chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Neue Buchhoroskope für den Schützen

Hör auf, bevor es zu spät ist

Das Merkmal der Schützen ist absolut übereifriges Engagement in allem, was er sich vorgenommen hat. Das ist toll, großartig, beneidenswert – so lange er es nicht übertreibt. Wenn er nämlich in einen Unternehmungsrausch verfällt, ist er leider nicht mehr zu stoppen. Dann trifft er nicht mehr unbedingt ins Schwarze, sondern eher Freunde und Familie, und zwar unfreiwillig vor den Kopf. Auch ein Querschläger kann dann schon mal dabeisein.

Was passiert, wenn ein Schütze das Zielwasser vergisst, erzählen wir euch diesen Monat anhand der Geschichte eines possierlichen Waldbewohners.

Wir empfehlen für den Schützen:

Mach mal Pause, Biber von Nicholas Oldland

Es war einmal ein Biber. Der Biber lebte mit seinen Tierfreunden in einem Wald und hatte einen Ruf zu verlieren: er war nämlich immer sehr fleißig. Der Biber tat den ganzen Tag mit großem Eifer das, was Biber eben so tun – er nagte Bäume um, schleppte Holz, baute Dämme und und und … Keine Minute Pause gönnte er sich in seinem unendlichen Fleiß, weil er ständig tausend Projekte am Laufen hatte und dabei immer dachte, er müsse noch mehr leisten. Kein Wunder, dass ihn das ohne Umwege ins Unglück stürzte.

weiterlesen …

Foto: © DVIDSHUB/flickr – CC BY 2.0

Advertisements

Hainish

Neulich habe ich einen ganzen Stapel gebrauchter Science Fiction und Fantsy erworben und lese mich gerade so durch die Seiten. Dabei war auch „Hainish“, ein Sammelband mit drei Büchern Uraula Le Guins aus ihrem Hainish-Universum: Rocannons Welt, Das zehnte Jahr und Stadt der Illusionen.

Ein dicker Schmöker mit über 400 Seiten, den man aber gut weglesen kann. Genau das Richtige für die ersten herbstlich-winterlichen Tage mit Tee und an die Fenster prasselndem Regen.

Ich will jetzt nicht auf die Details eingehen, sondern darauf, was mir in allen drei Bänden begegnete. Le Guin beschreibt in jedem Band (und irgendwie auch in ihren anderen Büchern, wie etwa Winterplanet), wie ein Einzelner sich allein unter anderen zurecht findet, lebt, mitlebt. Im ersten Band ist es Rocannon, der vom Planeten Hain stammt, aber auf Formalhaut II ist und dem von Rebellen einer dritten Welt seine Kameraden getötet und auch seine Schiffe zerstört werden. Allein unter den vielfältigen intelligenten Lebensformen des Planeten schwört er Rache – und hilft den Eingeborenen, ebenfalls Rache zu nehmen, denn auch deren Familien und Freunde werden von den Rebellen umgebracht. Am Ende ist er erfolgreich und hat zudem eine neue Heimat gefunden.

Agat und Rolery auf Werel ergeht es ähnlich, jedoch ist Agat hier einer der wenigen Überlebenden einer terranischen Expedition auf diesen Planeten, während die junge Frau als „Sommergeborene“ keinen richtigen Platz bei ihrem Stamm findet. Beide finden zueinander und im ebenfalls erstmaligen gemeinsamen Kampf von Eingeborenen und Fremden finden auch die ehemals Fremden und die Alteingesessenen zueinander und begründen schließlich eine neue Zivilisation.

Spannend hier ist, dass sowohl Eingeborene als auch Ferngeborene sich selbst als Menschen, die anderen aber als Nichtmenschen sehen.

Im dritten Band taucht schließlich eines Tages ein Mann auf der Lichtung eines Hauses auf, der sein Gedächtnis verloren hat. Fünf Jahre lebt und lernt er bei der Familie, die ihn wohlwollend aufgenommen hat. Dann verlässt er sie, um sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit zu machen. Diese Geschichte spielt auf der Erde, die nach dem Zerschlagen einer Interstellaren Liga von einer fremden Rasse beherrscht wird. Die Menschheit lebt zumeist wieder primitiv und wenn auch ein gewisser technischer Standard vorhanden ist, so wird er kaum verwendet. Alle haben Angst vor den Shing, wie die fremden Eroberer heißen. Diese halten die Menschen von der Entwicklung ab, verhindern etwa Städtebau und Wissensvermittlung.

Falk, wie der Findelmann genannt wird, will zu diesen Fremden – und zieht durch die Lande. Er trifft auf hilfsbereite Menschen, auf ängstlich-aggressive Zeitgenossen und auf eine Frau, die in Wirklichkeit den Auftrag hat, ihn zu den Herrschern zu bringen. Denn die wissen ganz genau, wer Falk eigentlich ist: Ein Raumfahrer von Werel, dem sie vor Jahren selbst das Gedächtnis löschten, dessen Wissen sie aber jetzt wieder benötigen.

Auch Falk ist allein auf weiter Flur, auch er muss sich, wie Rocannon, Rolery und Agat selbst seinen Weg bahnen. Im Gegensatz zu Rocannon kann er jedoch am Ende nach Hause fliegen, obwohl er aufgrund der Entfernung niemanden mehr antreffen wird, den er bei seinem Aufbruch noch kannte. Sie werden alle tot sein. Trotzdem: Er muss heim, damit er seinem Planeten die Kunde bringen kann, dass die Menschen der Erde unterdrückt sind von den Shing und dass sie ihnen vielleicht zu Hilfe eilen können. Und er muss heim, damit seine Landsleute vor den Shing gewarnt werden können.

Allen drei Büchern ist auch gemein, dass sich die „Fremden“ für die Belange der Ortsansässigen einsetzen. Und zwar nicht aus einem Entwicklungshilfedrang heraus, sondern meist aus einer Mischung eigener Interessen und dem wirklichen Bedürfnis, den anderen helfen zu wollen. Deren Sorgen und Probleme ernst zu nehmen und sich mit dafür verantwortlich zu fühlen. In allen Fällen ist es vollkommen okay, diese beiden Interessen zu haben und so zu handeln, dass am Ende alle etwas davon haben.

Das finde ich – gerade in der aktuellen Zeit – sehr spannend und eine gute Lektüre, um einmal darüber nachzudenken, wie man selbst handelt und agiert und aus welchen Motiven heraus man jemandem Hilfe gibt oder sie verweigert.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Hainish
Autor Ursula Le Guin
Seiten 443
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1987

Neue Buchhoroskope für den Skorpion

Kompromisslos und energiegeladen

Skorpion am Spieß - Imbiss in ChinaMan kann sich mit Gouvernanten echt ein Ei ins Nest legen … Nun haben wir schon die zweite zickige Kinderfrau diesen Sternzeichens – allerdings dieses Mal ein wirklich unangenehmes und zudem hinterlistiges Exemplar.

Die Kinderfrau von Kay Harker zieht kompromisslos und auf Kosten aller anderen ihr kriminelles Vorhaben durch … naja, glücklicherweise nur fast, denn am ende kann ihr dann doch das Handwerk gelegt werden.

Wir empfehlen für den Skorpion:

Das Mitternachtsvolk von John Masefield

Ach ja, die Gouvernanten … Müssen die denn alle so zickig sein? Nach Mary Poppins lernen wir heute einen weiteren Kinderschreck, einen Skorpion mit missbrauchter Verantwortung kennen. Aber nein, während Mary Poppins sich schlussendlich um die Kinder kümmert, ist Skorpion Tausendschön in Wirklichkeit ein echtes Ekelvieh.

Sylvia Tausendschön wird vielleicht nicht geliebt, aber geschätzt und respektiert. Von den anderen Einwohnern des kleinen Ortes, in dem Kay Harker auf seinem halb heruntergekommenen Landsitz aufwächst, denn sie parliert freundlich mit allen. Und schließlich kümmert sie sich ja um die kleine Waise, gibt Kay Unterricht, beaufsichtigt das Personal, steht dem Haushalt vor und hält auch den Vormund des Jungen auf dem Laufenden. Ein verantwortungsvoller Job – da kann man doch nur gut sein, oder?

weiterlesen …

Foto: © JUREC/PIXELIO

Neue Buchhoroskope für die Waage

Living in perfect harmony …

Haus mit Skulptur: Waage mit 2 Personen.Was ist das eigentlich – Harmonie? Waagen sind für diese ja bekannt, aber wissen sie – wissen wir eigentlich – was der Begriff bedeutet? Heißt das, einfach die Klappe zu halten, auch wenn einem etwas nicht gefällt, nur damit es keinen Krach gibt? Oder heißt es etwa, mit sich und anderen im Reinen zu sein? Das ist, wie so vieles im Leben, nicht immer leicht herauszufinden. Unsere Freundin Susanne, der wir schon einmal begegntet sind, wird von dieser Erkenntnis etwas unsauber (haha, ihr werdet noch sehen, warum ich jetzt lache) erwischt. Doch sie lernt daraus … wie sieht es mit euch aus? Einen kleinen Erkenntnisgewinn (evtl. nicht nur für Waagen) möchte wir euch hier verabreichen:

Das Biest, das im Regen kam – die Zweite von Angela Sommer-Bodenburg

Eigentlich kennt ihr sie schon – Susanne, das brave Mädchen, dem aus einem Sturzregen heraus ein anderes Mädchen begegnet, das genau ihr Gegenteil darstellt. Susanne ist sauber, höflich, wohlerzogen und demzufolge immer lieb. Ihr Kontrapunkt ist schmutzig, frech und und macht, was er will. Das letzte Mal haben wir uns mit dem Kontrapunkt – dem Biest als Zwilling – beschäftigt, doch dieses Mal soll uns Susanne interessieren.

Susanne lebt ein vermeintlich glückliches Leben zusammen mit ihrer Mutter und ihrem – weitestgehend abwesenden – Vater. Vorort, ordentliches Haus, immer genug zu essen und anzuziehen. Sie zieht sich ordentlich an, trägt Kleidchen und Blusen, kämmt sich die Haare und wäscht sich, wann immer sie kann. Ihre Hausaufgaben sind vor der Tagesschau fertig und sie bleibt nach dem Essen sitzen, bis sie aufstehen darf. Ihre Mutter möchte das so. An kindliches Aufbegehren, an Infragestellen oder gar Rebellion denkt sie nicht einmal in ihre Alpträumen.

weiterlesen …

Foto: © C. Nöhren/PIXELIO

 

Hanas Koffer

Kinderbücher aus der Nazizeit gibt es viele – das berühmteste dürfte nach wie vor „Das Tagebuch der Anne Frank“ sein. Ihr gelingt, was wohl die größte Schwierigkeit sein mag, wenn man über Kinderbücher den Schrecken des Holocaust vermitteln möchte. Einerseits will man die unfassbaren Ereignisse mit der nötigen Ernsthaftigkeit beschreiben und dabei nicht bagatellisieren. Andererseits gerade ganz junge Leser auch nicht verstören – was bei dieser Thematik nur allzu leicht wäre. Doch ein Leser, der Angst bekommt, wird eine solche Geschichte in der Zukunft wohl eher meiden. Und damit wäre das Gegenteil von dem erreicht, was die Erzähler erzielen wollten: ernsthaftes Interesse an und ein kritischer Blick auf die Geschichte.

weiterlesen

Neue Buchhoroskope für die Jungfrau

MeerjungfrauEine Jungfrau zum Fürchten?

Jungfrauen sind ideale Butler, Diener, Hausdamen etc. Man kann sich hundertprozentig auf sie verlassen. Und sie machen ihren Job richtig gut. Vorsicht ist dann geraten, wenn man nicht zur Familie gehört und der Butler ein waffenfähiger Geselle ist. Denn dann kann auch mal scharf geschossen werden …

Steife Prise von Terry Pratchett

Ein Butler ist definitionsgemäß ein Diener, einer, der auch Personalverantwortung hat, der für verschiedene Bereiche des Hauses verantwortlich ist (z. B. auch den Weinkeller). Wie der Begriff „Diener“ schon sagt, bedient der Butler auch seine Herrschaft und die Gäste. Traditionell ist er in Adelshäusern angestellt, aber auch in Repräsentanzen. Ein Butler ist eine wichtige Funktion in einem großen Haushalt. Außerdem ist ein Butler (oder auch sein weibliches Pendant, die Hausdame) qua Aufgabe immer irgendwie eine Jungfrau: Ohne Fürsorge kein Dienen.

So ein Butler ist Willikins, der seinen Dienst für Lady Sybil Käsedick und ihren Ehemann Samuel Mumm, seines Zeichens Kommandeur der Stadtwache Ankh Morporks, versieht. Und er ist ein Butler, der seine Aufgabe verdammt ernst nimmt!!

weiterlesen …


Foto: © raj_nair81/flickr – CC BY 2.0

Der dreizehnte Monat

Ich habe dieses Buch von einer alten Freundin geschenkt bekommen, die beim Ausmisten ihre Bücher ein paar weggegeben hat und mir dieses Werk mit den Worten überreichte: „Irgendwie finde ich, es passt zu dir.“ Was sie genau damit meinte, weiß ich bis heute nicht, aber ich habe es gelesen und fand es sogar ganz gut. Aber fangen wir von vorne an:

Jason Taylor ist dreizehn Jahre alt, stottert, schreibt heimlich (sonst würden ihn alle anderen Jungs eine Schwuchtel nennen) Gedichte und wohnt 1982 im aller-aller-aller-langweiligsten Teil Englands. Hände hoch, wer mit ihm tauschen will. Hinzu kommt, dass er sich öfter mal mit seiner älteren Schwester in den Haaren hat, aber nicht so sehr wie seine Eltern sich einander. Außerdem versucht er, vor den beiden rivalisierenden Banden älterer Typen zu bestehen, ohne allzu sehr zwischen die Fronten zu geraten und all diese Dinge füllen sein Leben auch schon zur Genüge aus. Obwohl das alles ziemlich stramme Herausforderung ist, meistert Jason diese Baustellen erstaunlicherweise einigermaßen gut.

weiterlesen

Heirate dein Lieblingsbuch

Im Buchpalast Standesamt in München gab’s Ende April eine so lustige Marketingaktion, dass wir euch davon berichten müssen: Zwei Läden wurden zusammengelegt und die findigen Betreiberinnen kamen auf die Idee, dass ihre Kunden ihre Liebe zu dem ein oder anderen Buch doch mal öffentlich machen könnten.

Und so kamen sie auf die Idee der „Buchheirat“. Wer „ja“ sagen wollte, konnte an dem Tag mit seinem Lieblingsschmöker in die Buchhandlung gehen und das Buch „heiraten“. Es sollen um die 50 Heiratswillige da gewesen sein, manche haben ihre Neubestellung geehelicht, manche das jahrealte Buchgespons – und es soll sogar Bigamisten gegeben haben. Ist ja nicht strafbar, wenn es um Bücher geht.

Wir finden: Eine lustige und auch schräge Idee!

Ich lese gerade: Futu.re

Dmitry Glukhovsky ist ja hauptsächlich aufgrund seiner Reihe Metro xxx bekannt geworden – und damit, dass er von Anfang an andere Autoren eingeladen hat, diese Reihe ebenfalls mit Leben zu füllen. Ich habe mich jetzt mal an den Wälzer Futu.re begeben und bin immerhin schon über Seite 200 hinausgelangt.

Immerhin? Und das bei mir, die ich ja durchaus schnell lese und auch gerne mal ein Buch an einem halben Tag verschlinge (wenn ich Zeit habe). Ja, denn für mich zieht sich die Geschichte so dahin, es fällt mir schwer, so richtig reinzukommen. Das liegt weniger an der Schreibe Glukhovskys, die ist zwar auch kein literarisches Aha-Erlebnis – aber das weiß ich ja mindestens seit Metro 2033. Nein, es ist die Geschichte an sich, die wohl nicht zu mir passt.

weiterlesen

Endlich: die Buchmesse in Leipzig!

Es war soweit: endlich, endlich war ich (Jo) auf der Buchmesse in Leipzig zu Gast. Die Buchmesse ist nun schon wieder über eine Woche her, aber die Eindrücke halten noch vor. Und davon will ich hier heute ein wenig berichten.

IMG_20170325_102616