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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Der Jungbrunnen

25 Jahre ist es her, als Rex Pebble Spray Summers verführte. Und seit dieser Zeit ist sie seine Geliebte. Und so macht sich der ältere Herr auf, den Abend fernab seiner Gattin bei seiner Langzeitaffäre zu verbringen und diesen Tag zu feiern. Dass sich dabei so einiges Skurriles und Ungewöhnliches ereignet, macht den Abend und die Nacht unserer beiden Stiere nur interessanter.

Damals, als sie beide noch jung und knackig und vor allen Dingen enorm gut aussehend gewesen waren, hatten beide das Leben genossen und auch keine Gelegenheit versäumt, es auszukosten – egal, ob miteinander oder mit jemand anderem (was in Rex‘ Fall häufiger seine Frau Sue gewesen war, die allerdings auch nichts anbrennen ließ). Wie richtige Stiere eben so sind, schön, genießerisch und lebensfroh. Jetzt sitzen Rex und Spray in dem Haus, das Rex seiner Geliebten eingerichtet hat, jammern über ihre Hühneraugen und die Falten im Gesicht und dass sie die Leidenschaft doch nicht mehr so packt wie vor undenklichen Jahren . Sie schütten einen Drink nach dem anderen in sich hinein und trauern den alten Zeiten nach. Sie sind auf der dunklen Seite der Stiere angekommen: Was man hat, hat man und damit gut.

Ein Jungbrunnen wirkt Wunder

 

Frauenstatue auf einem Sockel inmitten eines Pools mit Wasserfontänen.

Eine Nymphe im Pool, die lebendig wird. Wasser, das sich zum Jungbrunnen wandelt. Ein altes Liebespaar, das die Chance auf einen Neuanfang erhält – für Stiere eine absolute Herausforderung, sich mit einem wiedergewonnenen genussvollen Leben auseinanderzusetzen.

Schließlich gehen sie raus in den Garten. Und Rex hat eine wundersame Begegnung mit Racker, der Statue einer Nymphe, die üblicherweise im Swimming Pool auf einem Sockel steht, aber in dieser Nacht erstaunlicherweise lebendig wird … Racker versucht, Rex zu verführen, aber der will nicht und so macht sich die nackte kleine Lady auf und sucht woanders ihr Glück. Rex aber geht mit Spray im Pool baden, was beide schon seit Jahren nicht mehr getan haben.

Als sie aus dem Wasser steigen, staunen sie nicht schlecht: Sie sind rund 30 Jahre jünger – Hühneraugen weg, Falten weg, dafür wieder die richtigen schönen Rundungen an den richtigen Stellen, ein Adoniskörper und – wie Spray kommentiert – beide haben Gedanken, die sie schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gedacht haben.

Was tun, wenn man schön ist?

Die wollen sie auch gleich in die Tat umsetzen, aber wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, ist das nicht so einfach: Die wunderschöne junge Frau und der umwerfend attraktive Endzwanziger haben doch das ein oder andere Glas zu viel getrunken und setzen immer noch einen drauf: Jedes Glas, das der japanische Butler mixt, wird auf Teufel komm raus konsumiert.

Und so wird die wiedergewonnene Kraft (übrigens mit der gesamten Lebenserfahrung, die die beiden gesammelt haben) und Jugendlichkeit darauf verwendet, eine vollkommen abstruse Road Show abzuziehen: Aufgrund eines im Ofen verschmorten Steaks wird die Feuerwehr geholt, die dann zum Trinken animiert wird. Die beiden Junggewordenen, quasi nicht-bekleideten, fahren mit Butler, Feuerwehrmann und Feuerwehrauto los (Spray nur mit einem Feuerwehrmantel bekleidet, Rex in einer Tischtuchtoga!), trinken weiter, wollen irgendwo ein Feuer machen, damit die Feuerwehr was zu löschen hat, trinken noch was, entern ein Kaufhaus, in dem sie sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei liefern, werden beinahe überfallen, fahren heim und trinken noch was und so fort.

Irgendwann taucht Rex‘ Frau auf und Racker (die sich wirklich wie ein „kleiner Racker“ aufführt) zeigt ihr, wie auch sie wieder jung und schön wird. Und sie will jetzt ihren Mann wieder haben – und die beiden Frauen, die sich ihr Leben lang halb respektiert, halb resigniert hingenommen haben, versuchen jetzt, mit ihren wiedergewonnen tollen Körpern zu punkten – aber leider, leider nützt ihnen das überhaupt gar nichts: Rex spielt im Garten mit dem Butler Fangen und taucht aus alkoholumnebelten Gründen nochmal in den Pool. Und wird als einjähriger Säugling von dem Japaner herausgefischt, ein Kleinkind allerdings, das genauso fluchen und nach einem Drink krakeelen kann wie der Mann, der er einmal war.

Schön sein und das Leben genießen

Wiedergewonnene Schönheit – wer hätte das nicht gern? Wer sehnte sich nicht manches Mal danach, wieder jung und knackig zu sein. Allen die Augen verdrehen zu können und vielleicht manches Mal auch, enorm trinkfest zu sein. Sogar der ein oder andere Teenager in der Blüte seiner Jahre verlangt manches Mal nach der Bikinifigur von vor einem Jahr. Oder nach der Schönheit dieses oder jenes Stars.

Rex, Spray, Sue und sogar Racker: Alle sind sie gut aussehend, schön, ein Augenschmaus sondergleichen, Leute, die allen anderen den Kopf verdrehen. Aber am Ende der Geschichte, als Rex wieder älter wird, merkt er, dass diese ganze Schönheit nicht alles ist. Nach dem langen, ereignisreichen Abend stellt er verwundert fest, dass die Dinge dann am schönsten sind, wenn sie in ihrer natürlichen Ordnung sind. Dass es auch schön ist, seine Erfahrung und sein Alter zu genießen.

Was passiert also, wenn einem dieses Glück des Neuanfangs gewährt wird? Können die Schönen ihr Glück genießen? Nein!!!! Sie saufen, aber ohne Genuss. Sie bewundern sich gegenseitig, ohne etwas damit anzufangen. Sie rennen mit allen möglichen Leuten in der Gegend herum. Aber ist es eine tolle Party? Nein!!!! Statt dessen beleidigen sie den Butler, liefern sich dämliche Wortgefechte mit ihren Verfolgern und sind ganz schön oft ganz schön genervt. Da haben sie alles, was man sich nur wünschen kann und verplempern diesen Segen mit Getränken und öden Sprüchen. Man merkt auch hier die Stierseite in ihnen: Eine neue Situation überfordert die Alteingefahrenen. Ihre neugewonnene Jugend – daran muss man sich einfach erst einmal gewöhnen, dafür bräuchten die beiden mehr Zeit und weniger Leute um sich herum, so dass sie sich an die neue Situation herantasten können. So ein richtiger Stier findet sich toll und genießt das Leben, aber bitte nicht zu plötzlich!

Und das, meine Freunde, ist die zweifache Moral von der Geschicht‘: Auch wenn ihr nicht ausseht, wie Miss oder Mister World, wenn ihr einen Pickel habt oder auch zwei – na und? Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Ein Stier mag von Natur aus gut aussehen, aber das ist kein Grund neidisch zu sein – wenn ihr zweifelt, fragt doch einfach eure Freunde, ob sie euch schön finden. Ich denke, ihr werdet mehr positive Rückmeldungen erhalten als ihr euch gerade vorstellen könnt. Und wenn eine neue Situation um die Ecke geschossen kommt – entspannt euch, ihr lieben Stiere. Macht das, was ihr gut könnt: Genießt es einfach!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Der Jungbrunnen
Autor Thorne Smith
Seiten 239
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Fischer
Jahr 1987

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Foto: © tm-tm/flickr – CC BY-SA 2.0

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