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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Children of the Evolution – Die Katze

maine coon

Sieht noch ein bisschen wild aus, der Maine-Coon-Kater. Ist aber ganz zahm und kuschelig …

Denk‘ mal an ein Haustier. Ah, Katze … Nun ja, ob nun eine Katze ein Haustier ist oder ein Wesen, das sich einen Menschen hält – wer weiß schon, wie die Katzen das sehen und wer weiß, welche Sichtweise „richtig“ ist. Fakt ist, dass Katzen, ebenso wie Hunde, schon seit Jahrhunderten mit Menschen am selben Ort wohnen. Sich füttern lassen. Streicheleinheiten wollen. In die Ecke machen, wenn der Mensch zu lange weg ist.

Irgendwie sind sie trotzdem nicht so haustierartig wie der Hund. Irgendwie schaffen sie es seit Jahrhunderten, dem Menschen klarzumachen, dass er sie auch mal kreuzweise kann. Spannende Angelegenheit, das. Allerdings gibt es hier wie dort (sprich: beim Hund) Entwicklungen, die niemand übersehen kann, der sich neben dem Kuschelfaktor auch sonst noch ein wenig für sein Haustier interessiert.

Katzen waren auch mal wild. Sogar die kleineren Exemplare, die zum Teil den Weg in unsere Wohnstuben gefunden haben, etwa Maine Coon. Trotzdem: Es ist einfach was anderes, gänzlich wild zu leben oder sich ans beahgliche Sofagelungere gewöhnt zu haben. Und nach dem Sofa? Tja, Katzen sind schlau und lernen viel. Und so nimmt die Evolution ihren Lauf und generiert Katzen mit Sprachfähigkeiten, Jobs und ganz eigenen Kulturen … Lest selbst:

Wilde Katzen

Schwarzer Panther auf einem Ast

So stellt man sich Baghira vor – und wer weiß, vielleicht hat sich Rudyard Kipling ja von einem ähnlichen Anblick zu dieser Figur inspirieren lassen.

Also, Raubkatzen kommen in Kinderbüchern und Science Fiction wahrlich nicht häufig vor. Uns fällt der Puma ein, der die Truppe um Trixie Belden mal erschreckt und eventuell gibt es auch bei den Drei ??? mal einen dieser hübschen Silberlöwen. Ja, da war Simba, aber der ist ja Filmstar, und die Dauermusicalhelden aus dem „König der Löwen“ … aber das sind ja eigentlich nur Menschenersatzwesen …

Shir Khan und Baghira

Zwei Vertreter ihrer Art trifft man im Dschungelbuch – und wer kennt sie nicht: Shir Khan und Baghira. Ersterer ein Tiger, der einsam durch den Dschungel zieht, auf der Suche nach Beute und dem , was ihm seiner Ansicht nach zusteht. Zweiter ist ein Panther, der Mogli beschützt und im Rat der Tiere (wenn man das mal so nennen will) für ihn spricht, aber auch dafür, dass Mogli besser zurück zu den Menschen geht.

Auch wenn im Dschungelbuch (egal ob im Original oder in einer der zahlreichen Verfilmungen) die Tiere sprechen können: im Grunde genommen sind alle Wildtiere. Natürlich ist es ziemlich absurd, dass Tiger und Wölfe und Bären gemeinsame Sache machen, aber in ihrer jeweiligen Art sind sie Wesen des Dschungels.

Butterblume

Butterblume ist ein Löwe. Und wie sein Name – beziehungsweise die Tatsache, dass er überhaupt einen Namen hat – zeigt, ist sofort klar, dass er wohl irgendwie zu einem Menschen gehört. Und das ist ganz richtig: Butterblume ist ein Zirkuslöwe. Er „arbeitet“ in Madame Pyms Spektakulärem Wanderzirkus und gehört Luigi, der eigentlich Lord Reginald Felix Anthony Sylvester Lucas, der Vierzehnte Earl von Burnshire, ist.

Männlicher Löwe und Junges beim Fressen eines Gnus

Fürhstück sieht für Butterblume, den Zirkuslöwen, garantiert anders aus. Es wäre ja wohl auch ein bisschen schwierig, in Großbritannien frische Gnus zum Erlegen zu finden …

Butterblume ist ein echt freundlicher Löwe – auch wenn er bei der Raubtiervorführung natürlich noch anders aussieht. Aber der Löwe ist ein guter Freund und versteht sich auch prima mit Luigi. Und scheinbar versteht er sehr gut, was die Menschen um ihn herum sagen. Denn als Poppy, das Zirkus-Findelkind, in ein Internat gehen soll, guckt er ganz traurig. Als Poppy fragt, ob Luigi und die anderen Zirkusmitglieder sie nicht vermissen würden, legt sich Butterblume die Pfote über die Augen und brüllt traurig. Als Poppy dann glaubt, dass sie gar nicht in das Internat passt, gruffelt der Löwe und gibt Poppy einen liebevollen Stupser zur Aufmunterung.

Als die Zirkustruppe in einem Hotel logiert, ist die Besitzerin zuerst ganz ungehalten, dass Luigi den Löwen reingeschmuggelt hat. Aber Luigi verkleidet Butterblume als Gespensterlöwen und schwupps hat die Großkatze einen Nebenjob: die Gäste finden den Geisterlöwen nämlich total super. Und da Butterblume wie gesagt ganz friedlich ist, ist das alles auch überhaupt kein Problem.

Häusliche Katzen

Hauskatzen gibt es erstaunlich wenige in der freien Literatur, mit der wir uns hier beschäftigen – vielleicht weil schriftstellerisch Begabte sich von der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit von Katzen eher zu der Idee einer individuell handelnden Katze inspirieren lassen. Nichtsdestotrotz liegen die ein oder anderen Stubentiger herum und lassen sich gerne die Sonne auf den Pelz scheinen.

Matilda

spielendes kätzchen

Katzen sind einfach niedlich. Meistens sind die Samtpfoten aber auch ganz schön gewieft und diverse Katzenbesitzer wissen genau, dass ihr kuscheliger Liebling es faustdick hinter den pelzigen Ohren hat …

In-der-Sonne-liegen ist auch eine angemessene Verhaltensweise für Matilda, Södermanns Katze in „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren. Ihre beschauliche kätzische Ruhe wird jäh unterbrochen, als sich Tjorven an den Abwasch macht und das Spülwasser nach getaner Arbeit aus dem Fenster und auf die arme Matilda kippt.

Die Lösung liegt klar auf der Hand: Tjorven und ihre Freundin Stine trocknen die schwarze Katze mit einem Geschirrtuch ab. Und da Katzenpechtag zu sein scheint, wird Matilda kurz darauf mit Mehl bestäubt, weil Stine der Mehltopf entgleitet. Da bleibt nur noch, schreiend davonzulaufen …

Also alles gut (abgesehen für Matilda natürlich): Eine Katze mit Katzentätigkeiten und auch noch mit Menschen, die sich der Katze gegenüber vollkommen normal verhalten – was das über Menschen aussagt (auch junge Menschen), lassen wir mal dahingestellt.

Hexenkatzen: Greebo und Ching

Schwierig sind die ganzen Hexenkatzen. Manchmal sind es einfach nur Katzen, denn schließlich will auch eine Hexe mal ein Wesen um sich haben, das nicht immer Angst hat, in eine Kröte verwandelt zu werden. Allerdings führt das Zusammensein mit Hexen wahrscheinlich dazu, dass auch eine Katze irgendwie besonders wird.

Ein mieser Vertreter der einfachen Hexenkatzen ist Greebo, seines Zeichens Katze von Nanny Ogg. Jeder außer Nanny weiß, dass Greebo ein elendes Mistvieh ist: Keine Kätzin kann sich retten, wenn er mit Gelüsten durch die Gegend zieht. Man muss immer aufpassen, dass einem der einohrige, riesige Kater nicht mal eben so die Krallen durchs Bein zieht, weil man zufällig da sitzt, wo er jetzt hin will. Alle haben Angst vor ihm, und das zu Recht!

Besonders spannend wird es, als Nanny und Oma Wetterwachs Greebo in einen Mann verwandeln, der bei einem Hexenfall vonnöten ist. Hier wird deutlich, dass er doch sehr gerne sehr kätzisch ist und er mit seiner Beute spielen will.

Nanny ist als Frauchen die klassische Tierbesitzerin: „Der will nur spielen“, „das ist doch so ein lieber und kuschliger Kater“ und Ähnliches dürfen sich alle anhören. Sie ist taub gegenüber jedem Vorwurf – und schließlich benimmt sich Greebo in ihrer Gegenwart auch tiptop.

Eine nettere Variante der Hexenkatze ist Ching, mit vollem Namen Chingachcook. Hier scheint das Verhältnis umgekehrt: Er gehört Maud Grau, der Oma von Gretchen Grau. Und mit dieser Oma ist nicht gut Kirschen essen. Ching ist ihr Vertrauter und hilft ihr bei allem Möglichen. Einmal wird er sogar auf eine Queste an Gretchen ausgeliehen und die Oma sorgt dafür, dass sich Gretchen und Ching telepathisch verständigen können. So lernt man den Kater besser kennen: Er ist ein verlässlicher, netter Kerl, mit dem man gut verloren gegangene Leute finden und der einem prima helfen kann, wenn man mit Tieren sprechen will … zumindest, wenn sie keine Beutetiere des Katers sind – schließlich frisst er immer noch Karnickel und Mäuse und mit denen will er sich auch nicht unterhalten.

Hexenkatzen sind insofern wie Hauskatzen, dass sie unabhängig agieren und doch die Annehmlichkeiten der Ofenbank zu schätzen wissen. Und: Wie der Herr, so’s Gescherr … es färbt eben ab, was die Menschen so tun.

Sprechende Katzen

Hauskatzen mit Tatendrang

Man sagt ja, dass die Sprache eine ganz tolle Errungenschaft ist. Unseres Erachtens kann man auch prima über andere Kanäle interagieren, wie etwa Hunde mit Gerüchen oder Tintenfische mit ihren Farbwechseln. Allerdings hilft eine Sprache ungemein, wenn man sich zwischen den Spezies unterhalten will. Dann kann einem der Tintenfisch erklären, warum er jetzt lila ist, wenn man keine Tintenfischsozialisation erfahren hat.

Insofern ist es kein Wunder, dass mit zunehmender Evolutionsstufe auch Katzen sprechen können. Schließlich wollen oder müssen sie ja mit den Menschen interagieren, die irgendwie zu ihnen gehören. Sprache hilft natürlich auch, um zum Beispiel zu lesen oder Gedichte aufsagen zu können. Sprechende Katzen können sich regulär mit allen anderen unterhalten. In den „Überlieferungen“ natürlich meist mit den Menschen, manchmal aber auch mit allem, was da so kreucht und fleucht, inklusive sich selber. Schauen wir uns doch mal eine Hauskatze mit Sprachtalent an und dann die ganz selbstständig handelnden Kater aus unseren Märchenwelten:

Kater Wassili

Kater Wassili ist ein Kater, der irgendwo in der Sowjetunion lebt. Eigentlich ist er ein ganz normaler Kater – aber da es in diesem Russland sehr viel Magie gibt, kann er trotzdem sprechen. Eines Nachts erlebt Sascha, der vielleicht neue Programmierer, wie Wassili im Hof steht, eine Seerose zwischen den Zähnen und versucht, Geschichten zu erzählen oder Gedichte zu rezitieren. Er stolziert mit auf den Rücken gelegten Vorderpfoten umher, macht halbe Sätze und dazwischen Hunderte von „Mnähs“. Leider hat er das meiste der Geschichten vergessen und irgendwie tauchen in den verschiedenen Geschichten immer wieder die gleichen Namen für verschiedene Figuren auf. Poluektowitsch ist mal ein Zar, mal ein Kalif und so fort. Plötzlich hat er noch eine riesige Gusli in den Pfoten, auf der er herumspielt und versucht, seine Fragmente zu untermalen.

Beeindruckend ist sein Repertoire aus weltweiten Geschichten, Gedichten und Liedern, leider halt eben immer nur in Teilen. Er quält sich mit jedem Wort. Gegen Morgen reihen sich immer mehr Miaus in seine Sprache und schließlich gibt er frustriert auf. Am nächsten Tag warnt er Sascha dann davor, seine Vermieterin irgendwohin zu fahren – und das ist für Sascha dann zumindest der Beleg, dass er sich das nächtliche Geschehen nicht zusammengeträumt hat.

Der gestiefelte Kater

Katze in Pantoffel

Ob Stiefel oder Hausschuh – man muss es nur tragen können.

Eine weitere sprechende Katze, die es allerdings faustdick hinter den Ohren hat, ist der Gestiefelte Kater. So eine Betrügerei und Flunkerei wie bei diesem samtpfotigen Schwindler haben wir selten gesehen. Würde sie heute bei uns leben, würde sie es garantiert irgendwo zum Geschäftsführer oder Vorstand eines Unternehmens bringen und alles dafür tun, sich gut zu positionieren und abzusichern.

Der Legende nach erbt der dritte Sohn eines Müllers nur den Kater. Natürlich ist der Müllerssohn nicht so sehr begeistert, schließlich hilft ihm das überhaupt nicht, in sein Leben ohne Papa zu starten. Der Kater aber kann – warum auch immer – reden und schlägt dem Müllerssohn vor, ihm ein paar Stiefel machen zu lassen.

Nunmehr gestiefelt und mit einem Sack voller Rebhühner geht er zum König und schenkt ihm Sack samt Inhalt. Er behauptet rotzfrech, sein Herr sei ein Graf und übersende dem König die Hühner. Als nächstes lässt er den Müllerssohn nackig im Teich baden und als der König mit seiner Tochter vorbeikommt, behauptet er, seinem Herrn seien die Kleider gestohlen worden. Und so schwindelt der Kater immer weiter, bis er es geschafft hat, für den Müllerssohn riesige Ländereien und die Hand der Königstochter zu ergattern.

Der Kater hat auch was davon: Er muss nicht sterben und zu Handschuhen verarbeitet werden. Und außerdem wird er – nachdem der König (eines natürlichen Todes!) gestorben ist – der erste Minister des neuen Königs (der natürlich der ehemalige Müllerssohn ist). Und so lebten alle glücklich und zufrieden.

Kater Mikesch

Ach, der Kater Mikesch: Jeder Katzenhasser würde sich bekehren lassen ob dieses höflichen und freundlichen Pfotengeschöpfes aus Holleschitz. Die meisten von uns kennen den netten kleinen Gesellen wahrscheinlich aus der Augsburger Puppenkiste – die Geschichte selbst hat allerdings Josef Lada erzählt und hierzulande wurde sie von Otfried Preußler berichtet. Mikesch ist kein gewöhnlicher Kater, denn der Junge Pepik bringt ihm erfolgreich das Sprechen bei. Und so kann der Kater sich mit allen unterhalten und alle mögen Mikesch, weil er einfach ein guter Kerl ist.

Auch er bekommt, wie der Gestiefelte Kater, Schuhe und Kleidung. Allerdings ist er nicht so ein Schwindler. Im Laufe der Zeit lernen noch andere Tiere im Dorf sprechen. Das ist natürlich praktisch, weil insbesondere der stürmische Ziegenbock Bobesch jetzt viel besser eine Vereinbarung mit dem Gemeindehirten treffen kann, als nur mit Geschimpfe und Gemeckere.

Eines Tages zerbricht Mikesch aus Versehen einen Rahmtopf und zieht total zerknirscht in die weite Welt, um Geld für einen neuen Rahmtopf zu verdienen. Klar, dass ein so kluger und freundlicher Kater das auch schafft.

Berufstätige Katzen

Weiter geht es mit Katzen im Beruf: Hier können die Miauer nicht nur sprechen, nein, sie gehen auch einer geregelten Arbeit nach …

Blau Jade

Blau Jade ist eine interessante Mischung: Sie ist eine Katze, die man genetisch so verändert hat, dass sie als Kindermädchen fungieren kann. Sie kann trotz Pfoten Pflaster kleben, sie kann sprechen und sie ist insofern ein tolles Kindermädchen, weil sich ihre Schützlinge prima in das weiche Fell kuscheln und sich beschnurren lassen können .

Sie agiert weitgehend eigenständig und beschützt ihren Zögling bis auf’s Letzte. Nichtsdestotrotz: Man kann sie und ihresgleichen nicht mit den Kzinti oder Gambolts vergleichen. Sie ist eine gezielte Mutation mit bestimmten genetischen Eigenschaften – und damit irgendwie doch weniger selbstständig als etwa der Gestiefelte Kater. Noch dazu, wo man ihr eine panische Angst um ihre eigenen Kätzchen verpasst hat, denen etwas droht, sollte sie in ihrem Job versagen. Das Miese ist, dass es diese Kätzchen nicht gibt, sie sind als massives Hirngespinst in ihre Gene programmiert. So eine Sauerei einem lebenden Wesen gegenüber kann sich wohl nur der Mensch einfallen lassen.

Grinsekatze

Ein körperloses Grinsen, das vor einem in der Luft schwebt, sinnlose Kommentare zu ungestellten Fragen – das ist die Grinsekatze oder (im Original) Cheshire Cat. Es gibt, gab und wird wahrscheinlich immer nur ein einziges Exemplar dieser Gattung geben. Wir grübeln noch, ob das schade oder ein wunderbares Glück ist …

Grinsekatze aus Alice im Wunderland Zeichnung von John Tenniel 1866

Grinsend irritert die Grinsekatze schon seit dem 19. Jahrhundert neben Alice auch alle möglichen anderen Leute – quasi jeden, der ihr begegnet.

Geboren in den Tiefen des Wunderlandes begegnet die Grinsekatze Alice bei ihrem Abenteuer. Die Grinsekatze ist ein Katzenwesen, das sprechen und schweben kann und eigentlich nie auf vier Pfoten anzutreffen ist. Charakteristisch ist, dass die Grinsekatze sich meistens irgendwo schräg über einem materialisiert und ebenso wieder verschwindet. In der Regel bleibt ihr Grinsen noch im Raum hängen, ganz ohne Katze. Wir sind nicht so ganz sicher, ob dieses Wesen nicht in Wirklichkeit auch als Dschinn, Geist, Huluvu oder sonst etwas in anderen Büchern auftritt, um sich wieder Inspirationen für sein meterbreites Grinsen zu holen.

Nach ihren Anfängen in der Kinderbuchliteratur hat sich die Grinsekatze mittlerweile ganz schön gemausert: Sie hat es geschafft, sich in weitere Buchprojekte zu schmuggeln und so ein Leben jenseits des Wunderlandes zu führen: Thursday Next lernt sie in der Buchwelt kennen, wo die Grinsekatze sich jetzt „Warrington-Kater“ nennt und Herr über die ganze Große Bibliothek sowie ein verdienstvolles Mitglied der Jurisfiktion geworden ist. Das wiederum bedeutet zwei verantwortungsvolle Jobs zur gleichen Zeit zu machen – aber das erledigt der Kater mit links. Er hilft unter anderem tatkräftig dabei, den Betrüger Yorrick Kaine zu entlarven und unschädlich zu machen, einen aus einem Schnulzenroman entlaufenen Charakter, der in die Außenwelt entkommt und Diktator in England werden will. Gleichzeitig verwaltet er die Große Bibliothek und weiß immer, was wo passiert. Anscheinend wuppt er diesen Job ganz prima, denn das Grinsen bleibt immer noch in der Luft hängen.

Urlaub macht er anscheinend in „Alice – Follow the White Rabbit“. Da taucht der Kater im modernisierten Wunderland wieder auf und hilft wieder einer Alice, deren Freundinnen Chloe und Betty sowie dem Kaninchen (das es auch geschafft hat, weitere Jobs an Land zu ziehen), eine Verschwörung in drei Paralleluniversen aufzudecken.

Es ist definitiv zu 100 Prozent unklar, was die Katze so treibt, wenn sie nicht schräg über einem hängt und auf einen runtergrinst. Das ist schade, denn wir hätten gerne gewusst, was sie sonst so erlebt.

Faena Sro Laurel

In den Grenzlanden wohnen alle möglichen Tiere, die scheinbar Tiere sind, weil sie manchmal ganz normal ihren tierischen Anliegen nachgehen. Allerdings können sie sprechen und manche von ihnen können Magie wirken. Da es auch Tiere gibt, die einfach nur Tiere sind, ist es auf den ersten Blick schwierig herauszufinden, ob etwa ein Wildschein zur eigenen Versorgung gejagt werden kann oder ob es einen in eine philosophische Diskussion verwickelt …

Puma, der sich putzt

Laurel Faena ist wie alle Katzen ein sehr reinliches Wesen. Abgesehen davon ist der Puma auch in der Lage, auf manierliche Art eine Teetasse zu halten.

Faena Sro Laurel ist definitiv weder ein Wildschwein noch ein sprachloses Tier. Er ist ein Puma, der aufrecht geht, Magie wirken kann und der sich im Laufe seines Lebens zum Obersten der Faena entwickelt hat. Faena sind die Magiekundigen und Beschützer der Grenzlande. Ein Faena kann alles mögliche sein: Einer von Laurels Kollegen ist ein Feuersalamander, eine andere eine Baumnymphe.

Als Zeichens seiner Position und seiner Würde trägt Laurel Federn und Perlen in seinen Kopfpelz eingewoben und hat einen Stab. Abgesehen vom aufrechten Gang und dem Schmuck sieht er aus wie ein Puma, mit Reißzähnen, Tatzen, Schwanz und allem, was dazu gehört. Meistens geht er aufrecht, wenn es mal sein muss, lässt er sich aber auch auf alle viere fallen. Geht es ihm gut, schnurrt er schon mal.

Man stellt sich vor, dass er es mit seiner Physiognomie nicht hinkriegt zu sprechen, geschweige denn, mit Messer und Gabel zu essen oder Tee aus einer Tasse zu trinken – aber das alles ist gar kein Problem und man kann ihn somit bedenkenlos zur nächsten Party einladen.

Keine Katzen

Nehmen wir an, dass Katzen immer irgendwie auch Haustiere sind, so sind wir spätestens mit Blau-Jade und der Grinsekatze eines Besseren belehrt worden. Geht man die Evolutionsleiter weiter, so treffen wir auf Wesen, die man streng genommen nicht mehr mit Katzen vergleichen dürfte. Ja, sie sehen irgendwie kätzisch aus, aber sie sind was ganz eigenes. Die meisten von ihnen sind nicht einmal mit Katzen verwandt, und zwar egal, welchen. Ist Faena Laurel genetisch noch eine vollwertige Raubkatzen, sieht das bei unserem abschließenden Besipiel schon ganz anders aus: Die Katzenleute im Parallel-Manhattan sind eine eigene Art, ganz so wie die Kzinti oder Gambolts, die wir hier vorstellen.

Katzenmenschen

Jede Evolution geht immer weiter und mittlerweile sind wir bei den „Katzenmenschen“ angekommen. Felinis major findet man im alternativen Manhattan, in das Detektiv John Justin Mallory „eingesperrt“ wird, als sich die Membran zwischen den Welten schließt. Bei seinem ersten Fall lernt er Felina kennen, ein Katzenmädchen, das sich durch Manhattan treibt. Eigentlich sind die Katzenmenschen den Menschen schon ähnlich. Sie haben kein reines Katzengesicht mehr, aber es gibt noch genug Katze in ihnen, dass das Menschsein oft in den Hintergrund tritt.

Felina sieht aus wie ein sehr schmächtiges Mädchen, sie hat ein dünnes orangefarbenes Fell, eher ein Flaum, von dunklen Streifen durchzogen und an Brust und Hals cremefarben. Ihre Augen haben eine orangefarbene Iris in der Form, wie Katzen sie haben und auch die Eckzähne sind schön spitz. Sie hat sogar Schnurrhaare auf der Oberlippe. Felina trägt ein Kleid und könnte fast als menschlich durchgehen, hätte sie nicht einen sehr kätzischen Verstand, der sich zumeist mit Fressen und mit „mit Beute spielen“ beschäftigt. Und wenn sie nicht gerne aus dem Stand auf einen Laternenpfahl und mit einem dreifachen Salto wieder dort herunterspringen würde. Geht es ihr gut, schnurrt sie wie ein Weltmeister bzw. wie eine waschechte Katze. Geht es ihr schlecht, ist sie mürrisch und schlechtgelaunt wie ein zickiger Teenager.

Felina schließt sich Mallory an und wird seine Bürokatze. Sie wirkt oft nicht sehr helle, da sie sich in Diskussionen um das, was sie tun soll, meist schlecht schlägt und auch leicht ausgetrickst werden kann. Trotzdem sollte man sie nicht unterschätzen: Auch wenn sie nicht damit klar kommt, auf eine gewinnbringende (und eher menschliche Art) um Gefallen zu feilschen oder Feinheiten von Abmachungen zu verstehen, kann sie trotzdem prima Fährten suchen und ist schlussendlich eine loyale und gute Gefährtin. Es schadet nicht, ihr ab und an ein Glas Sahne zu spendieren und auch mal eine sonstige Leckerei, das hält sie auf jeden Fall bei Laune.

Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist ebenfalls nicht sehr groß und sie langweilt sich schnell. Letztlich geht es ihr damit wie wahrscheinlich jedem von uns, der während eines uninteressanten Gesprächs gerne etwas anderes machen würde. Während wir jedoch höflich daneben stehen bleiben und innerlich gähnen, hopst Felina auf den nächsten Kronleuchter, weil der so schön glitzert und klimpert und man daran schaukeln kann … Auch braucht sie immer mal wieder einen Moment, in dem man ihr ordentlich den Rücken schubbert, was in ihrem Empfinden auch definitiv etwas anderes als den Rücken kratzen ist.

Leider sind die Katzenleute nur noch selten anzutreffen – und wenn sie wie Felina ihr Leben mit Menschen verbringen und keine anderen Katzenleute kennen, wird das auch nix mit der Vermehrung und der Erhaltung der Art.


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Fotos:
Maine Coon – © Gabriela Prokop/PIXELIO
Panther – © Davidvraju/WikiCommons – CC BY-SA 4.0
Löwe – © Luca Galuzzi/WikiCommons –
CC BY-SA 2.5
Spielendes Kätzchen – © Loliloli/WikiCommons – Public Domain
Katze im Pantoffel – © Karina/PIXELIO
Grinsekatze – © John Tenniel/WikiCommons – Public Domain
Puma – © ahisgett/flickr – CC BY 2.0

 

 

 

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