chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Das Zeitverbrechen

Wer?

In „Das Zeitverbrechen“ gehen eine ganze Menge Leute auf Zeitreisen. Manche allerdings nur einmal, wie etwa die Dienstboten, die aus der Vergangenheit in die Zukunft „transferiert“ werden, dann aber keine Reisen mehr unternehmen. Auf der anderen Seite gibt es die Parazeitpolizei, die andauernd irgendwo hin reist und Zeitverbrecher jagt.

Zur Polizei gehört auch Verkan Vall, der in den beiden Kurzgeschichten Verbrechen in der Zeit aufklärt. Ihm zur Seite steht Hadron Dalla, seine Frau, die zwar eigentlich etwas ganz anderes macht, aber im ersten Fall als Sonderermittlerin ihren Gatten unterstützt.

Weitere Zeitreisende sind Sklaven, die illegal aus ihrem eigentlichen Zeitalter entführt werden, und die Zeitverbrecher, die die Sklaven rauben und ein großes Geschäft damit machen. In der zweiten Geschichte reisen auch Angehörige eines Uran-Minen-Betreiberunternehmens in der Zeit. Alle möglichen Bodenschätze (aber auch alle anderen Güter) werden in dem Universum von H. Beam Piper überall in Zeit und Raum abgebaut und dorthin verkauft, wo ein entsprechender Mangel herrscht.

Wohin?

Das ist ein bisschen verwirrend: Im Buch wird nicht nur in der Zeit gereist, sondern auch in eine Art Parallelwelten. Da durchzusteigen ist eine Herausforderung, noch dazu, weil die einzelnen Zeitalter, Völker, Linien etc. so anders benannt sind, dass ich mich nicht sofort verorten konnte …  Wenn ich alles richtig verstanden habe, kann man aber nur in die Vergangenheit gehen, nicht in die Zukunft. Man kann in sogenannte Sektoren reisen, etwa den Dwarma-Sektor (wo und wann auch immer der ist). Oder: Der Chef Verkan Valls hat ein Haus im Sizilien der 5. Ebene, also einer Nebenwelt. Dazu kommt, dass man in einem bestimmten Sektor auf einer bestimmten Ebene sein kann. Irgendwie ist es immer was Irdisches, aber immer ein bisschen anders als wir es kennen. Kompliziert, wie gesagt …

In der Titelgeschichte reist Vall zum Beispiel auf eine Obstplantage im westlichen Nordamerika im Esaron-Sektor der 3. Ebene. Dort werden die oben erwähnten Sklaven verkauft, was alleine kein Verbrechen ist, da Sklavenhandel in der dort herrschenden Gesellschaft gang und gäbe ist. Aber die Sklaven kommen aus dem Kholgoor-Sektor, und zwar aus Indien. Und um euch alle jetzt weiter zu verwirren: Der Kholgoor-Sektor gehört zur „Indus-Ganges-Irriwady Wahrscheinlichkeits-Grundgruppe“.

Also, langer, verwirrender Rede kurzer Sinn: Man reist in der Zeit und in Parallelwelten wohin auch immer man gerade muss – wie das als Polizist halt so ist.

Wie?

Die Zeitmaschinen werden „Versetzer“ genannt. Es gibt solche, die einen zum Beispiel nur von der Heimzeitlinie zur Polizeilinie befördern, also wie eine Buslinie mit nur zwei Haltepunkten. Da das Personal in den Versetzerräumen die Maschinen vorab für den Reisenden einstellen, braucht man sich nur in den Versetzer zu setzen und den Starthebel zu ziehen. Dann geht die Reise los. Dabei verschwindet die sogenannte Versetzerkuppel. Im Laufe der Reise kann man immer wieder einen Blick auf die Zeiten/Linien erhaschen, die man durchquert und – wie einer der Reisenden einmal vermerkt – „ein Krieg ist immer dabei“.

Ein Versetzerfeld wird „Ghaldron-Hesthor paratemporales Versetzerfeld“ genannt. Es ist theoretisch während der Reise von nichts zu durchdringen. Trotzdem kann es passieren, dass beim Durchqueren der Zeiten und Welten irgendetwas in den Versetzer gerät. Deswegen werden ankommende Versetzer auch immer sofort gründlich untersucht.

Es gibt Versetzer in verschiedenen Größen, die eine verschieden große Anzahl an Personen fassen. Das ist natürlich wichtig für die Polizei, damit sie nicht nur einen Beamten, sondern auch mal einen ganzen Trupp schicken kann.

Warum?

Varkan Vall ist in beiden Geschichten in seiner Funktion als Parazeitpolizist unterwegs, um Verbrechen aufzuklären. In der ersten Geschichte ist der Auslöser seiner Ermittlungen der oben erwähnte Verkauf der Sklaven aus einem fernen Sektor. Im Laufe seiner Recherchen kommen Vall und sein Team einer groß angelegten Verbrecherorganisation auf die Spur, die nicht nur Sklaven durch alle Welten und Zeiten verkauft, sondern auch noch alles mögliche andere. Die Organisation arbeitet so verschleiert, dass einzelne Mitglieder, die gefasst werden, nichts über andere sagen können. Die Verstrickungen reichen bis in höchste politische Ebenen.

Im zweiten Fall geht es darum, dass die „Transtemporale Bergbaugesellschaft“ auf einer Zeitlinie des protoarischen Sektors der 4. Ebene Uran abbaut, um diesen in anderen Zeitlinien zu verkaufen. Um in dieser vorindustriellen Zeit nicht aufzufallen, tarnt sich ein Teil der Mitarbeiter als Priester, opfert heilige Kaninchen und sagt Dinge voraus. Als plötzlich die Kaninchen an einer Krankheit sterben, der ortsansässige König eine Fremde heiratet und sich fortan den Einflüsterungen eines Beraters hingibt und einen anderen Gott etabliert, tritt die Parazeitpolizei auf den Plan: Eine Konkurrenzgesellschaft wollte der Bergbaugesellschaft die Konzession streitig machen und beeinflusste den König. Vall tritt auch hier wieder in Aktion und löst den Fall.

Wie war’s?

Aaaalso … die Idee, Zeitreisen mit Parallelwelten zu kombinieren, finde ich gut. Zeitwächter finde ich auch gut, das ist ein Thema, das mich interessiert. Und eigentlich (aber nur eigentlich) finde ich es auch gut, dass Piper – der angeblich behauptete, von einer anderen Zeitlinie zu stammen – sich so viele Namen, Zeiten, Orte aus den Rippen schnitt, die keiner kennt, so dass man sich wirklich wo ganz anders wähnt: Am Anfang hat sich mein Hirn doch ein bisschen verdreht bei den ganzen exotischen Namen, beim Versuch, die Zeitebenen zu verstehen etc. Ist ein bisschen, als ginge ich – sagen wir – in die Mongolei und treffe nur Einheimische, deren Sprache ich nicht kann und habe außerdem keine Landkarte und versuche, mir alles irgendwie zusammenzureimen. Abenteuerlich!

Nach ein paar Seiten hatte ich das Gefühl, ich verstehe nur Bahnhof. Dann habe ich beschlossen, einfach weiterzulesen und zu hoffen, irgendwann zu raffen, was abgeht. Und das gelingt einem auf jeden Fall – auch wenn man am Ende immer noch nicht so genau weiß, wie man sich diese Sektoren vorzustellen hat … Und dann wird die anfangs erwähnte Idee der Zeitreise-Parallelwelten-Verkettung sehr reizvoll: Stellt euch mal vor, ihr könntet in das Heute zig anderer Welten gehen. Oder schauen, welche Varianten das Leben so an einem schönen Tag im Mai im Jahr 1978 bietet.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Das Zeitverbrechen
Autor H. Beam Piper
Seiten 160
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Moewig
Jahr 1984

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