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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Schlagwort-Archiv: Fantasy

Neues Buchhoroskop für den Krebs

In den Panzer geschlossen!

Die Grenze zwischen typisch und klischeehaft ist ja bekanntlich fließend. Wir zum Beispiel haben so oft über den kleinen, schüchternen, ängstlichen Krebs gesprochen, dass wir uns andere Wesenszüge dieses Krabbeltieres gar nicht mehr vorstellen können. Zum Beispiel, dass ein Krebs ein echter Kämpfer ist. Oder dass er nicht schüchtern, einsam und verstockt, sondern still, nachdenklich und einfach nicht sehr gesellig ist. Oder- und jetzt kommts – dass ein Krebs in der Lage ist, sich seine Freunde selbst auszusuchen. 

Shogo gehört eher zur letzteren Sorte Krebs und das aus gutem Grund. Denn ein schweigsamer, einsamer Krieger zu sein, würde ihm in seiner Situation wahrscheinlich das Leben retten. Dass er am Ende jedoch nicht ganz so einsam bleibt, ist einer anderen Eigenschaft des Krebses geschuldet: seinem unendlich großen Herzen.

Wir empfehlen für den Krebs:

Battle Royale von Koushun Takami

Kurz gefasst:

Das erste, was man von einem Krebs sieht, sind die Scheren. Das zweite, das einem auffällt, ist der Panzer. Scharf und verletzend das eine, undurchlässig und hart das andere. Beides wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt einladend. Das Gefühl haben auch Shuya und Noriko, als sie Shogo inmitten des grausamen Spiels, das sie mit ihrer Schulklasse ausfechten müssen, begegnen. Doch wie es Krebsen nun mal zu eigen ist, hat auch Shogo einige Überraschungen auf Lager …

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Tee & Kekse: Ben Aaronovitch in Lüneburg

Mittlerweile sind sechs Bücher veröffentlicht, in denen Polizist Peter Grant sich um all die Kriminalfälle kümmert, die mit „abstrusem Scheiß“ zu tun haben. „Abstruser Scheiß“ ist in den Augen der meisten Londoner Polizisten alles, was mit Magie und Übersinnlichem zu tun hat. Neben der klassischen Polizeiarbeit lernt Peter daher auch immer mehr Zaubersprüche und versucht übrigens, seine Ex-Kollegin Leslie dingfest zu machen, die sich mit dem absoluten Bösewicht zusammengetan hat. Im Herbst kommt der siebte Band (auf englisch) – und Ende des vergangenen Jahres veröffentliche Autor Ben Aaronovitch ein „Zwischenspiel“. Ich freue mich auf ein weiteres Abenteuer Mister Grants und darauf, zu erfahren, was nun mit Leslie etc. passiert.

Ben Aaronovitch in Lüneburg am 1.3.18

Kurz bevor es losgeht: Ben Aaronovitch lacht über – vielleicht geheime? – Dinge mit Moderatorin Antje Freudenberg, die die Peter-Grant-Serie genauso klasse findet wie ich.

Was aber noch schöner ist: Ben Aaronovitch himself war in Reichweite und da musste ich natürlich hin! Am 1. März stand er in Lüneburg in der Buchhandlung Lünebuch Rede und Antwort zu vielen Fragen. Und das tat er sehr humorig und meistens abschweifend. Mehr als einmal kam „What was the question?“ – und alle Anwesenden schmunzelten.

Alles startete mit der Bitte, etwas über seinen Hintergrund zu erzählen: „My family is boring … My brother wrote a book, it’s boring. But he needs the money, so buy it.“ Schließlich kam aber doch noch heraus, dass zum Beispiel der total „langweilige“ Vater sich aus schwierigen Verhältnissen hochgearbeitet hat und schließlich mit um die 50 einen Doktor machte und Dozent wurde. Britisches Understatement?, fragt man sich.

Peter wollte links herum, ich rechts …

Auf die Fragen nach Inspiration und Recherchen kommt die bekannte Antwort, dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln. Das scheint alle Autoren zu vereinen, die so auf dieser Erde schreiben. Ben Aaronovitch berichtet das auch. Insbesondere, als er für „Fingerhut-Sommer“ nach Herefordshire fuhr: Nach der Bahnfahrt und endlosen Taxifahrten und Spaziergängen in der ihm unbekannten Landschaft fuhr er nach Hause und schrieb an seinem Buch. Allerdings gab es eine Stelle, an der er wollte, dass Peter rechts herum geht. „But Peter wanted to go left“. Leider wusste der Autor nicht, wie es linksherum aussah – und so fuhr er kurzerhand ein zweites Mal nach Herefordshire, um es herauszufinden. Der Taxifahrer freute sich, dass er wieder da war … Das Buch spielt im übrigen nur deswegen in Herefordshire, weil der Brite auch einmal mit seinen Figuren in Herefordshire sein wollte und nicht nur ein anderer Autor, dessen Bücher alle dort spielen …  Sorry, ich habe mir leider nicht gemerkt, wer das war.

Peter war eine Frau – beinahe

Fanfiction liest Aaronovitch nicht, sagt er auf die Nachfrage einer Zuhörerin. Am Ende käme er noch auf die Idee, etwas zu klauen, was gut sei. Er fände klauen zwar gut ;-), aber es sei doch besser, es nicht zu tun. Und außerdem: Fanfiction sei etwas für die Fans. Das solle man nicht lesen.

Eine andere Frau will wissen, wie das denn nun mit Leslie und Peter sei. Daraufhin erzählt der Autor, dass beide niemals als Liebespaar angelegt gewesen seien. Im Gegenteil: Ursprünglich habe er bei der Geschichte an eine TV-Serie gedacht und da sollte es um zwei Frauen gehen, die Rivalinnen seien. Als dann klar wurde, dass er ein Buch in Ich-Form schreiben wird, stellte Aaronovitch fest, dass er bei einem ersten Roman nicht eine Frau aus der Ich-Persepektive schildern wollte. Und so kam es zu Peter Grant.

Natürlich hat Ben Aaronovitch auch vorgelesen. Eigentlich wollte er aus „Hanging Tree“ lesen. Aber dann dachte er sich, dass er uns lieber das erste Kapitel aus seinem neuen Werk „Lies Sleeping“ zum Besten geben wolle – schließlich hatte er es gerade an seinen Verlag abgegeben („only two months late“). Beim Lesen fiel ihm dann auf, dass Zeiten falsch waren oder manche Ausdrücke doch nicht so gut … alles lachte. Im übrigen seien wir nach ein paar Berlinern die ersten, die das neue Kapitel hören würden.

Ach, es war schön!

Was ich noch spannend gefunden hätte, wäre gewesen, wenn Moderatorin Antje Freudenberg und Ben Aaronovitch sich ein wenig über Polizei, Polizeiarbeit etc. unterhalten hätten – schließlich ist Freudenberg selbst Polizistin und Aaronovitchs Held auch. Da hätte man doch mal reales Leben und Fiktion auf den Prüfstand stellen können.

Aber auch so war es super! Es war lustig und spannend, Aaronovitch zuzuhören. Eine der besten Lesungen, die ich in den letzten Jahren gesehen und gehört habe – mal abgesehen von Saša Štanisić im letzten November. Es gibt selten so nette Autoren, die Lust haben, zu erzählen, die von sich aus den den Mund aufmachen, die Geschichten und Anekdoten erzählen und einfach ihre Meinung sagen. Danke, Ben Aaronovitch 🙂


Foto: © Micha Schneider

Secret Fire

Taylor ist ein ganz normales britisches Mädchen – besser ein Teenager, der sich nicht ganz so hübsch findet, der davon träumt, in Oxford an die Uni zu gehen und echt viel dafür lernt, dass dieser Traum sich erfüllt. Sacha dagegen lebt in Paris und hat alle Träume aufgegeben: Wozu noch Pläne machen, wenn man eh weiß, dass man mit 18 stirbt? Stattdessen stürzt er sich von 5-stöckigen Gebäuden oder lässt sich tot prügeln – denn bis zu seinem vorgezeichneten Tod ist er unsterblich. Nach ein paar Minuten Tod fängt er wieder an zu atmen und alle zerbrochenen Knochen, Organe etc. regenerieren sich in Windeseile. Und eines Tages wollen die Lehrer der beiden Schüler, dass Taylor Sacha Nachilfe im Fach Englisch via Web gibt, weil er das – angeblich – nötig habe.

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Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald

Neulich habe ich in irgend einem Magazin einen Beitrag darüber gelesen, wie ein Vater mit dem Fernsehverbot für seine Kinder umgeht. Nicht nur, dass er berichtete, wie die Kleinen ihn austricksen oder auch die Eltern ausmanövrieren, nein, er erzählte auch, wie die vierköpfige Familie manchmal da sitzt und den Fernseher laufen hat. Alle schweigen. Und neben dem Fernseher hat jeder eines der neuen tollen Geräte in der Hand: ein Tablet, ein Smartphone oder sogar beides.

Mir fiel beim Lesen des Artikels das Buch „Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald“ von Erika Hübner-Barth ein, in der eine Familie auch jeden Abend vor dem Fernseher sitzt, bis der eines Tages kaputt geht. Und ich habe gedacht, dass es schön ist, wenn Bücher nichts an Aktualität verlieren und man sie auch noch nach Jahren lesen kann, ohne sie antiquiert oder sonstwie öde zu finden. „Geschichten aus dem Tausend-Wunder-Wald“ ist für mich so ein Buch: Als der Fernseher kaputt geht, wissen Vater, Mutter, Oma und Opa und sechs liebe Kinderlein nicht, was sie machen sollen.

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Elfenportal-Saga

Henry Atherton hat’s nicht leicht: Vor’m Frühstück baut er noch ein tolles Pappmodell eines fliegenden Schweins und will seinen Eltern bei Cornflakes davon erzählen. Leider hören die nicht zu und Henry merkt, dass irgendwas nicht stimmt. Aber was? Schließlich fragt der Teenager seinen Vater auf der Fahrt zum Bahnhof: „Hast du ein Verhältnis mit Anaïs?“ Anaïs ist die Sekretärin seines Vaters. „Ich hab kein Verhältnis mit Anaïs“, sagt der Papa, „Aber deine Mutter.“ Und damit beginnt für Henry eine ein paar Jahre währende aufregende Zeit, die sein Leben von Grund auf umkrempeln wird.

Herbie Brennan hat mit der Story um Henry ein – wie ich finde – ziemlich gutes und manchmal auch ziemlich irres Stück Phantasie auf den Markt geworfen. In vier Bänden erzählt der Ire, wie Henry lernt, dass die Welt nicht das ist, was er bisher immer dachte. Die bekloppte Situation zu Hause ist erst der Anfang und bei Weitem nicht das Kurioseste, das er erlebt.

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Schwarzer Mond über Soho

Ich hab’s ja gesagt: „Die Flüsse von London“ ruft nach Fortsetzung und nun ist sie in die Buchläden geschwappt … Ich habe sie mir natürlich besorgt und gleich durchgelesen. Aber Ach! und Wehe! Der Fortsetzungsbazillus hat zugeschlagen und mal wieder einen Autor dazu gezwungen, sich Worte und Geschichten aus den Fingern zu saugen.

Peter Grant löst seinen zweiten und dritten Fall – parallel, damit ja keine Langeweile aufkommt. Und der vierte mischt auch schon kräftig mit. Aaronovitchs Humor zeigt sich auch hier wieder, es gibt ausreichend lustige Stellen – aber irgendwie ist der Gaul mit ihm durchgegangen. Kurz gesagt: Mord, Sex, Jazz und Mutation. Ein kurzer Prozess mit dem zweiten Band.

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Die Flüsse von London

„Die Flüsse von London“ ist ein Krimi. Und Fantasy. Es gibt mehrere Mordfälle, die Polizei spielt mit und Geister, Vampire und Flussgötter treten auch auf. Und das Ganze ist wunderbar miteinander kombiniert und verwoben und es macht Spaß, die Geschichte zu lesen.

Hauptfigur ist Peter Grant, ein Londoner Polizeianwärter. An einem der letzten Tage seiner Probezeit steht er nach einem Mordfall Wache am Tatort. Und trifft einen Geist. Der erzählt ihm den Tathergang und was er gesehen hat. Sehr schön: Peter macht sich als erstes Gedanken, dass er den Geist ordnungsgemäß befragt: „Name, Wohnort“ etc. Ich hab‘ gelacht 🙂 … und mir überlegt, wie es wohl weitergeht.

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Hexenhaus und Beutelmaus

Hat man schon jemals davon gehört, dass ein Wombat der Vertraute einer Hexe ist? Oder dass die Fantasy-Welt von einem Troll gemanagt wird? Oder dass eine Hexe nicht böse ist, sondern eine andere Form von Psychotherapeutin? Alle diese Figuren trifft man in „Hexenhaus und Beutelmaus“ – und auf eine Menge witziger Ideen, die die Spiele- und Fantasyszene ein bisschen auf den Arm nehmen.

Hali, bewusst hässliche Hexe, hat keine Lust, irgendwelche Jugendlichen aus unserer Welt durch ihre Heimat zu führen – nur, um ein fragwürdiges Unterfangen zu unterstützen: „Fantasy ist ein ernsthaftes Geschäft. Es ist unsere Aufgabe, den Außenweltlern bei ihrer Reifung zu helfen, indem wir sie mit ihren Ängsten konfrontieren und sie dadurch dazu bringen, ihre Probleme selbst anzugehen.“ Aber ihre Zweifel helfen nichts: Hali muss ran und den Job machen. Und dass sie sich dafür auch noch optisch aufpeppen soll, macht die Sache nicht besser.

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