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Bücher über kleine, große und fremde Welten

The First Journey – Ein Kinderbuch aus Vietnam

War schon mal jemand von euch in Vietnam? Ich hatte diesen Winter das Glück, endlich dorthin reisen zu können und denke seitdem oft wieder gern an diese Erfahrung zurück. Besonders eine Begebenheit geht mir nicht mehr aus dem Kopf und von dieser möchte ich gern erzählen:

Es begab sich in Hoi An, einer echt schnuckeligen kleinen Stadt in der Mitte des Landes. Die Stadt liegt direkt am Fluss und wird nachts an allen Ecken und Enden mit Laternen beleuchtet. In dieser Stadt laufen unfassbar viele Touristen rum, was aber seltsamerweise gar nicht stört. Besonders bekannt ist Hoi An für seine vielen Geschäfte, in denen man Klamotten, Souvenirs (gute und trashige), Kunsthandwerk oder eben Bücher kaufen kann. Beim Stöbern in einem Laden, der im Grunde alles davon verkaufte, stieß ich auf ein wundervolles Kinderbuch namens The First Journey.

Dieses unglaublich schön bebilderte Buch handelt von dem kleinen Jungen An, der sich zum ersten Mal allein auf den Schulweg machen muss.  An lebt im Mekong-Delta und seine Schule liegt natürlich nicht um die Ecke, sondern verflucht weit weg. Zudem muss er den ersten Schulweg ganz allein ausgerechnet in der Regenzeit zurücklegen. Er verlässt also vor Sonnenaufgang mit seinem kleinen Holzboot sein Heimatdorf und paddelt auf den riesigen Mekong mit seinem unübersichtlichen Netz aus Armen und Nebenarmen. Nur auf sich allein gestellt bekommt es An im Laufe der Fahrt mit hohen Wellen, Platzregen und mit dunklen Mangrovenwäldern, die von Schlangen und Krokodilen bevölkert sind, zu tun. Der kleine Junge hat schreckliche Angst (Himmel, wie würde es uns wohl gehen?), aber er und das kleine Boot halten tapfer durch. Am Ende geht zum Glück alles gut aus: als sich der dunkle Himmel auftut, sieht An die ersten Wasserbüffel, die er gut kennt, und bald danach die ersten Schulkameraden, die ebenfalls eine aufregende Bootsfahrt hinter sich haben. An hat es zum ersten Mal allein geschafft, die Schule kann beginnen.

Ich werde wohl nie vergessen, wie ich in diesem kleinen Krimskramsladen stand bei 30 Grad Hitze draußen, das Buch in den Händen hielt und vor lauter Angst und Sorge um An am ganzen Körper schlotterte. Ich war von diesen wunderbaren Bildern (Gemälden müsste man eigentlich sagen) sofort hin und weg. Ich sage so etwas ja nicht gern, weil es mich an abgenutzte Schilderungen aus mittlerweile meist lahmen Fantasy-Geschichten erinnert, aber es war tatsächlich so, als ob ich in das Buch hineingesaugt wurde und mich zusammen mit An mitten auf dem Mekong befand. Verrückt, wie erleichtert ich war, als endlich diese Wasserbüffel auftauchten.

Dummerweise habe ich das Buch nicht gekauft. Weiß der Teufel, warum ich das nicht gemacht habe, wahrscheinlich fürchtete ich, dass es nicht mehr in den Rucksack passt oder auf der langen Rückreise kaputt gehen könnte. Ich bereue meine Entscheidung zutiefst. Also, falls ihr irgendwann in Vietnam seid und einen internationalen Buchladen seht, schaut doch mal, ob ihr das Buch dort findet. UND KAUFT ES DANN! 🙂

Wer – wie ich – diese Gelegenheit verpasst oder gar nicht erst nach Vietnam kommt, der kann sich über diese Seite zumindest einen Eindruck von den wunderschönen Bildern verschaffen:

https://www.behance.net/gallery/70822513/THE-FIRST-JOURNEY

Und wenn ihr mehr wollt, seht euch mal hier um. Die Autoren haben auf jeden Fall noch ein paar Asse im Ärmel:

https://www.kaaillustration.com/portfolio 

 

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