chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Spiele für den Hausgebrauch

Wem der Todesmarsch doch etwas zu weit geht …

In den kalten, dunklen Wochen des Winters verlangen alle Menschen nach einer Beschäftigung, die ihnen die Herzen leicht, die Laune beschwingt und die Langeweile erträglich macht. Verständlicherweise sind die Spiele aus unserem Spieletest hierfür nicht unbedingt geeignet, da sie meist schon vom reinen Spielaufbau her viel zu aufwendig sind. Hier möchten wir euch ein paar Spiele vorstellen, deren Nachahmung sich vielleicht eher empfiehlt – zumindest dann, wenn man über bestimmtes Werkzeug, spezielle Technik und das entsprechende Know-How darüber verfügt. Wer jetzt dreimal ja gesagt hat: viel Spaß!

Dichterquartett

Wird gespielt in Der 35. Mai
Ausgedacht von Erich Kästner
Es spielen mit … 2-6 Spieler, Alter 9-99 Jahren (frei erfunden)
Spielregeln Man sammelt vier Werke desselben Dichters. Diese erhält man allerdings nur, wenn man diese Werke auch kennt und benennen kann.
Wer gewinnt? Wer als erstes alle vier voll hat, hat gewonnen.
Erforderliche Fähigkeiten
(Schwierigkeitsgrad?)
Man muss literaturgeschichtlich ein bisschen was auf dem Kasten haben. Wenn das Wissen auf dem Gebiet vorhanden ist, sollte das Spiel kein Problem sein. Für leidenschaftliche Zahlenmenschen ist das Dichterquartett wahrscheinlich eine Herausforderung.
Dürfen die Eltern davon wissen? Aber sicher. Die sind doch stolz wie Bolle, wenn sich die Sprösslinge mit solch geistigen Höhenflügen beschäftigt. Die Eltern, die ihren Sohn allerdings lieber im Boxring statt beim Bücherlesen sehen würden, könnten jedoch enttäuscht sein. Aber denen ist eh nicht zu helfen.
Chairlounge rät/kommentiert Ein großer Spaß für alle, die Klassiker, Quartett und gemütliche Spieleabende lieben. Ein Glas Rotwein und ein paar Bierkekse dazu und der Abend ist perfekt – wenn man sich an diese verdammten Schillerschen Dramen erinnern kann …

 

Nicht den Boden berühren

Wird gespielt in Pippi Langstrumpf
Ausgedacht von Astrid Lindgren
Es spielen mit … Alle, die da sind und Lust drauf haben
Spielregeln Man darf den Fußboden nicht betreten. Das bedeutet, man klettert über alles, was im Raum steht oder hängt und sieht zu, nicht abzustürzen. Theoretisch auch draußen spielbar.
Wenn man ein Pferd hat, kann man es wie Pippi als Kletterobjekt mit in den Raum stellen. Ob das Pferd das mag?
Wer gewinnt? Meine Güte, es muss doch nicht alles ein Wettbewerb sein, oder? Es gibt keinen Gewinner, da es ein Spiel ist, das man einfach so zum Spaß und wegen des gemeinsamen Tuns spielt. Have FUN!!!!
Erforderliche Fähigkeiten
(Schwierigkeitsgrad?)
Jeder kann mitmachen.
Es hilft allerdings, etwas klettern zu können, schwindelfrei zu sein und nicht ständig auf sein Smartphone starren zu wollen.
Dürfen die Eltern davon wissen? Nein!!!!!! Und ihr solltet nach dem Spiel auch unbedingt verräterische Spuren beseitigen, die von eurem Tun zeugen könnten. Eltern reagieren da komisch, warum auch immer. Vor allen Dingen: Das Pferd wieder in den Stall stellen!!!!
Chairlounge rät/kommentiert Wir raten von der Teilnahme ab, wenn du gerade ein Gipsbein hast. Lass auch deine alte klapprige Oma in Ruhe. Dann lieber Tee und Kekse und zugucken, wie alle um einen rumklettern. In die Wand geschlagene Haken fallen unter den Aspekt „Schiebung“! Nimm einfach deine Hände und Füße und lass den ganzen anderen Schnickschnack weg. Ist nur Fuddelei.

 

Das gefährlichste Spiel

Wird gespielt in The most dangerous game
Ausgedacht von Richard Connell
Es spielen mit … Ein Jäger und ein Gejagter
Spielregeln Der Gejagte wird auf einer einsamen Insel mit Proviant und einem anständigen Messer für alle möglichen Zwecke ausgestattet und erhält drei Stunden Vorsprung. Nach dieser Zeit folgt ihm der Jäger mit einer Pistole, um seine so genannte Beute zu töten. Wenn es dieser allerdings drei Tage lang gelingt, dem Jäger zu entwischen, ist sie frei.
Wer gewinnt? Der Jäger, wenn er seine Beute erlegt. Die Beute, wenn sie entkommt. Wobei sie sich dann möglicherweise trotzdem nicht als „Gewinner“ fühlt.
Erforderliche Fähigkeiten
(Schwierigkeitsgrad?)
Oh, hier sollte man so ziemlich alles können. Körperliche Fitness ist ebenso gefragt wie die Fähigkeit, strategisch zu denken. Jagderfahrung macht sich auf jeden Fall bezahlt und wer nach Pfadfinder-Manier auch noch sagen kann, wann der dritte Tag abgeschlossen ist und man es geschafft hat, ist ebenfalls gut beraten.
Dürfen die Eltern davon wissen? Vielleicht lieber nicht. Die Hetzerei durch den Wald schadet den Klamotten. Und keine Eltern wollen, dass ihr Kind sich drei Tage lang im Wald versteckt.
Chairlounge rät/kommentiert Zugegeben, ein Spiel für den Hausgebrauch ist das hier aus mehreren Gründen nicht. Dennoch – wenn man die Pistole durch einen Farbbeutel ersetzt, könnte man sich hiermit auf harmlose Weise die Weihnachtsfeiertage vertreiben.

 

Erebos

Wird gespielt in Erebos
Ausgedacht von Ursula Poznanski
Es spielen mit … So viele wollen … bzw. die CD erhalten
Spielregeln Mach, was das Programm dir sagt.
Halt die Klappe darüber, was du tun sollst, sonst gibt es Ärger.
Wer gewinnt? Eigentlich niemand, das Spiel (bzw. der Programmierer zu Lebzeiten) will eigentlich, dass alle Teilnehmer eine bestimmte Person ermorden.
Erforderliche Fähigkeiten
(Schwierigkeitsgrad?)
Naja, man sollte sich ein bisschen mit Online-Games auskennen. Außerdem ist eine gewisse Skrupellosigkeit hilfreich, wenn man Mordaufträge, Sabotage etc. in der realen Welt ohne schlechtes Gewissen durchziehen will.
Dürfen die Eltern davon wissen? Nein, nicht, wenn du Schiss hast, dass sie dir das Spielen verbieten oder dir endlose Moralpredigten halten und dich anschließend in ein Heim für fehlgeleitete Jugendliche stecken wollen.
Wenn du jedoch Skrupel entwickelst und nicht weißt, was du tun sollst, solltest du dich an deine Eltern wenden. Dafür sind sie schließlich da.
Chairlounge rät/kommentiert Lasst es sein. Es macht keinen Sinn, sich Ärger einzuhandeln, bloß weil man zu einem scheinbar elitären Kreis an Auserwählten gehören will, die das Spiel bekommen haben. Denn sobald du einen Fehler machst, wird es dir weh tun, denn deine Mitspieler kontrollieren unbemerkt dein Tun und das Spiel wird ihnen auch sagen, wie du zu bestrafen bist. Vielleicht ist dies sogar der seltene Fall, ernsthaft die Polizei einzuschalten?

 

Burgenschach

Wird gespielt in Flyte
Ausgedacht von Angie Sage
Es spielen mit … 2 Leute
Spielregeln Die Spielregeln? Welche Spielregeln?
Die einzige Regel, oder was auch immer das ist, könnte sein, dass du verdammt noch mal deine Figuren so gut behandelst, dass sie dir nicht abhauen und sich irgendwoanders ansiedeln, dass du zugelaufene Figuren ebenso gut behandelst und dass du es schaffst, mit deinen Figuren so gut umzugehen, dass sie echt Spaß daran haben, die Burg deines Gegners zu erobern.
Wenn du dazu keine Lust hast, lass es sein, dieses Spiel zu spielen oder du findest eines Tages nur noch gähnende Leere in deiner Figurenschachtel.
Wer gewinnt? Derjenige, dessen Figuren als erste die „feindliche“ Burg erobert haben.
Erforderliche Fähigkeiten
(Schwierigkeitsgrad?)
Empathie und Führungsqualitäten sind auf jeden Fall hilfreich.
Dürfen die Eltern davon wissen? Aaaaalso, wenn du „normales“ Schach spielst, auf jeden Fall. Das ist so intellektuell, dass deine Eltern ganz hin und weg sein werden!
Beim Burgenschach kommt es darauf an, was für eine Version du hast und wie cool deine Eltern sind. Lass sie einfach mal mitspielen.
Chairlounge rät/kommentiert Wir wollen die Spielvariante von Silas Heap, die im Burggraben echte Mini-Krokodile schwimmen hat. Die können wir dann mit Mini-Fischen füttern. Wenn das nicht geht, weil Silas uns das Spiel nicht geben will, züchten wir Mini-Kois, die dann in unserem Graben schwimmen.

 

Cytopia – Spiel mit Echtheitscharakter

Wird gespielt in Cytopia
Ausgedacht von Christine Pommerening
Es spielen mit … Scheinbar so viele Personen, wie wollen
Spielregeln Wenn man die wüsste, wäre es einfacher …
Wer gewinnt? Eigentlich niemand. Da die Spieler nicht direkt gegeneinander zocken, sondern eigene Abenteuer, Missionen und dergleichen bestehen müssen, kann man von Gewinner-Verlierern eigentlich nicht sprechen. Vielleicht sollte man alle, die eine solche Aufgabe im Spiel bewältigt haben, als Gewinner bezeichnen. Voll fair, ey.
Erforderliche Fähigkeiten
(Schwierigkeitsgrad?)
Ein bisschen Sportlichkeit, Geschicklichkeit und vor allem Phantasie sollte man haben, dann kann man im Spiel schon viel erreichen. Vieles von dem, was man nicht kann, kann der tierische Begleiter, den man sich zu Spielbeginn aussucht, ausgleichen. Vorausgesetzt, man trifft eine kluge Wahl und nimmt keinen Wellensittich oder ähnliches …
Dürfen die Eltern davon wissen? Och nö. Die nörgeln doch eh schon oft genug rum, dass man viel zu viel Zeit mit daddeln verbringt. Wenn die jetzt noch mitkriegen, dass man bei diesem Spiel komplett in eine andere Welt eintaucht, in der es möglicherweise keine Uhren gibt, kontrollieren sie die Hausaufgaben nur noch strenger.
Chairlounge rät/kommentiert Eigentllich eine feine Sache. Jeder kann in diesem Spiel sozusagen das spielen, worauf er/sie Lust hat, es gibt in dem Sinne ja keinen Spielablauf. Vielleicht könnte aber gerade das auch irgendwann langweilig werden. An dieser Stelle müssen die Spielentwickler rechtzeitig eingreifen und ein paar Special Editions zusammenbasteln, die man dazukaufen kann.

 

Zauberschach

Wird gespielt in Harry Potter
Ausgedacht von Joanne K. Rowling
Es spielen mit … 2 Leute
Spielregeln Wie beim „Menschenschach“, die Regeln gibt’s auf der Seite des Deutschen Schachbundes e.V. zum Runterladen (unter „FIDE“)
Wer gewinnt? Wie im unmagischen Leben gewinnt der, der zuerst den König schachmatt setzt.
Erforderliche Fähigkeiten?
(Schwierigkeitsgrad?)
Vorausplanen können, auch ein gutes Gedächtnis und die Fähigkeit, strategisch zu denken sind hilfreich. Wie bei unserem Schach eben.
Und Geduld. Denn Zauberschachfiguren neigen dazu, ungeübten Spielern Widerworte zu geben und den Dienst zu verweigern, weil sie nicht geschlagen werden wollen. Da muss man manches mal ein paar Kämpfe durchstehen, bis die Figuren merken, dass man weiß, was man tut.
Dürfen die Eltern davon wissen? Ja, kein Problem. Es ist ja nur so, dass sich die Figuren bewegen und ihre Meinung kundtun, wenn man es noch nicht so gut kann. Das sollte für Eltern okay sein.
Schwieriger wird es, wenn man in Professor McGonagalls großem Schachspiel mitspielen will. Da muss man nämlich selbst eine Figur werden und wenn dich z.B. der Läufer schlägt, ist das wörtlich zu nehmen. Das mögen Eltern nicht so sehr …
Chairlounge rät/kommentiert Coole Nummer, das. Burgenschach ist zwar immer noch unser Favorit, aber das hier probieren wir auch aus. Wir wissen nur nicht, ob wir uns das ganze Gemecker der Figuren entspannt anhören können, ohne die Burgenschachfiguren mit denen vom Zauberschach zu konfrontieren …

 

Reifen treiben

Wird gespielt in Freundschaft für immer und ewig?
Ausgedacht von traditional, wie man in der Musik sagen würde. Beschrieben hat es Tilde Michels.
Es spielen mit … So viele, wie da sind.
Spielregeln Eigentlich ganz einfach: man hat einen Reifen und einen Stock. Den Reifen lässt man losrollen und treibt ihn mit dem Stock immer wieder an, damit er nicht umfällt, sondern weiterrollt.
Wer gewinnt? Das kommt auf das Turnier an: Geht es darum, den Reifen möglichst lang aufrecht zu halten, gewinnt der, dem das gelingt. Wenn es gilt, eine bestimmte Strecke am schnellsten zurückzulegen, gewinnt der Schnellste. Heißt es, man müsse den Reifen im Kreis herum treiben und dabei alle vier Strophen von Dylans „Subterranean Homesick Blues“ fehlerfrei herunterrattern, gewinnt die, die das hinkriegt. Viel Glück.
Erforderliche Fähigkeiten?
(Schwierigkeitsgrad?)
Ein bisschen Geschicklichkeit und Konzentration. Das klingt jetzt vielleicht total simpel, ist aber doch ganz schön tricky. Man beachte beim Treiben die Spalten und Ritzen im Gehweg, Wind und vorbeilaufende Hunde, die so einen Reifen vielleicht auch als Spielzeug betrachten.
Dürfen die Eltern davon wissen? Aber ja. Wobei: In den 30ern, als das Spiel gern gespielt wurde, hieß es noch: Pass auf deine Klamotten auf und sei ja rechtzeitig wieder zu Hause. Heute wären die meisten Eltern wahrscheinlich froh, dass ihre Kinder von der Glotze weg und an der frischen Luft sind.
Chairlounge rät/kommentiert Warum nicht mal nachmachen? Reifen und Schlagzeugstock besorgen und dann mit dem Ding am 3. Adventssamstag die Mönckebergstraße rauf- und runterheizen …
Das Spiel hier ist übrigens eines der ganz wenigen nicht erfundenen. Heute mutet es vielleicht phantastisch an, aber vor knapp 100 Jahren haben die Kids damit ganze Nachmittage zugebracht.

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