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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ich lese gerade … Rätselhafte Ereignisse in Perfect

Violet hat keine Lust, umzuziehen! Warum nur muss der Papa einen Job irgendwo anders annehmen und die ganze Familie muss dahin ziehen. Aber da selbst die Mutter – obwohl sie ebenfalls kein Interesse daran hat, aus ihrem hübschen Häuschen und der netten Stadt wegzuziehen – meint, dass das jetzt nun mal so ist, muss sich wohl auch Tochter Violet der neuen Arbeitssituation unterordnen.

Und so findet sich das Mädchen eines dunklen Abends in Perfect wieder, einem Städtchen irgendwo, in dem der Vater seine neue Stelle hat. Er ist Augenarzt, operiert und forscht vor allen Dingen – ist also keiner, zu dem man hingeht, wenn man ein Gerstenkorn hat oder so. Als er einen Preis für seine Arbeit erhält, meldet sich ein Headhunter bei ihm – und er nimmt den angebotenen Job an. Denn in Perfect sind alle blind und Violets Pa soll helfen, das zu ändern.

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Mein verlorenes Land

Ende 2019 war ich in Vietnam. Ein Urlaub, keine außergewöhnliche Reise, sondern nur eine Stippvisite als Touristin. Und doch ist für mich ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen. Denn Vietnam ist seit meiner Kindheit in meinem Kopf. Und damit hat ein ganz bestimmtes Buch zu tun, welches ich euch heute hiermit vorstellen möchte.

Mein verlorenes Land ist eine Sammlung von Erzählungen des Autoren Huynh Quang Nhuong, in denen er von seiner Kindheit in einem Dorf in Vietnam erzählt. Für mich als westdeutsches Stadtkind war es eine Kindheit voller Abenteuer. Schlangen, Wasserbüffel, Wildschweine und andere Tiere nehmen einen großen Platz in seinen Geschichten ein, aber auch die Familie und sein ganzes Dorf spielen eine wichtige Rolle. Das alles wirkte auf mich so fremd und faszinierend, dass ich erstens das Buch in einem Rutsch durchlas und mich zweitens die Schilderungen von Land, Leuten und Tieren nie wieder losgelassen haben. Bis heute.

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Ab in die Feeeerien …

Jetzt (bzw. zu unterschiedlichen Tagen) kommt der Moment, auf den fast alle Schüler der nördlichen Welthalbkugel beinahe ein Jahr lang warten müssen: der letzte Schultag ist da und die großen Sommerferien beginnen. Wir erinnern uns: vor einem lagen dann unendliche Wochen fröhlichen Nichtstuns, der Schulstress war vorerst vergessen und die ganzen Nasen, die man jeden Tag sah, aber nie leiden konnte, verschwanden mit der Zeugnisausgabe für ganze 6 Wochen von der Welt. Gut, das mit dem Zeugnis konnte in Einzelfällen noch problematisch werden, aber meistens wurden die schlimmen Noten ja schon vorher diskutiert.

Bei der immensen Bedeutsamkeit der großen Ferien ist es natürlich kein Wunder, dass diese regelmäßig in Kinder- und Jugendbüchern thematisiert werden. In diesen kann von fröhlichem Nichtstun meistens jedoch keine Rede sein. Selbst wenn die Eltern eigentlich eine schöne Urlaubsreise geplant haben, kommt garantiert irgendwas dazwischen. Und dann können die Kids von Glück reden, wenn das unerwartete Abenteuer irgendwie in den Urlaub passt und die Eltern sich nicht gestört fühlen.

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Penelop und der funkenrote Zauber

Penelop (ja, wirklich ohne E am Ende) hat keinen Vater. Also, sie hatte mal einen, aber der ist tot – und das findet Penelop schade. Aber sie kennt es ja nicht anders, denn der Papa ist gestorben, als sie sehr klein war. Glücklicherweise hat sie eine ganz tolle Mutter und auch die Oma ist richtig nett – außer, wenn sie kochen soll. Das will man nicht essen – denn die Oma neigt dazu, sich bei jeder Gelegenheit ihre Münzsammlung anzugucken und vergisst dann auch schon mal, im Topf zu rühren.

An Penelop ist nichts Besonderes: Aschgraubraunes Haar, kein Überflieger, aber okay in der Schule. Die Mitschüler mögen sie und sie mag die Leute. Ein ganz normales Mädchen, könnte man denken. Nur, dass ihr Haar immer ein bisschen nach Asche riecht und es an ihrem Geburtstag immer regnet. Und manchmal hört sie etwas, bevor jemand es sagt. Aber das ist für Penelop vollkommen normal – und wenn etwas normal ist, macht man sich keine Gedanken darüber.

Dann muss ihre Mama für eine Weile ins Krankenhaus, weil sie von einem Traktor angefahren wurde – und eines Tages wacht Penelop auf und hat plötzlich rote Haare. Ihre Mutter ist noch nicht wieder da und sie weiß zunächst gar nicht, was sie denken soll, schließlich hat sie ihre Haare weder gefärbt noch sonst etwas mit ihnen angestellt. Plötzlich fühlt sie sich auch ganz anders – lebendig und voller Tatendrang. Was ist passiert?

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Vier Freunde auf Büchersuche

Neulich habe ich Fernsehen gesehen – naja, nicht ganz, war ich doch bei einem der vielfältigen Streaminganbieter unterwegs. Ich habe rumgestöbert und bin dann bei einer Kinder-/Jugendserie hängengeblieben, die ich ganz witzig und gut fand. In der Serie finden vier Kids durch Zufall zueinander, denn sie sind am gleichen Ort, als eine mysteriöse Schrift in verschüttetem Orangensaft auftaucht und ihnen einen Hinweis auf ein Geheimnis gibt. Da sie sich aber kaum kennen, denken sie nur, dass einer von ihnen (der frisch in die Stadt gezogene „Neue“, den sie noch nicht mal vom Sehen kennen) irgendwie echt schräg ist – bis sie noch ein paar Mal auf plötzlich auftauchende Nachrichten stoßen. Und feststellen, dass nur sie die Schrift sehen können. So finden sich die vier unverhofft in einem Abenteuer wieder, das insgesamt 26 Folgen dauert.

Besonders an der Serie ist, dass der „Neue“ quasi in einer Buchhandlung lebt, also in Wirklichkeit in der Wohnung darüber, aber seine Mutter und sein Opa betreiben den kruschtigen Laden mit handgeschriebenen Genreschildern und einer bunten Mischung aus antiquarischen und neuen Werken. Da sich die Kinder infolge ihres Abenteuers häufig dort treffen, spielt die Serie zu einem großen Teil in diesem Setting. Und der „Geist“, den die Kinder als Urheber der Schriften identifizieren, sendet den Vieren immer wieder Charaktere aus verschiedenen Büchern in ihr Leben. Plötzlich werden Romanfiguren lebendig – aber warum?

Das versuchen die Kinder herauszufinden – und gleichzeitig ihre Leben zu leben und zu bewältigen: Ob als superschlaues Mädchen zu lernen, dass andere auf andere Art schlau sind und es manchmal besser ist, den Wunsch zu helfen mit dem Angebot der Hilfe zu kombinieren. Oder die beiden Geschwister aus der Truppe, die die eine Hälfte der Woche bei Papa, die andere bei Mama leben. Von denen die jüngere Schwester sich so in das Geheimnis verstrickt, dass sie ihre Freundinnen total vernachlässigt, während ihr Bruder nicht versteht, warum er mit den Noten immer weiter runterrutscht und dadurch seine Teilnahme in der Baseballmannschafft gefährdet ist. Der „Neue“, der anfangs ein bisschen schüchtern ist und auch gar nicht umziehen wollte – und sich dann doch gut einfinden kann.

Dem „Warum“ kommen die vier näher, als sie nach und nach herausfinden, dass sie jedes Mal versuchen müssen, die Buchgestalten wieder in ihre Bücher zu transferieren. Und die Figuren helfen ihnen durch ihre Geschichte oder durch irgendeinen Umstand oder eine Fähigkeit, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Dadurch, dass der Geist immer wieder Figuren aus Romanen, Gedichten, Kurzgeschichten in unsere Welt sendet, lernt man so ganz nebenbei eine kleine Reihe an Gestalten kennen. Ob sie alle aus real existierenden Büchern kommen, habe ich nicht überprüft. Trotzdem sind manche bekannt: Da rennt plötzlich das Weiße Kaninchen durch die Schule der Kinder und hat wie immer keine Zeit, weil es zur Roten Königin will. Alice trippelt als Winzling in einem Klassenzimmer herum und wird fast zertreten. Das Frankenstein-Monster will einfach nur, dass sein Schöpfer es wahrnimmt und beachtet. Mogli taucht aus dem Dschungel-Buch auf und befreit alle Hunde aus dem Tierheim, weil die gehören nicht eingesperrt. Sherlock Holmes und Watson überraschen total – denn sie sind eine Adaption der Romanvorlage: sie sind Frauen. Oder die Space-Cowboys, die sich mit Laser-Peitschen schlagen und am Ende auf ihren Schwebemotorrädern davonbrausen. Ein Taxifahrer kommt aus einem Gedicht, aber am Ende ist auch er woanders her: Der Gedichtschreiber hat sich von einem Detektivroman inspirieren lassen.

So werden munter Figuren aus unterschiedlichsten Genres präsentiert, Erwachsenenliteratur oder Kinderbuch ist egal, auch die vielfältigen Wege, die so eine Figur zurücklegen kann, lernt man nebenbei. Ob man die Bücher kennt oder nicht (auch, ob es sie wirklich alle gibt oder nicht) ist wurst.

Die Kids sind allerdings nicht die super belesenen Nerds, nein, oft kennen sie die Geschichte gar nicht, oft müssen sie erstmal das Internet danach durchforsten, woher denn der aktuelle Charakter bloß kommt, und sich dann das Buch besorgen und lesen. Im Falle der Space-Cowboys liegen sie eine ganze Weile falsch, weil sie durch das Outfit der Typen denken, dass sie es mit einem Western zu tun haben – bis sie irgendwann das Schwebemotorrad entdecken …

Insgesamt eine nette Serie. Manchmal sind die Probleme und ihre Lösung doch arg kurz geraten, aber auf der anderen Seite wird die Story so nicht durch eine epische Breite totgetreten. Gut gefallen hat mir auch, dass die Kinder nicht sofort aufeinander losstürzen und dicke Freunde sind. Nein, sie fühlen sich anfangs eher als zufällig zusammengewürfelt, dann als Verbündete und werden erst nach und nach Freunde. Wie im richtigen Leben eben.

 

 

Weit weg von Verona

Jessica Vye hat es nicht leicht: sie weiß immer, was andere denken, sie kann nicht lügen und niemand mag sie. Naja, bis auf ihre Freundin Florence und später vielleicht auch Christian, aber der ist selbst irgendwie komisch. Alle anderen Mädchen in der kleinen englischen Stadt finden sie jedenfalls höchst merkwürdig. Jessica selbst ist mit sich ziemlich im Reinen, seitdem sie weiß, dass sie Schriftstellerin werden will. Das hat sie immerhin schon im Alter von neun Jahren herausgefunden. 

Leider muss sie trotzdem noch zur Schule, obwohl sie sich dort nur mit ihren Lehrerinnen und Mitschülerinnen in der Wolle hat. Lediglich mit der schrulligen Miss Philemon versteht sie sich gut. Vielleicht liegt das daran, dass Miss P. auch ein bisschen verrückt ist und sich einen Dreck darum schert, was andere Leute von ihr denken. Vielleicht ist der einfache Grund dafür aber auch der, dass Miss Philemon genauso gern Bücher liest wie Jessica – und am Ende sogar ihr Gedicht lesen darf.

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Ich lese vielleicht bald … Tomi Ungerer

Das könnte sein Der Hut oder Kein Kuß für Mutter oder Warwick und die drei Flaschen. Warum gerade Tomi Ungerer und warum gerade eines der drei genannten? Erklärung Nr. 1 ist denkbar einfach: Ich habe sie kürzlich zusammen mit ein paar anderen wegweisenden Werken meiner Kindheit von meiner Mutter in die Hand gedrückt bekommen. Jetzt liegen sie hier lesebereit und ich dachte mir: warum nicht? Erklärung Nr. 2 wäre, dass Tomi Ungerer ein durchtriebener, liebenswerter Verrückter war, der genial-durchgeknallte Kinderbücher geschrieben hat. Das Biest des Monsieur Racine hat mich meine Kindheit über begleitet und Zeraldas Riese hat mir gleichzeitig Furcht und Freude gemacht. Diese Erinnerungen haben eine Auffrischung verdient.  Aber eben durch drei andere Bücher: 

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Mein Bruder heißt Jessica

Sam fällt aus allen Wolken, als sein Bruder Jason eines Abends der Familie eröffnet, dass er eigentlich ein Mädchen ist. Schon immer war. Wie, so fragt sich der kleine Bruder, kann man ein Mädchen sein, wenn man „einen Pimmel“ hat? Und auch schon eine Freundin, mit der man knutscht? Und – vollkommen unverständlich – auch noch der Oberkracher im Fußball ist – sogar Mannschaftskapitän? Das ist viel zu unvorstellbar für den Dreizehnjährigen, für den sein großer Bruder die unverzichtbare Stütze im Leben ist. Der ihm bei seiner Lese- und Schreibschwäche hilft, der auf ihn aufpasst und der immer da ist – vor allen Dingen, wenn die Eltern mal wieder keine Zeit haben. Die Mutter ist nämlich Ministerin im britischen Parlament und der Vater ihr Sekretär. Und die beiden sind meistens viel zu sehr damit beschäftigt, die Karriere der Mutter voranzutreiben, als sich mit ihren Sprösslingen auseinander zu setzen.

Aber Sam versucht irgendwie seinen Bruder (oder am Ende gar Schwester?? verdammt, wie denn nun?) zu verstehen und damit klar zukommen, dass der 17-jährige plötzlich nicht mehr der Ältere ist, der ihm bei seinen Sorgen hilft. Da er das ganze Thema aber kaum versteht und sich schon gar nicht vorstellen kann, ist es ziemlich schwer für den Jungen, sich überhaupt zu der gesamten Situation zu verhalten.

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Drachen

So, ihr Lieben, we proudly present: Drachen!

Natürlich können wir nur einige wenige dieser meist riesigen und Feuer speienden Geschöpfe vorstellen. Wollten wir euch einen umfassenden Überblick geben, wäre jeglicher Platz zu klein und unsere Zeit zu kurz. Schließlich sind Drachen mit die ältesten Geschöpfe des Uni- (und wahrscheinlich auch des Multi-)versums …

Trotzdem hoffen wir, dass euch unsere kleine Übersicht ein bisschen Freude bereitet 🙂

Hier geht’s zu den geflügelten Wesen.

Oh, wie schön ist Panama

Der allgemein bekannte und beliebte Kinderbuchautor Janosch ist kürzlich 90 Jahre alt geworden. Er ist definitiv einer der ganz ganz Großen unter den Kinderbuchliteraten, der wahrscheinlich noch über Generationen hinweg im Schein einer Nachttischlampe vorgelesen wird. Das Merchandising zu seinen Werken erfreut sich ambivalenter Beliebtheit (Benjamin von Stuckrad-Barre äußerte sich einmal sehr despektierlich über Tigerenten und auch ich kann die dazu passenden Zahnputzbecher nicht mehr sehen), aber seine Werke selbst sind äußerst vielseitig und unterhaltsam.  Auch als Erwachsene (oder das, was ich dafür halte) kann ich mich noch an Kümmel-Luki oder Herrn Wondrak erfreuen. Aber eigentlich wollte ich die Gelegenheit hier nutzen, eines seiner berühmtesten Werke mit dem Abstand einiger Jahre unter die Lupe zu nehmen.  

Oh, wie schön ist Panama – das schmale Bilderbüchlein mit der großen Schrift ist wahrscheinlich jedem ein Begriff. Für diejenigen, denen der Titel nicht bekannt vorkommt, hier eine kurze Zusammenfassung:

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