chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Schlagwort-Archiv: Fantasy

Neues Buchhoroskop für den Krebs

Trau dich, deine eigene Schale zu knacken!

So ein richtiger Krebs mag seinen Panzer ja. Er weiß, dass er ihn schützt und ihm Halt gibt. Leider ist der Panzer auch starr und wenig nachgiebig. Im richtigen Krebsleben müssen die Schalentiere deswegen bei drohendem Wachstum ihren Panzer abwerfen und sich einen neuen wachsen lassen.

Die Sternenkrebse dagegen können sich selbst entscheiden, ob sie ihren Panzer vielleicht etwas durchlässiger werden lassen oder auch mal wieder fester. Leider lernen kleine Krebse das nicht unbedingt – und dann sind da noch die Unbillen des Lebens, die jedes Sternzeichen beuteln und krebsartig werden lassen können. Aber wir sind ja lernfähig und können wie Mortimer Wittgenstein lernen: vielleicht doch mal gaaaanz vorsichtig den Panzer zu öffnen.

Lycidas von Christoph Marzi

Mortimer Wittgenstein lebt als kleines Kind in einem Kaff irgendwo in Schottland. Er scheint ein ganz normales Kind zu sein. Er hat so seine Aufgaben im Haushalt seiner Eltern, er spielt mit den anderen Kindern und er hat Sorgen und Freuden, so wie wir alle. Als er jedoch mit acht Jahren einen Eimer Wasser ins Haus trägt, ändert sich alles: er lässt den Eimer nämlich schweben. Das gesamte Dorf inclusive Eltern kann mit dieser reichlich merkwürdigen Situation nicht umgehen und beäugt den Jungen so abgeneigt, dass der sich in die umliegende Landschaft flüchtet und nie wieder heim will.

So ein Erlebnis allein kann einem Kind schon die Freude am Leben verhageln. Kann dem Knirps auf die harte Tour vermitteln, dass man nicht gewollt ist und dazu führen, dass sich so ein Kind in sich verkriecht, die Schotten dicht macht und einen ordentlich breiten Panzer um sich herum aufbaut.

weiterlesen …


Secret Fire

Taylor ist ein ganz normales britisches Mädchen – besser ein Teenager, der sich nicht ganz so hübsch findet, der davon träumt, in Oxford an die Uni zu gehen und echt viel dafür lernt, dass dieser Traum sich erfüllt. Sacha dagegen lebt in Paris und hat alle Träume aufgegeben: Wozu noch Pläne machen, wenn man eh weiß, dass man mit 18 stirbt? Stattdessen stürzt er sich von 5-stöckigen Gebäuden oder lässt sich tot prügeln – denn bis zu seinem vorgezeichneten Tod ist er unsterblich. Nach ein paar Minuten Tod fängt er wieder an zu atmen und alle zerbrochenen Knochen, Organe etc. regenerieren sich in Windeseile. Und eines Tages wollen die Lehrer der beiden Schüler, dass Taylor Sacha Nachilfe im Fach Englisch via Web gibt, weil er das – angeblich – nötig habe.

weiterlesen …

Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald

Neulich habe ich in irgend einem Magazin einen Beitrag darüber gelesen, wie ein Vater mit dem Fernsehverbot für seine Kinder umgeht. Nicht nur, dass er berichtete, wie die Kleinen ihn austricksen oder auch die Eltern ausmanövrieren, nein, er erzählte auch, wie die vierköpfige Familie manchmal da sitzt und den Fernseher laufen hat. Alle schweigen. Und neben dem Fernseher hat jeder eines der neuen tollen Geräte in der Hand: ein Tablet, ein Smartphone oder sogar beides.

Mir fiel beim Lesen des Artikels das Buch „Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald“ von Erika Hübner-Barth ein, in der eine Familie auch jeden Abend vor dem Fernseher sitzt, bis der eines Tages kaputt geht. Und ich habe gedacht, dass es schön ist, wenn Bücher nichts an Aktualität verlieren und man sie auch noch nach Jahren lesen kann, ohne sie antiquiert oder sonstwie öde zu finden. „Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald“ ist für mich so ein Buch: Als der Fernseher kaputt geht, wissen Vater, Mutter, Oma und Opa und sechs liebe Kinderlein nicht, was sie machen sollen.

weiterlesen …

Elfenportal-Saga

Henry Atherton hat’s nicht leicht: Vor’m Frühstück baut er noch ein tolles Pappmodell eines fliegenden Schweins und will seinen Eltern bei Cornflakes davon erzählen. Leider hören die nicht zu und Henry merkt, dass irgendwas nicht stimmt. Aber was? Schließlich fragt der Teenager seinen Vater auf der Fahrt zum Bahnhof: „Hast du ein Verhältnis mit Anaïs?“ Anaïs ist die Sekretärin seines Vaters. „Ich hab kein Verhältnis mit Anaïs“, sagt der Papa, „Aber deine Mutter.“ Und damit beginnt für Henry eine ein paar Jahre währende aufregende Zeit, die sein Leben von Grund auf umkrempeln wird.

Herbie Brennan hat mit der Story um Henry ein – wie ich finde – ziemlich gutes und manchmal auch ziemlich irres Stück Phantasie auf den Markt geworfen. In vier Bänden erzählt der Ire, wie Henry lernt, dass die Welt nicht das ist, was er bisher immer dachte. Die bekloppte Situation zu Hause ist erst der Anfang und bei Weitem nicht das Kurioseste, das er erlebt.

weiterlesen …

Schwarzer Mond über Soho

Ich hab’s ja gesagt: „Die Flüsse von London“ ruft nach Fortsetzung und nun ist sie in die Buchläden geschwappt … Ich habe sie mir natürlich besorgt und gleich durchgelesen. Aber Ach! und Wehe! Der Fortsetzungsbazillus hat zugeschlagen und mal wieder einen Autor dazu gezwungen, sich Worte und Geschichten aus den Fingern zu saugen.

Peter Grant löst seinen zweiten und dritten Fall – parallel, damit ja keine Langeweile aufkommt. Und der vierte mischt auch schon kräftig mit. Aaronovitchs Humor zeigt sich auch hier wieder, es gibt ausreichend lustige Stellen – aber irgendwie ist der Gaul mit ihm durchgegangen. Kurz gesagt: Mord, Sex, Jazz und Mutation. Ein kurzer Prozess mit dem zweiten Band.

weiterlesen …

Die Flüsse von London

„Die Flüsse von London“ ist ein Krimi. Und Fantasy. Es gibt mehrere Mordfälle, die Polizei spielt mit und Geister, Vampire und Flussgötter treten auch auf. Und das Ganze ist wunderbar miteinander kombiniert und verwoben und es macht Spaß, die Geschichte zu lesen.

Hauptfigur ist Peter Grant, ein Londoner Polizeianwärter. An einem der letzten Tage seiner Probezeit steht er nach einem Mordfall Wache am Tatort. Und trifft einen Geist. Der erzählt ihm den Tathergang und was er gesehen hat. Sehr schön: Peter macht sich als erstes Gedanken, dass er den Geist ordnungsgemäß befragt: „Name, Wohnort“ etc. Ich hab‘ gelacht 🙂 … und mir überlegt, wie es wohl weitergeht.

weiterlesen …

Hexenhaus und Beutelmaus

Hat man schon jemals davon gehört, dass ein Wombat der Vertraute einer Hexe ist? Oder dass die Fantasy-Welt von einem Troll gemanagt wird? Oder dass eine Hexe nicht böse ist, sondern eine andere Form von Psychotherapeutin? Alle diese Figuren trifft man in „Hexenhaus und Beutelmaus“ – und auf eine Menge witziger Ideen, die die Spiele- und Fantasyszene ein bisschen auf den Arm nehmen.

Hali, bewusst hässliche Hexe, hat keine Lust, irgendwelche Jugendlichen aus unserer Welt durch ihre Heimat zu führen – nur, um ein fragwürdiges Unterfangen zu unterstützen: „Fantasy ist ein ernsthaftes Geschäft. Es ist unsere Aufgabe, den Außenweltlern bei ihrer Reifung zu helfen, indem wir sie mit ihren Ängsten konfrontieren und sie dadurch dazu bringen, ihre Probleme selbst anzugehen.“ Aber ihre Zweifel helfen nichts: Hali muss ran und den Job machen. Und dass sie sich dafür auch noch optisch aufpeppen soll, macht die Sache nicht besser.

weiterlesen …