gelingt, was wohl die größte Schwierigkeit sein mag, wenn man über Kinderbücher den Schrecken des Holocaust vermitteln möchte. Einerseits will man die unfassbaren Ereignisse mit der nötigen Ernsthaftigkeit beschreiben und dabei nicht bagatellisieren. Andererseits gerade ganz junge Leser auch nicht verstören – was bei dieser Thematik nur allzu leicht wäre. Doch ein Leser, der Angst bekommt, wird eine solche Geschichte in der Zukunft wohl eher meiden. Und damit wäre das Gegenteil von dem erreicht, was die Erzähler erzielen wollten: ernsthaftes Interesse an und ein kritischer Blick auf die Geschichte.

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Der dreizehnte Monat

Ich habe dieses Buch von einer alten Freundin geschenkt bekommen, die beim Ausmisten ihre Bücher ein paar weggegeben hat und mir dieses Werk mit den Worten überreichte: „Irgendwie finde ich, es passt zu dir.“ Was sie genau damit meinte, weiß ich bis heute nicht, aber ich habe es gelesen und fand es sogar ganz gut. Aber fangen wir von vorne an:

Jason Taylor ist dreizehn Jahre alt, stottert, schreibt heimlich (sonst würden ihn alle anderen Jungs eine Schwuchtel nennen) Gedichte und wohnt 1982 im aller-aller-aller-langweiligsten Teil Englands. Hände hoch, wer mit ihm tauschen will. Hinzu kommt, dass er sich öfter mal mit seiner älteren Schwester in den Haaren hat, aber nicht so sehr wie seine Eltern sich einander. Außerdem versucht er, vor den beiden rivalisierenden Banden älterer Typen zu bestehen, ohne allzu sehr zwischen die Fronten zu geraten und all diese Dinge füllen sein Leben auch schon zur Genüge aus. Obwohl das alles ziemlich stramme Herausforderung ist, meistert Jason diese Baustellen erstaunlicherweise einigermaßen gut.

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Heirate dein Lieblingsbuch

Im Buchpalast Standesamt in München gab’s Ende April eine so lustige Marketingaktion, dass wir euch davon berichten müssen: Zwei Läden wurden zusammengelegt und die findigen Betreiberinnen kamen auf die Idee, dass ihre Kunden ihre Liebe zu dem ein oder anderen Buch doch mal öffentlich machen könnten.

Und so kamen sie auf die Idee der „Buchheirat“. Wer „ja“ sagen wollte, konnte an dem Tag mit seinem Lieblingsschmöker in die Buchhandlung gehen und das Buch „heiraten“. Es sollen um die 50 Heiratswillige da gewesen sein, manche haben ihre Neubestellung geehelicht, manche das jahrealte Buchgespons – und es soll sogar Bigamisten gegeben haben. Ist ja nicht strafbar, wenn es um Bücher geht.

Wir finden: Eine lustige und auch schräge Idee!

Ich lese gerade … Futu.re

Dmitry Glukhovsky ist ja hauptsächlich aufgrund seiner Reihe Metro xxx bekannt geworden – und damit, dass er von Anfang an andere Autoren eingeladen hat, diese Reihe ebenfalls mit Leben zu füllen. Ich habe mich jetzt mal an den Wälzer Futu.re begeben und bin immerhin schon über Seite 200 hinausgelangt.

Immerhin? Und das bei mir, die ich ja durchaus schnell lese und auch gerne mal ein Buch an einem halben Tag verschlinge (wenn ich Zeit habe). Ja, denn für mich zieht sich die Geschichte so dahin, es fällt mir schwer, so richtig reinzukommen. Das liegt weniger an der Schreibe Glukhovskys, die ist zwar auch kein literarisches Aha-Erlebnis – aber das weiß ich ja mindestens seit Metro 2033. Nein, es ist die Geschichte an sich, die wohl nicht zu mir passt.

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Endlich: die Buchmesse in Leipzig!

Es war soweit: endlich, endlich war ich (Jo) auf der Buchmesse in Leipzig zu Gast. Die Buchmesse ist nun schon wieder über eine Woche her, aber die Eindrücke halten noch vor. Und davon will ich hier heute ein wenig berichten.

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