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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Schlagwort-Archiv: Science Fiction

Neues Buchhoroskop für Zwillinge

Hopsassa und vorneweg mit Verantwortung

Zwillinge sind Überflieger, immer vornedran, schnelle Ideen, schnelle Taten – und dann schnell weiter. Manches Mal kommt man kaum hinterher. Und mancher Zwilling schert sich kaum darum, ob ihm alle anderen folgen können oder gar, ob sein Tun irgendeine Auswirkung auf die Welt um ihn oder sie hat …

Nun wollen wir euch einen Zwilling vorstellen, der zwar genauso sprunghaft wie intelligent wie weit voraus ist, der seine Arbeit liebt und immer weiter voran will – und der sich trotzdem im Ernstfall schwere vorwürfe macht und auch überlegt, wie er den Schaden wieder gut machen kann: Wiebke Lehmann.

Wir empfehlen für die Zwillinge:

Das Rätsel Sigma von Karl-Heinz Tuschel

Ach ja, die Zwillinge, immer frisch vorneweg und allen anderen 17 Schritte voraus. Manchmal ist das ermüdend, oft spannend und interessant. Bei Sherlock Holmes konnte man immer davon ausgehen, dass er mit seinen schnellen Gedanken selbst dem ärgsten Bösewicht einen Schritt voraus war und ihn oder sie zur Strecke brachte – mal abgesehen von Professor Moriarty vielleicht …

Bei Wiebke Lehmann läuft der Hase leider ein bisschen anders: Die sympathische und energische Verfahrensingenieurin in der Forschungsproduktion Betalonvermüllung (FBV) ist dafür zuständig, Wege zu finden,  wie bestimmte Bakterien am effizientesten arbeiten. Die Regierungen in Karl-Heinz Tuschels „Das Rätsel Sigma“ sind sich nämlich schon 1996 bewusst, dass man mit riesigen Plastebergen nur die Umwelt zumüllt und haben deswegen entschieden, bei der Entwicklung neuer Stoffe gleich das Recycling mitzudenken.

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Foto oben: © Raphael Reischuk/PIXELIO

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Raumschiffe im Größenvergleich

Neulich habe ich was ganz tolles gefunden: Einen Größenvergleich von Raumschiffen auf einem Poster!

Super. Da hat sich ein Mensch namens Dirk Löchel eine irre Arbeit gemacht, alle möglichen Raumschiffe auf einem Stück „Papier“ unterzubringen, und zwar maßstabsgetreu. Ein Pixel (!!!!) entspricht zehn Metern. Auch die ISS ist dabei – schließlich sollte unser einziges Raumschiff (wir sind mal großzügig in der Auslegung des Begriffes) nicht fehlen. Man muss sie allerdings suchen, so klein ist die Raumstation im Vergleich zu den riesigen Schiffen aller anderen …

Natürlich gibt es Star Wars, Star Wars, Star Wars. Und Star Trek, klar. Warhammer bietet auch reichlich Fluggeräte. Aber wenn man sich die Grafik mal in der Originalauflösung (klicke auf unser Bild und du kommst auf die Seite) runterlädt und dann großzieht, entdeckt man alle möglichen weiteren Vehikel, mit denen man im All rumschippern kann. Wenn euch was fehlt, guckt in den Erläuterungen und Kommentaren, oft hat Löchel dazu schon was gesagt.

So, und hier jetzt Löchels grandiose Arbeit:

Poster mit Abbildungen von Raumschiffen aller Art im maßstabsgetreuen Größenvergleich

© Dirk Löchel

Ich lese gerade … Das Rätsel Sigma

Neulich habe ich in einer Bücherverschenkebox zwei SF-Bücher rausgezogen. Sie sind noch aus DDR-Zeiten und solche Bücher nehme ich immer mit. Diese SF ist einfach anders, vor allem meist keine Endzeitutopien mit allen möglichen bösen, widerwärtigen und antimenschlichen Lebewesen. Das tut gut.

Und so lese ich jetzt „Das Rätsel Sigma“ von Karl-Heinz Tuschel. Schön ist gleich der zweite Satz: „Der Mai des Jahres 1996 hatte bis Mitte der Woche nur Kälte und Regen gebracht, einmal war soar so etwas wie Schnee auf die mecklenburgische Stadt Neuenwalde herabgerieselt.“ Das Buch ist von 1974 und da war ’96 natürlich Zukunft, während wir a) wissen, dass da schon die Mauer gefallen war und sich b) die Welt ganz schön weiterentwickelt hat, auch technisch.

Bisher (ich bin auf Seite 43) dreht sich das Buch um Herbert Lehmann, der an der Aufklärung plötzlicher Schlafanfälle arbeitet: In Neuenwalde fallen im besagten Mai mehrere Menschen urplötzlich in Schlaf und sind nicht mehr wachzukriegen. Keiner weiß, wieso. Lehmann ist Mathematiker und leitet das „mathematische Büro“ in der „Bezirksinspektion für Umweltschutz“ in einer mecklenburgischen Bezirksstadt.

Auf den „paar“ Seiten, die ich bisher gelesen habe, gibt es schon ein paar tolle Ideen: In Tuschels 1996 ist der „benzinlose Stadtberkehr“ Realität. Das heißt, in allen Städten stehen E-Autos für alle Bürger bereit. Die Autos sind offen, man kauft sich Marken, von denen man eine in einen Schlitz im Auto wirft, dann kann man fahren. Benziner stehen dann in Garagen am Stadtrand, mit ihnen kann man bei Bedarf weiterfahren bzw. ein Fahrer fährt einen.

In der Welt Herbert Lehmanns ist auch schon überall Glasfaser verlegt und Videoanrufe sind für die Menschen das normalste der Welt. Ich erinnere mich daran, Anfang der Neunziger an der Uni an Tests zur „Bildschirmtelefonie“ teilgenommen zu haben und wir dümpelten gerade mal mit Modems herum …

Auch das aktuell viel diskutierte Plastikproblem haben die Menschen in „Das Rätsel Sigma“ fast im Griff: Als man nämlich mehr und mehr Plaste produzierte, stellte die Welt fest, dass es ein Abfallproblem geben würde – und dass man sich damit beschäftigen müsse. So wurden verschiedene Methoden der Verrottung entwickelt und Anfang der 90er entschieden, bei der Produktion von Plastik gleich seine Entsorgung mitzudenken. Heute, 2018, heißt das cradle-to-cradle – und kaum ein Hersteller von irgendetwas scheint sich dafür zu interessieren.

Im Buch arbeitet Lehmanns Frau Wiebke daran, ein neuartiges Plastik ordentlich abzubauen: Gleich mit der Einführung von „Betalon“ wurden Bakterien gezüchtet, die den Stoff so zersetzen können, dass man aus dem Restprodukt wieder neues „Betalon“ machen kann. In der Realität schaffen wir es gerade mal zu Tragetaschen, Fleecepullis und T-Shirts … die aber höchstens noch zu Sargfüßen weiterverarbeitet werden können. Das ist natürlich besser als verbrennen – aber wie schön wäre eine andere Lösung …

Nach meinen knapp 40 Seiten Lektüre bin ich ziemlich beeindruckt, was Tuschel sich schon 1974 ausgedacht hat – zu einer Zeit, in der sich die meisten Menschen noch kaum Gedanken zu all diesen Themen gemacht haben. Es wäre toll gewesen, wenn wir hüben wie drüben schon 1996 Internet, Handys und E-Autos und einen voll funktionsfähigen Plastikkreislauf gehabt hätten.

Was ich denke ist, dass man die Entwicklung manches Mal nicht schneller machen kann. Aber wenn der Mensch sich schon Sachen ausdenken kann, so wie Tuschel es getan hat, dann wäre es manches Mal toll, wenn das Denken auch gleich zu Forschung und Entwicklung führen würde. Vor allen Dingen bei den nützlichen Dingen und nicht nur bei Waffen etc.

Mal sehen, wie es weitergeht im Buch. Vielleicht ist ja die Plasteproduktion schuld an der Schlafkrankheit oder das AKW, aus dem die ersten Fälle kamen.

Abenteuer Futuria

Neulich habe ich „Abenteuer Futuria“ von Klaus Beuchler in die Finger bekommen. Das ist ein Science Fiction, der im Jahr 2071 spielt, Hauptpersonen sind eine Horde Jugendlicher. Das Buch ist von 1974, aus der DDR und mit der dazu passenden Idee einer geeinten Welt, in der alle entsprechend ihrer Neigungen arbeiten und leben.

Manchmal ist es nun ganz spannend, ältere Bücher zu lesen. Vor allen Dingen alte Science Fiction. Da hat sich jemand vor einer ganzen Weile ausgedacht, wie es heute oder in x Jahren auf der Welt aussehen mag. Besonders interessant ist dabei, wie sich die Welt in der Phantasie des Autors weiter entwickeln könnte. Schaut man sich das dann aus der (damaligen) Zukunft an, so kann sich der Leser die Exklusivität leisten, vorgestellte und reale Zukunft zu vergleichen.

Heute will ich mal versuchen, ein paar dieser Ideen mit der Wirklichkeit abzugleichen und euch einladen, euch doch auch Gedanken darüber zu machen, wie die Welt aussehen könnte, was sich schon alles getan hat und einfach mal rumzuspinnen, welche Ideen aus Science Fiction ja vielleicht ganz toll wären.

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Everlasting

„Na, ich finde jedenfalls, ein Science-Fiction-Liebesroman wäre doch auch mal schön.“ Das wünscht sich Eliana, eine BerlinerGöre, die Anfang der 2000er Jahre in der Hauptstadt wohnt. Und sie vertraut das ihrem Tagebuch an, neben all den anderen Dingen, die Teenager so wichtig finden und aufschreiben: die Geburtstagsgeschenke, welche Jungs toll sind, wie blöd der Bruder ist (der immer nur die SF-Stories mit den Aliens und dem Geballer liest) und so fort. Sie weiß nichts davon, dass ihre Welt in ein paar Jahren enden, Deutschland mehr oder weniger aussterben und sich die Erde total verändern wird. Sie weiß auch nichts davon, dass ihre Tagebücher rund 250 Jahre überdauern werden – und dann von Finn Nordstrom gelesen werden.

Finn lebt im Jahr 2265. Er ist Historiker, Spezialist für die ausgestorbene deutsche Sprache und Deutschland. Finn lebt in Berlin, ist aber gebürtiger Amerikaner – auch wenn das im jahr 2265 nicht mehr wichtig ist. Er lebt im Märkischen Viertel, das seit einer ganzen Weile kein Stadtteil mehr ist, sondern ein riesiges Wohnheim, das aussieht wie der Rubik’s Cube. Er ist Mitte Zwanzig, ein Alter, in dem in der modernen Welt von den „Prä-Adulten“ erwartet wird, dass sie sich so langsam mal einen Partner suchen, sich seelisch gefestigt haben. Das soll mit 30 abgeschlossen sein. Finn arbeiet wie alle seine Altersgenossen. Er übersetzt Berichte der Deutschen Bank aus den Anfangsjahren des 21. Jahrhunderts ins Englische, eine Arbeit, die er nicht sonderlich spannend findet. Und dann bekommt er eines Tages das Angebot, ein Tagebuch zu übersetzen …

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A new Star is born: Lernt drei reizende Roboter kennen

Wusstet ihr, dass das Wort „Roboter“ zuerst von dem tschechichen Künstler Josef Čapek verwendet wurde? Und dass das Wort auf das tschechische Wort „robota“ zurückgeht und „Frondienst“ oder „Zwangsarbeiter“ bedeutet? Betrachtet man Oskar, Marvin und Erg Selbsterreg stellt man allerdings fest, dass alle drei nicht wirklich einfach nur ausführende Maschinen sind. Und von den drei Robotergesetzen Asimovs hat zumindest Erg noch nie gehört: Er macht einfach einen Bleichling (Menschen) platt … oder behauptet es zumindest. Aber lest selbst, was die drei Roboter eint und unterscheidet.

Die bewohnte Insel

Die Brüder Strugazki gehören zu meinen Lieblingsautoren. Viele Bücher haben die beiden Russen veröffentlicht und mir hat fast jedes gut gefallen. „Die bewohnte Insel“ gehört für mich dabei eindeutig zu den Highlights. Es ist der erste Roman einer Trilogie um den Raumerforscher Maxim Kammerer.

Maxim ist ein Mensch von der Erde. Er ist als Angehöriger der Gruppe „Freie Suche“ unterwegs im All, die neue Welten suchen – um das Wissen der Menscheit zu mehren und neue Kontakte zu knüpfen (falls intelligente Wesen dort leben). Er ist jung, gut ausgebildet und immun gegen alle möglichen Arten von Krankheiten. Er kann Radioaktivität verkraften, einen See unter Wasser durchqueren und Wunden heilen bei ihm in Nullkommanix. Wie die meisten jungen Menschen ist er voller Tatendrang und Entdeckergeist. Und er ist ein Kind seiner Zeit: Kriege sind ihm fremd, das menschliche Miteinander ist von Respekt und Harmonie geprägt. Und dann stürzt er mit seinem Raumgleiter auf den Planeten Saraksch. In ein Land, das von den Folgen eines Atomkriegs, Korruption und Völkerbeeinflussung bestimmt wird.

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Zeitreisende sterben nie

Zu Zeitreisen gibt es unzählige Science-Fictions. Ich finde sie alle spannend! Vor allen Dingen interessiert mich, wie das Thema „Zeitparadoxon“ angegangen wird. Auf den Punkt gebracht: Wie verhindert der Protagonist, dass er seine eigene Oma umbringt/schwängert/von Opa fern hält. Und bloß weil man zu den Dinosauriern reist, heißt das ja noch lange nicht, dass man Oma nicht ans Leder kann … wer weiß, wofür genau dieser eine Dino, den man geschossen hat, gut war. Hier also eine Variante, wie man verhindert, dass die Welt auf den Kopf gestellt wird.

Adrian Shelborne, genannt Shel, hat Physik studiert, landete in der PR-Abteilung einer Firma für Elektronikgeräte und hat einen erfolgreichen Physiker-Vater. Dieser Vater verschwindet eines Tages spurlos. Eine knappe Woche später meldet sich ein Anwalt und übergibt Shel ein Umschlag mit einem Schlüssel und einem Brief. Der Schlüssel gehört – natürlich – zu einem Postfach. Der Brief ist von Shels Vater und weist auf drei so genannte Q-Pods hin, die Shel sofort und ohne zögern vernichten soll. Was Shel – ebenfalls logo – nicht tut. Statt dessen daddelt er abends mit einem der Geräte herum, bekommt das Passwort heraus, gibt ein paar Zahlen ein und landet … woanders.

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