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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Schlagwort-Archiv: Berlin

Ich lese gerade … Splitterwelten

Splitterwelten von Michael Peinkofer

Beim Schlendern durch den Buchladen sprang mir der Titel ins Gesicht: Splitterwelten. Was ist damit gemeint? Worum geht’s? So weit, so üblich. Beim ersten Reinlesen/-schnuppern lernte ich, dass Splitterwelten die Bruchstücke eines Planeten sind, die noch in relativer Nähe zueinander herumschweben, auf denen sich das Leben aber immer ein bisschen anders weiterentwickelt hat. Neben Menschen leben alle möglichen Arten von tierartigen „Menschen“ darauf. Das hörte sich ja erst mal ganz spannend an, nun mal sehen, wie Peinkofer das zu einer Geschichte auswalzt.

Leider, leider scheint die Idee – mittlerweile bin ich auf Seite 195 von 572 – nur zu einer Plattform der üblichen Fantasyblablastory zu werden: Es passieren schlimme Dinge, ein paar der vermeintlich Guten sind doch böse, einige haben keine Ahnung und sind zu unerfahren und lernen und die Unterdrückten begehren auf. Bisher muss noch keiner die Welt retten, aber das kommt bestimmt auch noch.

Genauer: Über allem herrscht die Gilde der Meisterinnen. Sie sind die einzigen, die die Gabe der Levitation beherrschen und die Schiffe in der Luft halten können, die zwischen den Splittern umhersegeln und somit die Verbindung und insbesondere den Austausch von Waren garantieren. Ich frage mich, ob die Gilde eine Mischung aus den Bene Gesserit und den Navigatoren aus Frank Herberts Wüstenplanet-Epos ist. Gleich zu Beginn dieser Story gibt es auch eine Art „Litanei gegen die Furcht“, die Gilde erzieht ihre Nachfolgerinnen von klein auf zu loyalen Mitgliedern und sie sehen sich selbst als das Beste, was es gibt. Hört sich alles recht gleich an.

Die Meisterinnen sind, wie gesagt, die Krone von allem, dann folgen die restlichen Menschen, wobei Männer irgendwie auch nichts wert sind. Zumindest aus Sicht der Gilde, alle anderen sehen das wahrscheinlich nicht so.

Im bisherigen Verlauf der Geschichte werden drei Erzählstränge aufgemacht, der eine ist der der Gildenmeisterin Cedara, die mit ihrer Schülerin einen Mord auf einer der Splitterwelten aufklären soll, der andere ist der der Gildenmeisterin Harona, die sich plötzlich als Inquisitorin zeigt und wahrscheinlich die Böse ist. Und dann gibt es noch ein Trio aus einem Chamäleoniden, einem Pantheriden und einem Menschen, die in einem Deal dazu verdonnert wurden, etwas zu stehlen.

Es ist bis jetzt nicht sehr spannend, es scheint, dass der Plot naheliegend ist, es geht Gut gegen Böse, wahrscheinlich gibt es eine Menge Verwicklungen, weil keiner wirklich mit dem anderen spricht, aber jeder irre viel denkt, was der andere denken könnte und so – also die übliche Rumeierei, um Konflikte zu generieren, wenn man auf keine andere Art Spannung erzeugen kann. Derzeit langweile ich mich dabei ziemlich, frage mich, wie die drei Teile wohl zusammenkommen und hoffe, dass Peinkofer irgendwie noch die Kurve kriegt. Schließlich hat er ja grundsätzlich was drauf.

Außerdem wünsche ich mir, dass sich irgendwann noch die Frage klärt, wie sich denn die ganze Luft zwischen den Planetensplittern halten kann und nicht einfach ins All verdampft …

Abenteuer Futuria

Neulich habe ich „Abenteuer Futuria“ von Klaus Beuchler in die Finger bekommen. Das ist ein Science Fiction, der im Jahr 2071 spielt, Hauptpersonen sind eine Horde Jugendlicher. Das Buch ist von 1974, aus der DDR und mit der dazu passenden Idee einer geeinten Welt, in der alle entsprechend ihrer Neigungen arbeiten und leben.

Manchmal ist es nun ganz spannend, ältere Bücher zu lesen. Vor allen Dingen alte Science Fiction. Da hat sich jemand vor einer ganzen Weile ausgedacht, wie es heute oder in x Jahren auf der Welt aussehen mag. Besonders interessant ist dabei, wie sich die Welt in der Phantasie des Autors weiter entwickeln könnte. Schaut man sich das dann aus der (damaligen) Zukunft an, so kann sich der Leser die Exklusivität leisten, vorgestellte und reale Zukunft zu vergleichen.

Heute will ich mal versuchen, ein paar dieser Ideen mit der Wirklichkeit abzugleichen und euch einladen, euch doch auch Gedanken darüber zu machen, wie die Welt aussehen könnte, was sich schon alles getan hat und einfach mal rumzuspinnen, welche Ideen aus Science Fiction ja vielleicht ganz toll wären.

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Everlasting

„Na, ich finde jedenfalls, ein Science-Fiction-Liebesroman wäre doch auch mal schön.“ Das wünscht sich Eliana, eine BerlinerGöre, die Anfang der 2000er Jahre in der Hauptstadt wohnt. Und sie vertraut das ihrem Tagebuch an, neben all den anderen Dingen, die Teenager so wichtig finden und aufschreiben: die Geburtstagsgeschenke, welche Jungs toll sind, wie blöd der Bruder ist (der immer nur die SF-Stories mit den Aliens und dem Geballer liest) und so fort. Sie weiß nichts davon, dass ihre Welt in ein paar Jahren enden, Deutschland mehr oder weniger aussterben und sich die Erde total verändern wird. Sie weiß auch nichts davon, dass ihre Tagebücher rund 250 Jahre überdauern werden – und dann von Finn Nordstrom gelesen werden.

Finn lebt im Jahr 2265. Er ist Historiker, Spezialist für die ausgestorbene deutsche Sprache und Deutschland. Finn lebt in Berlin, ist aber gebürtiger Amerikaner – auch wenn das im jahr 2265 nicht mehr wichtig ist. Er lebt im Märkischen Viertel, das seit einer ganzen Weile kein Stadtteil mehr ist, sondern ein riesiges Wohnheim, das aussieht wie der Rubik’s Cube. Er ist Mitte Zwanzig, ein Alter, in dem in der modernen Welt von den „Prä-Adulten“ erwartet wird, dass sie sich so langsam mal einen Partner suchen, sich seelisch gefestigt haben. Das soll mit 30 abgeschlossen sein. Finn arbeiet wie alle seine Altersgenossen. Er übersetzt Berichte der Deutschen Bank aus den Anfangsjahren des 21. Jahrhunderts ins Englische, eine Arbeit, die er nicht sonderlich spannend findet. Und dann bekommt er eines Tages das Angebot, ein Tagebuch zu übersetzen …

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