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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Neues aus dem Schul-Universum

Newsletter_by_Thorben Wengert_pixelio.deAndere Schulen, andere Sitten – soviel ist klar. Was aber die meisten Schulen gemeinsam haben, ist eine Schülerzeitung. In einer Schülerzeitung dürfen Schülerinnen und Schüler sich mal als investigative Journalisten versuchen, mal als Sportreporter oder als Kreuzworträtseldesigner. Neben spannenden Artikeln über abgefahrene Projekte, philosophische Nachdenkereien über die Struktur von Schulfieslingen oder den neuesten Nachrichten kann auch schon mal der Speiseplan der Woche in der Zeitung landen. Das gute ist schließlich, dass hier in der Regel mal keine Lehrer  Aufsicht führen. Also lest doch einfach mal, womit Redakteure des Spiegel und der New York Times möglicherweise angefangen haben:

Projekt des Jahres

Wie bringt man Teenagern den Nationalsozialismus bei? Mit harten Fakten und Zahlen? Oder lieber mit Geschichten? Nein, die beste Methode für eine Unterrichtseinheit zu diesem schwierigen Thema hatte eine High school in den USA. Lehrer Ben Ross kam dort auf die großartige Idee, seine Schüler eine faschistische Ideologie nachempfinden zu lassen. Die Jungen und Mädchen wurden von ihm langsam, unauffällig und mit großem Erfolg in das Gedankengut von Ausgrenzung, Diskriminierung und Verachtung gegenüber anderen herangeführt. Das Ergebnis dessen war, dass die Klasse, die vorher überzeugt war, niemals auf hinterhältige Diktatoren hereinzufallen, jetzt völlig unkritisch ihrem Lehrer folgte und dabei Grenzen überschritt, die sie vorher nicht einmal gestreift hätten. Das alles wäre bestimmt preisverdächtig gewesen, wenn Herr Ross nicht die Kontrolle verloren hätte. So aber entwuchs dem ersten Experiment noch ein zweites – die anschließende Entnazifizierung der Rasselbande.

Inklusion: Auch Haustiere lernen sprechen

Ein völlig neues Projekt findet schon seit einigen Jahren auf einer Insel in der Südsee statt: In Professor Habakuk Tibatongs Tier-Sprechschule lernen die unterschiedlichsten Tiere sprechen.

Professor Tibatong hat schon vor Jahren begonnen, mit verschiedenen Kräuterextrakten zu experimentieren, um bestimmte Hirnareale zu stimulieren. Seine Haushälterin Wutz, eine Schweinedame, war die erste, die mithilfe der Kräuter und regelmäßigen Übungen sprechen lernte. Als Tibatong und sein Zögling Tim schließlich auf die Insel auswanderten, kamen verschiedene andere Tiere, die ebenfalls Lust hatten, sich mit den Menschen, aber auch untereinander verständigen zu können.

Meist stellt sich heraus, dass einzelne Tiere unterschiedliche Sprachfehler haben, sodass sie einen Buchstaben nicht so gut sprechen können. Man versteht Pinguin, Waran, See-Elefant & Co. trotzdem hervorragend und erhält so einen Einblick in ihre Welt. Und sie in unsere. Waran Wawa teilte neulich mit, dass er, wenn er denn erst richtig sprechen könne, den Menschen gerne „gehörig seine Meinung“ sagen möchte.

Fraglich ist noch, ob die Tiere, die Mortimer Morrison auf seinen Reisen quer durch die Welt findet, auch in Habakuk Tibatongs Tierschule waren oder ob sie auf einem anderen Weg das Sprechen gelernt haben. Mr. Morrison war leider nicht erreichbar. Fakt ist, dass die Tiere unter ihresgleichen leben, sich aber mit ihren Sprachkenntnissen bei ihren nicht-sprechenden Artgenossen nicht so richtig wohlfühlen. Dann folgen sie Morrison in seine magische Zoohandlung und von dort aus zu einem menschlichen Freund, mit dem sie lebenslang verbunden sind. Zur Zeit ist Morrison häufig in der Schule der Magischen Tiere (Winterstein-Schule) anzutreffen, da hier viele Kinder anzutreffen sind, die einen treuen Freund benötigen.

Interessant wäre es, die ganzen Wellensittiche, Meerschweinchen, Hunde und Pferde auch einmal zu Tibatong zu senden – damit sie sich dann mit Herrchen und Frauchen auseinandersetzen, eine fetzige Diskussion führen oder aber auch besser artikulieren können, wenn ihnen etwas fehlt oder wehtut oder sie gerade überhaupt keinen Bock haben, geknuddelt oder geritten zu werden. Da Professor Tibatong aber einerseits sehr viel damit zu tun hat, das Urmel im Griff zu behalten, und andererseits kein Interesse daran zeigt, Zweigstellen seiner Schule zu eröffnen, werden die Lieblinge der Menschen weiterhin sprachlos sein.

Info zur Tier-Sprechschule/Magische Zoohandlung:
Der Schulbesuch ist freiwillig und kostenfrei. Für An- und Abreise, Unterkuft und Verpflegung müssen die Tiere allerdings selbst aufkommen. Die Aufnahme in die Magische Zoohandlung ist ebenfalls freiwillig und kostenlos, die Verbindung mit einem Menschen als Freund auch. Das Tier muss zustimmen.

Verbrechen gelöst – Klassenziel erreicht!

Den besten Schulabschluss des ganzen Römischen Reichs haben zweifellos die sieben Jungs aus der Klasse von Lehrer Xanthos (besser bekannt unter seinem Spitznamen Xantippus) erreicht: Sie haben nicht nur jede Menge Stoff gelernt, sondern ganz nebenbei ein Verbrechen verhindert, ihren Freund gerettet und am Ende sogar ihren strengen Lehrer zum Lachen gebracht.

Wer hätte gedacht, dass diese Lausejungs soviel auf dem Kasten haben? Der fiese, geldgierige Tellus, der keine Skrupel hat, einen Jungen unschuldig ins Gefängnis zu werfen, jedenfalls nicht. Wenn die schlauen Schüler nicht wären, würde ihr Freund Rufus jetzt auf einer Galeere sitzen und dem sicheren Tod in der Sklaverei entgegen blicken. Gottseidank sitzt er jetzt aber wieder bei den anderen in Klasse, lernt griechische Liebesgedichte und kryptische Matheformeln auswendig und lacht sich über Caius tot, der wirklich manchmal ein Dummkopf sein kann ….

Klappe zu – Schüler tot

Wieder einmal ist fast eine ganze Schulklasse in Japan einem grausamen Ritual zum Opfer gefallen. Einmal im Jahr ist es im Land der Kirschblüte üblich, eine per Losverfahren ausgewählte Klasse mit einer perfiden Mission auf eine einsame Insel zu schicken: sie müssen sich gegenseitig umbringen. Lediglich einer der Schüler darf am Ende übrig bleiben, jeder Versuch, diese Erziehungsmaßnahme zu boykottieren, wird mit dem Tod aller Schüler bestraft. Dem Sieger winkt das Leben, andere Gewinne sind eher nebensächlich. In den meisten Fällen kann der Gewinner seinen Sieg aber ohnehin nicht mehr genießen, da er oder sie beim Töten der Klassenkameraden den Verstand verloren hat.

Dieses Jahr verlief es etwas anders. Durch einen ausgebufften Plan haben zwei Schüler diese Hölle überlebt. Einem Jungen und einem Mädchen ist es nicht nur gelungen, sämtliche Konkurrenten auszuschalten, sondern anschließend auch von der Insel zu fliehen, ohne von den Aufsehern getötet zu werden. Sie sind jetzt wahrscheinlich auf dem japanischen Festland und noch immer auf der Flucht. Wenn ihr also zwei 15- jährige Teenager seht, die wahrscheinlich verschreckt und hungrig sind, dann HELFT IHNEN! Tut alles, damit die beiden in Sicherheit sind und schnell das Land verlassen können.

Speiseplan Burg Schreckenstein

In der ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien gibt es folgendes für die Futterluken:

Frühstück 07.-13.01.2019
Pams, Brot, Marmelade, Kakao
Mittagessen 07.-13.01.2019
Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
Gehackter Missionar Schuhsohlen mit Nadel und Faden
Königsberger Klopse* Tabletten in Schaumstoff Astronautencreme Rosenfelser Kartoffelsalat** Pfingstkaninchen reloaded***

Anmerkungen von Heini:
*der letzte Rekord lag bei 14 Klopsen in einem Ritter!!
**werde schon aufpassen, dass die Mädchen nicht wieder Abführmittel reinrühren. Gruß H.
***bringt einfach die süßen Weihnachtsreste mit …

(für alles Nicht-Schreckensteiner: die Jungs oben auf der Burg haben ihre eigene Ritterehre, ihren eigenen Humor und manchmal ihre eigenen Namen, was es für die Beißerchen zu knabbern gibt. So ist der Gehackte Missionar eine Hackfleischsuppe mit Kartoffelbrei – eine deutliche Aufwertung des Gerichts! Heini ist übrigens der Koch)

Der böse Mitschüler

Eine Erstuntersuchung brachte neulich zutage, dass Mitschüler, die arrogant, bösartig, super-eingebildet etc. sind, meist mit zwei Buddies auftreten. Ein Beispiel ist Draco Malfoy mit Vincent Crabbe und Gregory Goyle. Oder Angelika von Internat Lindenberg mit ihren „Kammerdienerinnen“ Jennifer und Nadine.

Die netten, Welten rettenden, guten Schüler haben oft auch zwei Anhängsel, die aber selten nur mitlaufen, sondern meist mit eigenen Vorschlägen und Ideen aufwarten und somit eine großenteils eigenständige Persönlichkeit aufweisen. Dahingegen sind die „bösen“ Mitläufer meist nur bestätigende, kichernde und speichelleckerische Anhängsel des Widersachers der Hauptperson.

Ein Erklärungsversuch dafür wäre, dass die Oberbösen permanent Bestätigung und Bewunderung brauchen. Daher ist es wichtig, dass die beiden Sidekicks möglichst bräsig sind und alles, was vom Boss kommt, unreflektiert beklatschen. In Gesellschaft solcher Deppen erstrahlt der Böse natürlich auch noch in einem weit besseren Licht. Ein weiterer Nutzen ist ein ganz praktischer: die Deppen können hier und da mal was halten, jemanden verprügeln oder Türen kaputttreten. 

Die Anzahl der Untertanen ergibt sich womöglich aus einem ästhetischen Grund: einer links, einer rechts sieht, wenn man so durch die Schule patrouilliert, einfach besser aus. Man ist von beiden Seiten beschützt und von vorne wirkt der Auftritt sehr symmetrisch. Der Oberfuzzi in der Mitte sollte hierbei aber körperlich entweder der Größte der drei sein oder die anderen müssen unmissverständlich als seine Bodyguards durchgehen, sonst wirds peinlich.  

Drache spricht mit jedem

Der Goldene Drache der Weisheit spricht jetzt mit jedem!

Nachdem der Drache ein Jahr lang geschlafen hatte und nach seinem Aufwachen weiterhin nur Fragen der Ehrenwerten Lokomotivführer Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer beantwortet hatte, kann nun jeder Bürger zu ihm gehen und Fragen stellen. Um den Drachen vor Frageüberflutung zu schützen, hat Ping Pong, der kaiserliche Oberbonze, angeordnet, dass man sich im Terminkalender im Mandanet eintragen muss: http://www.mandanet.mj/termin/drache

Der ehemals herrschsüchtige, aggressive und extrem böse Drache Frau Malzahn konnte seinerzeit von den beiden Ehrenwerten Lokmotivführern und ihrer ordensgeschmückten Lokomotive überwältigt werden, und zwar gewaltlos. Das, so erklärte der Drache seinen Bezwingern im vergangenen Jahr, führt bei Drachen dazu, dass sie sich in einen Goldenen Drachen der Weisheit verwandeln. Diese wenden ihr unermessliches Wissen dann nicht mehr zu bösartigen Zwecken an, sondern geben es gerne weiter und jeder darf davon profitieren.

Vor allem die Zwölf Blüten der Gelehrsamkeit, die hochgeschätzten schlauesten Menschen Mandalas, sind ganz begierig darauf, von dem Drachen so viel als möglich zu lernen.

 

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Foto: Thorben Wengert  / pixelio.de

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