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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Schlagwort-Archiv: Erwachsene

Neue Buchhoroskope für Zwillinge

Zwei EulenAn der Spitze ist es einsam

Im Grunde wurde weder Bob Dylan noch Sherlock Holmes noch irgendein anderer unserer Zwillinge jemals gefragt, ob sie die Talente, derentwegen es Bücher über sie gibt, wirklich haben wollen. Sicherlich habe sie sich entschieden, damit zu arbeiten, aber auch das hat den Anschein davon, dass ihnen bei ihren überragenden Fähigkeiten auf ganz bestimmten Gebieten keine andere Wahl blieb. Jedenfalls sitzen sie jetzt da, können irgendetwas viel besser als alle anderen und besagte andere beschweren sich, dass die Zwillinge immer schneller sind und letztendlich alles allein machen wollen.

Ja – ist denn niemand der Ansicht, dass das ein sehr trauriges Leben sein kann? Dass der Zwilling es vielleicht gar nicht so witzig finden, wenn sie auf die ihnen übliche Weise arbeiten, sich dann umdrehen und feststellen, dass sie wieder mal allein sind? Viele Zwillinge haben etwas einsames an sich, bei manchen wirkt es sehr selbstgewählt, bei manchen nicht. Wir sehen uns mal eine Dame an, die mit ihren Talenten nicht ganz so berühmt geworden ist wie oben genannte Zwillinge, aber dafür eine besonders schräge Eigenart hat.

Wir empfehlen für die Zwillinge:

Mustererkennung von William Gibson

Cayce Pollard ist jung, intelligent und reagiert allergisch auf Marken. Kritiker der konsumorientierten Marktwirtschaft mögen jetzt bestätigend nicken und sagen: Ja, kenn ich. Aber das ist nicht ganz richtig. Denn Cayce reagiert tatasächlich mit Symptomen körperlicher Unverträglichkeit auf Embleme, Logos und alles andere, das mit TM gekennzeichnet ist.

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Foto oben: © Raphael Reischuk/PIXELIO

Ich lese gerade … Splitterwelten

Splitterwelten von Michael Peinkofer

Beim Schlendern durch den Buchladen sprang mir der Titel ins Gesicht: Splitterwelten. Was ist damit gemeint? Worum geht’s? So weit, so üblich. Beim ersten Reinlesen/-schnuppern lernte ich, dass Splitterwelten die Bruchstücke eines Planeten sind, die noch in relativer Nähe zueinander herumschweben, auf denen sich das Leben aber immer ein bisschen anders weiterentwickelt hat. Neben Menschen leben alle möglichen Arten von tierartigen „Menschen“ darauf. Das hörte sich ja erst mal ganz spannend an, nun mal sehen, wie Peinkofer das zu einer Geschichte auswalzt.

Leider, leider scheint die Idee – mittlerweile bin ich auf Seite 195 von 572 – nur zu einer Plattform der üblichen Fantasyblablastory zu werden: Es passieren schlimme Dinge, ein paar der vermeintlich Guten sind doch böse, einige haben keine Ahnung und sind zu unerfahren und lernen und die Unterdrückten begehren auf. Bisher muss noch keiner die Welt retten, aber das kommt bestimmt auch noch.

Genauer: Über allem herrscht die Gilde der Meisterinnen. Sie sind die einzigen, die die Gabe der Levitation beherrschen und die Schiffe in der Luft halten können, die zwischen den Splittern umhersegeln und somit die Verbindung und insbesondere den Austausch von Waren garantieren. Ich frage mich, ob die Gilde eine Mischung aus den Bene Gesserit und den Navigatoren aus Frank Herberts Wüstenplanet-Epos ist. Gleich zu Beginn dieser Story gibt es auch eine Art „Litanei gegen die Furcht“, die Gilde erzieht ihre Nachfolgerinnen von klein auf zu loyalen Mitgliedern und sie sehen sich selbst als das Beste, was es gibt. Hört sich alles recht gleich an.

Die Meisterinnen sind, wie gesagt, die Krone von allem, dann folgen die restlichen Menschen, wobei Männer irgendwie auch nichts wert sind. Zumindest aus Sicht der Gilde, alle anderen sehen das wahrscheinlich nicht so.

Im bisherigen Verlauf der Geschichte werden drei Erzählstränge aufgemacht, der eine ist der der Gildenmeisterin Cedara, die mit ihrer Schülerin einen Mord auf einer der Splitterwelten aufklären soll, der andere ist der der Gildenmeisterin Harona, die sich plötzlich als Inquisitorin zeigt und wahrscheinlich die Böse ist. Und dann gibt es noch ein Trio aus einem Chamäleoniden, einem Pantheriden und einem Menschen, die in einem Deal dazu verdonnert wurden, etwas zu stehlen.

Es ist bis jetzt nicht sehr spannend, es scheint, dass der Plot naheliegend ist, es geht Gut gegen Böse, wahrscheinlich gibt es eine Menge Verwicklungen, weil keiner wirklich mit dem anderen spricht, aber jeder irre viel denkt, was der andere denken könnte und so – also die übliche Rumeierei, um Konflikte zu generieren, wenn man auf keine andere Art Spannung erzeugen kann. Derzeit langweile ich mich dabei ziemlich, frage mich, wie die drei Teile wohl zusammenkommen und hoffe, dass Peinkofer irgendwie noch die Kurve kriegt. Schließlich hat er ja grundsätzlich was drauf.

Außerdem wünsche ich mir, dass sich irgendwann noch die Frage klärt, wie sich denn die ganze Luft zwischen den Planetensplittern halten kann und nicht einfach ins All verdampft …